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Diskussion über Masern-Impfpflicht in Bayern - Söder skeptisch | BR24

© BR/Irene Esmann

Masern-Impfung - Es kommt Bewegung in die Debatte

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Diskussion über Masern-Impfpflicht in Bayern - Söder skeptisch

Brandenburg und Nordrhein-Westfalen wollen eine Masern-Impfpflicht einführen. Bundesgesundheitsminister Spahn und SPD-Chefin Nahles begrüßen die Entscheidung. Die FDP-Landtagsfraktion fordert dies jetzt auch für Bayern - CSU-Chef Söder ist skeptisch.

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Auch in Bayern gibt es Stimmen für eine Masern-Impfpflicht in Kindertagesstätten. Der Gesundheitsexperte der FDP-Landtagsfraktion, Dominik Spitzer, sagte am Wochenende, die wiederholten Masern-Ausbrüche zeigten, dass es regional gefährliche Impflücken gebe. Er fordert deshalb, dass Bayern dem Beispiel Brandenburgs und Nordrhein-Westfalens folgt - beide Länder wollen eine Masern-Impfpflicht einführen. Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) solle ihre Skepsis gegen einer Impfpflicht ablegen, sagte Spitzer.

Nahles und Spahn für deutschlandweite Impfpflicht

Rückendeckung bekommt Spitzer jetzt auch von der SPD-Vorsitzenden Andrea Nahles. Sie unterstützt das Vorhaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Masern-Impfungen für Kita- und Schulkinder zur Pflicht zu erklären. "Ich finde es richtig, bei sehr ansteckenden Krankheiten wie Masern eine Impfpflicht einzuführen", sagte sie der "Süddeutschen Zeitung". Es gehe dabei nicht nur um die Gesundheit der Kinder, sondern auch älterer Menschen mit geschwächtem Immunsystem. "Die individuelle Freiheit hat ihre Grenzen dort, wo sie die Gesundheit vieler anderer gefährdet", erläuterte sie. Und das sei hier eindeutig der Fall:

"Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Weigerung, sich gegen Masern impfen zu lassen, kürzlich immerhin zu einer der globalen Gesundheitsbedrohungen erklärt." Andrea Nahles, Bundesvorsitzende der SPD

Derweil werden die Pläne für eine bundesweite Masern-Impfpflicht konkreter. Anfang Mai wird dazu ein Vorschlag des zuständigen Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU) erwartet.

Söder sieht Impfpflicht skeptisch

CSU-Chef Markus Söder dagegen wirbt zwar für freiwillige Impfungen, sieht eine Impfpflicht aber skeptisch. Dazu gebe es derzeit noch keine Veranlassung, sagte der bayerische Ministerpräsident am Sonntag. Die Impfquote sei noch ausreichend, so dass über solche Maßnahmen noch nicht nachgedacht werden müsse.

34 Masernfälle seit Jahresbeginn in Bayern

Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) hatte kürzlich betont, es sei wichtig, die Masern-Impfquoten weiter zu erhöhen. Sie setze dabei auf intensive Beratung und Aufklärung.

"Eine allgemeine Impfpflicht sollte nur als letzte Möglichkeit in Erwägung gezogen werden – und zwar dann, wenn andere Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg bringen." Gesundheitsministerin Melanie Huml

Im letzten Jahr erkrankten in Bayern 108 Kinder und Erwachsene an Masern. Bundesweit waren es laut Robert-Koch-Institut 543.

Seit Anfang des Jahres gab es in Bayern 34 Masernfälle. Das ergab kürzlich eine Grünen-Anfrage bei der Staatsregierung. Fraktionschefin Katharina Schulze warf der Staatsregierung Versagen beim Thema Masernimpfung vor. Sie habe es in den vergangenen Jahren nicht geschafft, "die Quote bei der zweiten Impfung gegen die im Extremfall tödliche Masernkrankheit auf die erforderlichen 95 Prozent zu heben", sagte Schulze in München.

Impfquote von 95 Prozent empfohlen

Das bayerische Gesundheitsministerium widerspricht. In den vergangenen 13 Jahren sei es dank intensiver Aufklärungsarbeit gelungen, bayernweit die Zahl der zweimal gegen Masern geimpften Kinder deutlich zu steigern - und zwar um 48,2 Prozentpunkte auf 92,2 Prozent, sagte ein Ministeriumssprecher.

Besser wäre nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) aber eine Quote von 95 Prozent. Nur so könne eine Verbreitung der Erkrankung verhindert werden. Die Quote bei der ersten Masernimpfung liegt laut Staatsregierung bei 96,6 Prozent.

© BR/Cecilia Reible

Nordrhein-Westfalen will eine Masern-Impfpflicht in Kindergärten. Der Brandenburger Landtag hat am Donnerstag bereits eine Masern-Impfpflicht in Kitas beschlossen. Auch der Bund bereitet einen neuen Gesetzesentwurf vor.

💡 Was sind Masern?

Masern sind eine Viruserkrankung, die schneller übertragen wird als etwa die Grippe oder Ebola. Wenn ein Infizierter niest oder hustet, bleiben die Viren noch zwei Stunden aktiv. Eine Infektion kann also noch erfolgen, wenn gar kein Infizierter mehr im Raum ist. Die Krankheit äußert sich mit hohem Fieber und später dann mit rotem Hautausschlag. Zudem können lebensgefährliche Komplikationen wie eine Lungenentzündung oder eine Hirnhautentzündung auftreten, insbesondere bei ohnehin abwehrgeschwächten Menschen wie Säuglingen oder Senioren.