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Fazit: Wie erfolgreich sind Pop-Up-Radwege in Bayern? | BR24

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Die im Frühjahr eingerichteten Pop-Up-Radwege, also temporäre Spuren für Fahrradfahrer, wurden in einigen Städten Bayerns wieder abgebaut. Wie fällt das Fazit aus? Haben die Pop-Up-Radwege mehr Fahrradfahrer angelockt und wie geht es jetzt weiter?

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Fazit: Wie erfolgreich sind Pop-Up-Radwege in Bayern?

Die im Frühjahr eingerichteten Pop-Up-Radwege, also temporäre Spuren für Fahrradfahrer, wurden in einigen Städten Bayerns wieder abgebaut. Wie fällt das Fazit aus? Haben die Pop-Up-Radwege mehr Fahrradfahrer angelockt und wie geht es jetzt weiter?

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Im Frühjahr richteten viele Städte in Deutschland sogenannte Pop-Up-Radwege ein, also temporäre Spuren für Fahrradfahrer, oft anstelle einer Spur für Autofahrer und mit gelben Markierungen gekennzeichnet. Neben Berlin wurden auch in einigen bayerischen Städten temporäre Fahrradwege realisiert, unter anderem in München, Nürnberg und Fürth.

Verkehrshindernis oder Verkehrswende?

Befürworter erhoffen sich von den Pop-Up-Radwegen eine Beschleunigung der Verkehrswende, Kritiker sehen in ihnen oft ein Verkehrshindernis. Mit dem Beginn der kalten Jahreszeit sind weniger Radfahrer unterwegs. Aus diesem Grund wurden in vielen Städten Bayerns die Pop-Up-Radwege mittlerweile wieder abgebaut.

Beispiel: In der Rothenburger Straße im Nürnberger Westen befand sich bis vor kurzem noch eine Pop-Up-Spur für Radfahrer, die auf der einen Seite mit Warnbarken, auf der anderen mit gelben Markierungen von der Fahrbahn für PKW abgegrenzt war. Mittlerweile ist sie wieder abgebaut und dieser Teil der Straße wieder für Autofahrer freigegeben worden. Eine Verbreiterung des bestehenden Fahrradwegs auf eine gesamte Autospur wird es nicht geben.

Ziel in Nürnberg nicht erreicht

Laut dem Baureferent der Stadt Nürnberg, Daniel Ulrich, sei das von der Stadt anvisierte Ziel von 1.000 Radfahrern pro Tag nicht erreicht worden. Aus seiner Sicht hätten insgesamt zu wenige Radfahrer den Weg benutzt:

"Auf der Rothenburger hätten wir es als echten Erfolg gesehen wenn wir auf die 1.000 gekommen wären. Wir sind aber bei 600 bis 800 gelandet, je nachdem auf welcher Seite und zu welcher Tageszeit. Das ist noch nicht genug." Daniel Ulrich, Baureferent der Stadt Nürnberg

Die zu geringe Nutzung liege auch daran, dass die Route nicht gut an andere Radwege angebunden sei, glaubt Ulrich. Zudem habe es aus der Bevölkerung Kritik für den Pop-Up-Radweg gegeben, insbesondere von Autofahrern, zum Beispiel aufgrund von Stauungen. "Die Gesamtfahrzeiten haben sich wohl kaum verändert, aber das Gefühl ist schlechter geworden", so Ulrich.

Für Markus Stipp vom Fahrradclub ADFC sind Pop-Up-Radwege prinzipiell eine gute Idee, aber sie müssten gut geplant werden. Beim dem Pop-Up-Radweg in Nürnberg sei aus seiner Sicht nicht zu Ende gedacht worden.

"Man muss in Netzen denken, in durchgehenden Trassen durch die Stadt. Deswegen fordern wir beim nächsten Mal die frühe Einbindung der Vertreter mit uns, damit wir gemeinsam ein Konzept für weitere Verkehrsversuche ausarbeiten können." Markus Stipp, Fahrradclub ADFC

Vergleichbarer Trend in Fürth – Wachstum in München

In Fürth gibt es ebenfalls einen Pop-Up-Radweg, der auch noch besteht. Dieser ist, ähnlich wie in der Rothenburger Straße in Nürnberg, ebenfalls schlecht an andere Radwege angebunden. Die Zahlen sind hier von sonst 250 Radlern pro Tag auf gerade mal 270 gestiegen, laut Jonas Schubert vom Stadtplanungsamt in Fürth.

In München sind alle im Frühjahr entstandenen Pop-Up-Radwege mittlerweile wieder abgebaut worden. Hier steht der Trend im starken Kontrast zu den mittelfränkischen Verkehrsversuchen: Der Radverkehr sei an manchen Stellen um über 100 Prozent gestiegen, wie zum Beispiel auf Abschnitten der Theresienstraße von 900 auf 2.200 Radler stadtauswärts, heißt es von der Stadtverwaltung. Allerdings sei nicht immer klar, ob es noch andere Gründe für dieses Wachstum gegeben hat.

Weitere Verkehrsversuche und Auswertungen geplant

In Nürnberg bleibt vorerst alles beim Alten, zumindest auf der Rothenburger Straße, so Baureferent Daniel Ulrich. "An anderen Strecken werden wir schon wieder Verkehrsversuche machen", so Ulrich. Einen längeren Pop-Up- Radweg wie in diesem Jahr würde es wohl erstmal nicht geben, da favorisiert der Baureferent eher gleich den Bau eines richtigen Radwegs, wenn es Sinn ergibt.

In München soll unterdessen ausgewertet werden, ob manche Pop-Up-Radweg-Routen im Jahr 2021 zu stetigen Fahrradwegen ausgebaut werden sollen. In Fürth soll ebenfalls noch entschieden werden, ob der bestehende temporäre Pop-Up-Radweg zu einem festen Radweg umgebaut wird.

Wie so oft ist die von einigen gewünschte Verkehrswende, welche auch durch die Pop-Up- Radwege erreicht werden soll, ein Politikum - und kann sich deshalb in die Länge ziehen.

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Der sogenannte Pop-Up-Radweg in der Rothenburger Straße in Nürnberg wurde nicht so stark genutzt, wie erhofft. Das ist eine Erkenntnis des städtischen Bauamts Nürnberg nach einem Sommer mit temporärem Radweg.

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