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Bildrechte: Privat: Sascha Busack

Ein faszinierendes Erlebnis mitten im Ort: In Bissingen im Landkreis Dillingen hat ein Bauarbeiter am Montag einen Wolf fotografiert. Gestalt und Bewegungsweise des Tiers deuteten sehr stark darauf hin, so das Landesamt für Umwelt in Augsburg.

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Faszinierende Begegnung: Wolf mitten in Bissingen

Ein ungewöhnliches Erlebnis mitten im Ort: In Bissingen im Landkreis Dillingen hat ein Bauarbeiter einen Wolf fotografiert. Gestalt und Bewegungsweise des Tiers deuteten sehr stark darauf hin, so das Landesamt für Umwelt in Augsburg.

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Von
  • Judith Zacher
  • Matthias Lauer

Es war ein Wolf. Das Wildtier wurde am Montag in Bissingen (Landkreis Dillingen) gesichtet. Wie das Landesamt für Umwelt in Augsburg jetzt erklärt hat, deuten Gestalt und Bewegungsweise des Tiers sehr stark darauf hin. Anhand der Fotos eines Bauarbeiters glauben die Experten, dass es sich um einen Wolf handelt.

Vielleicht auch Mischling aus Hund und Wolf

Möglicherweise könnte es auch ein Hybrid sein, also ein Mischling aus Hund und Wolf, das ließe sich nur durch einen DNA-Abgleich ausschließen. Der Wolf war auf dem Gelände einer Baufirma gesichtet worden. Der Wolf habe zehn Meter vor ihm gestanden, so Sascha Busack. Das Tier habe ihm Respekt eingeflößt, das Erlebnis sei aber auch faszinierend gewesen. Damit man ihm glaube, habe er gleich Fotos gemacht. Er sei dann in Richtung des Flüsschens Kessel weggelaufen.

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Bildrechte: Privat: Sascha Busack

Der Wolf in Bissingen

Wölfe leben schon in ganz Bayern

In Bayern ist der Wolf inzwischen in acht Regionen dauerhaft heimisch: Einzeltiere leben in der Rhön, in den Allgäuer Alpen und auf den Truppenübungsplätzen Grafenwöhr und Hohenfels. Rudel gibt es im nördlichen und südlichen Nationalpark Bayerischer Wald, im Manteler Forst in der Oberpfalz und im Veldensteiner Forst in Oberfranken. Aber im Grunde, sagen Experten, ist ganz Bayern Wolfserwartungsland: Sichtungen gibt es fast überall, meist durchziehende Tiere.

Landratsamt: Wölfe sind nicht gefährlich

Grundsätzlich sind Wölfe laut Landratsamt für uns ungefährlich. So hat es seit 1996, also seit der erste Wolf wieder in Deutschland gesichtet wurde, keinen einzigen Angriff auf Menschen gegeben. Nach Angaben der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf sind in Deutschland 2021 aber schon 39 Wölfe überfahren worden, im vorigen Jahr waren es 99.

Umfrage: Große Mehrheit für den Wolf

Nabu und Landesbund für Vogelschutz haben gemeinsam eine Umfrage in Deutschland zum Wolf durchführen lassen. Ergebnis: 73 Prozent der Befragten in Gegenden, in denen der Wolf schon lebt, begrüßen die Rückkehr des Beutegreifers. 76 Prozent finden, dass Wölfe selbst dann hier leben sollten, wenn es zu Problemen kommt.

Bauernverband fordert Wolfs-Höchstgrenze

Für den Bayerischen Bauernverband ist die Lage klar: Weidetierhaltung und Wolf nebeneinander - das sei schwierig, sagt Philip Bust, Referent für Wildtiermanagement beim Bayerischen Bauernverband. Denn, wer Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder vor dem Wolf schützen will, muss dafür Zäune bauen oder sich Herdenschutzhunde anschaffen. In manchen Gegenden, etwa im Gebirge, seien Zäune auch schlicht nicht machbar: Der Untergrund ist zu steinig. Busts Forderung: Abschuss von Wölfen.

"Wir haben eine Verdoppelung des Bestandes der Wolfspopulation alle drei Jahre. Und dementsprechend sehen wir das so, dass dieser Bestand gemanagt werden muss. Auf der anderen Seite muss es eine Möglichkeit geben, Problemwölfe zu entnehmen." Philip Bust, Bayerischer Bauernverband

Problemwölfe - das sind für Bust Wölfe, die gelernt haben, Weidetiere als Beute zu sehen. Solche Wölfe zu entnehmen, ist aber im Bundesnaturschutzgesetz längst vorgesehen. Einzeltiere dürfen getötet werden, wenn Herdenschutzmaßnahmen wiederholt überwunden werden, oder Menschen in Gefahr wären. Philipp Bust fordert generell eine Höchstgrenze für die Zahl der Wölfe in Deutschland. Alles über einer bestimmten Zahl müsse geschossen werden.

Umweltverbände: Abschuss bringt keine Sicherheit für Weidetiere

Uwe Friedel, Wolfsexperte des Bund Naturschutz in Bayern, glaubt nicht, dass der Abschuss von Wölfen den Weidetierhaltern Sicherheit bringen kann. Erstens lässt das Bundesnaturschutzgesetz Abschüsse nur zu, wenn alle Alternativen ausgeschöpft sind - also zum Beispiel der Schutz der Herden durch spezielle Zäune. Friedel sagt, Weidetiere würden vor allem von durchziehenden Wölfen gerissen. Und die kommen immer wieder nach. Einen Wolf zu schießen, bringe also gar nichts.

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