BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR/Josef Böck
Bildrechte: ESA

Der Meteoritenkrater im Nördlinger Ries ähnelt Mond und Mars. Immer wieder kommen deshalb Astronauten zum Training dorthin. Mit dabei war diesmal die Frau, die vielleicht eines Tages als erste zum Mond fliegen wird.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Fast wie im Mond-Krater: Astronauten-Training im Nördlinger Ries

Der Meteoritenkrater im Norden Schwabens hat einige Ähnlichkeiten mit dem Mond und dem Mars. Immer wieder kommen deshalb Astronauten zum Training ins Ries. Mit dabei war diesmal die Frau, die vielleicht eines Tages als erste zum Mond fliegen wird.

Per Mail sharen
Von
  • Tobias Hildebrandt
  • Susanne Hofmann

Es ist diese gewaltige Explosion, die im Umkreis von 100 Kilometern sämtliches Leben auslöscht und dazu führt, dass das Nördlinger Ries heute Trainingsgelände für Astronauten der NASA und der Europäischen Weltraumorganisation ESA ist: Vor rund 15 Millionen Jahren kracht ein Asteroid von rund einem Kilometer Durchmesser auf die Erde, 40.000 Stundenkilometer schnell. Das Loch, das er hinterlässt, hat einen Durchmesser von 25 Kilometern und ist heute als Nördlinger Ries bekannt.

Nur eine Handvoll gut erhaltene Meteoritenkrater auf der Erde

"Die Astronauten kommen aus gutem Grund ins Ries", sagt Professor Stefan Hölzl. Er ist der Leiter des Nördlinger Rieskratermuseums und hat die Astronauten bei ihren Exkursionen begleitet. Das Ries sei einer der ganz wenigen Asteroidenkrater auf der Erde – rund 200 gebe es – und nur eine Handvoll davon sei gut zugänglich und heute noch als Krater zu erkennen. Das Nördlinger Ries gehöre dazu.

Geologische Ausbildung im Nördlinger Ries

Für die Astronauten Andreas Mogensen von der ESA und Kathleen Rubins von der NASA ist das Ries eine Station in der geologischen Ausbildung. Denn durch den Asteroideneinschlag im Ries ist unter dem extremen Druck des Aufpralls und den enormen Temperaturen an Ort und Stelle ein neues Gestein entstanden – der Suevit. Fachleute sprechen von einem Impaktgestein, das es nur sehr selten auf der Erde gibt.

Meteoritenkrater wie das Ries gibt es auch auf Mars und Mond

Aber warum ist gerade der Meteoritenkrater so interessant für das Astronautentraining? Die Antwort ist einfach: Der Mars und der Mond sind übersät mit Einschlagskratern, und genau dort will die Raumfahrt Menschen hinschicken, um die Entstehung des Lebens und des Universums zu erforschen. "Wenn man üben will, wie die Gesteine auf dem Mond und dem Mars ausschauen, was man davon mitbringen soll auf die Erde, um es zu untersuchen, dann ist das Ries ein sehr gut geeigneter Ort dafür", sagt Stefan Hölzl dem BR.

Nach dem Training im Ries vielleicht die erste Frau auf dem Mond

Auf dem Weg zum Mars ist der Mond dabei wohl eine wichtige Zwischenstation für die Raumfahrt. Er ist im Vergleich zum Mars nur einen Katzensprung entfernt, und dort lässt sich die Feldforschung trainieren, bevor tatsächlich die ersten Menschen zum Mars fliegen. Ein Datum steht noch nicht fest, aber die NASA will wieder Menschen zum Mond schicken.

Ziemlich weit oben auf der Liste steht da Kathleen Rubins, die 42-jährige Amerikanerin, die dafür im Nördlinger Ries trainiert hat. "Vielleicht wird Kathleen die erste Frau sein, die auf dem Mond ist", sagt Stefan Hölzl vom Rieskratermuseum. Rubins war schon 300 Tage auf der Internationalen Raumstation und ist damit eine erfahrene Astronautin.

Ziel der Ausbildung: Fachsprache der Geologie lernen

Das lässt sie aber nicht "heraushängen". So zumindest der Eindruck von Geologie-Professor Stefan Hölzl. Er beschreibt die Astronautin als bescheiden. Man rede in der Kaffeepause über die gleichen Themen wie mit anderen Leuten auch. Im Fokus stand sowieso das Training im Nördlinger Ries. Ein Ziel dabei: Die Fachsprache der Geologen lernen. Kathleen Rubins zum Beispiel ist Mikrobiologin. Sollte sie auf dem Mond unterwegs sein, muss die Verständigung mit den Wissenschaftlern am Boden perfekt funktionieren. Damit eben die richtigen Steine auf der Mondoberfläche eingesammelt werden.

Ganz konkret waren die Astronauten deshalb auch damit beschäftigt, die Felswände in alten Steinbrüchen zu zeichnen, verrät Hölzl. Gesteine erkennen und beschreiben – erstes Semester Geologie sozusagen.

Mineralwasser statt Halbe Bier

Das Nördlinger Ries ist schon lange im Blick der Raumfahrt. Schon in den 70ern trainierten an gleicher Stelle die Astronauten der Apollo-14-Mission, die danach zum Mond flogen. Von ihnen gibt es Fotos, die sie in ausgelassener Stimmung beim Feierabendbier im Wirtshaus zeigen.

Doch diese Zeiten sind wohl vorbei. "So ausgelassen war es bei uns nicht, die Leute sind heute disziplinierter", erzählt Stefan Hölzl. "Wir haben auch einiges getrunken, aber die Kathleen – wenn ich es richtig gesehen habe – die hat nur Mineralwasser getrunken." Vielleicht keine schlechte Wahl, schließlich wird es nach dem Mondspaziergang wohl auch keine frisch gezapfte Halbe auf der Raumstation geben.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht's zur Anmeldung!