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Ein nicht fertiggestelltes Haus steht in einem Neubaugebiet bei Ingolstadt.
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Michael Zametzer
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Ein nicht fertiggestelltes Haus steht in einem Neubaugebiet bei Ingolstadt.

Keine Frage: Für Horst Seehofer ist das Baukindergeld schon jetzt ein Erfolg. Mit 12.000 Euro pro Kind, verteilt über zehn Jahre, soll Familien und Alleinerziehenden ein Anreiz zum Bau oder Kauf der eigenen Vier Wände gegeben werden. Die Hälfte des 2,7 Milliarden-Fördertopfes sei schon verplant, freut sich der CSU-Bundesinnenminister. Und sein Parteikollege, der Bayerische Bauminister Hans Reichhart, stützte heute diese positive Zwischenbilanz:

"Das Baukindergeld ist auch in Bayern ein großer Erfolg. Wir haben fast 8.000 Anträge, die seit 1.1.2018 bei uns eingegangen sind."

56.000 Familien profitieren bereits vom Baukindergeld

Die verantwortliche Kreditanstalt für Wiederaufbau in Frankfurt bestätigte heute das Interesse an der neuen Förderung: Seit Mitte September 2018 seien bundesweit über 68.000 Förderzusagen - zum Teil rückwirkend zum 1. Januar 2018 - erteilt worden. 56.000 Familien profitierten schon von der neuen Förderung.

Aber bedeutet das auch, dass mehr Wohnraum entsteht? Ludwig Dorffmeister vom Münchner ifo-Institut ist skeptisch. Schließlich ist die Förderung an Bedingungen geknüpft:

"In diesem Fall müsste ich jetzt nach dem 1.1.2018 eine Baugenehmigung erteilt bekommen haben, und jetzt muss die Immobilie schon fertig gestellt worden sein, und ich muss auch schon eingezogen sein - das heißt, die meisten Vorhaben dürften Kaufvorhaben sein."

Experten vermuten Mitnahmeeffekte

Und diese müssen demnach schon vor der Einführung des Baukindergeldes geplant worden sein. Kritiker vermuten hier den sogenannten Mitnahmeeffekt: Wer sowieso vorhatte, zu bauen oder zu kaufen, der nimmt das zusätzliche Geld gerne mit und nutzt es dann nicht für einen Neubau, sondern für den Kauf einer Bestandsimmobilie. Echte Anreize zur Schaffung von neuem Wohnraum gäbe es aber nicht.

"Wir erwarten jetzt keine Impulse für die Neubautätigkeit in angespannten Wohnungsmärkten. Die Kapazitäten der Bauindustrie sind heute schon so weit ausgelastet, dass man davon ausgehen kann, dass es höchstens die Baupreise weiter beflügeln wird." Ludwig Dorffmeister, ifo-Institut

Wohnungsmangel in Ballungszentren wird nicht gemindert

Ähnlich sieht das auch die Opposition im Bayerischen Landtag. SPD-Chefin Natascha Kohnen gesteht dem Baukindergeld zwar in ländlichen Gebieten einen gewissen Anreiz zu. Den dramatischen Wohnungsmangel in den Ballungszentren mindere das aber nicht:

"In den ländlichen Regionen greift es ein wenig. Das Problem ist nur - es ist zeitlich begrenzt und viele, die das gerne hätten, kommen in dieser zeitlichen Begrenzung bis 2020 überhaupt nicht soweit, bauen zu können, weil die Bauindustrie so überlastet ist, dass das nicht funktioniert."

Denn gerade im stark verdichteten städtischen Raum gibt es ohnehin viele Interessenten, die gerne bauen würden, sagt Ludwig Dorffmeister: Genossenschaften, Kommunale Gesellschaften, Bauunternehmen und andere. Diesen mangele es nicht an Kapital, sondern an Raum.

"Und jetzt kommen eben noch diese zusätzlichen Nachfrager dazu, die vielleicht aufgrund des Baukindergeldes auch noch mal ganz gerne bauen wollten. Aber im Grunde ist alles schon ziemlich am Anschlag." Ludwig Dorffmeister, ifo-Institut

Opposition sieht in Förderung teures Wahlkampfgeschenk

Die Opposition sieht im Baukindergeld und seiner bayerischen Zusatzförderung, dem Baukindergeld plus, ein teures Wahlkampfgeschenk der CSU. Bis 2020 läuft die Förderung noch. Noch knapp zwei Jahre also, um ein Haus zu bauen und einzuziehen.

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