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Fassaden-Einsturz von Pirkensee: Familie lebt jetzt in Wohnwagen | BR24

© BR/Zara Kroiß

Für eine Familie aus Pirkensee im Landkreis Schwandorf wurde der Traum vom Eigenheim zum Alptraum. Als die Familie friedlich schlief, stürzte plötzlich ein Teil ihres Hauses ein. Das war vor einem Monat. Wie geht es den Betroffenen heute?

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Fassaden-Einsturz von Pirkensee: Familie lebt jetzt in Wohnwagen

Für viele ist ein Eigenheim ein Traum – für Familie Klebl aus Pirkensee wurde es zum Albtraum. Als die Familie friedlich schlief, stürzte ein Teil des Hauses plötzlich ein. Jetzt, einen Monat später, ist die Familie auf Spenden angewiesen.

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Es sollte das Haus sein, in dem ihre Tochter groß wird: Markus und Marion Klebl hatten das alte Einfamilienhaus vor sieben Jahren in Pirkensee (Landkreis Schwandorf) gekauft, jetzt ist auf dem Grundstück nur noch ein Ruine vorzufinden. Die Hausfassade, die zum angrenzenden Feld zeigte, und das Obergeschoss: beides nicht mehr vorhanden. Vor einem Monat stürzte die Fassade plötzlich ein.

Mitten in der Nacht: Hausfassade abgesackt

Es geschah ganz unerwartet in der Nacht zum 24. Juli. Marion und Markus Klebl schliefen mit ihrer sechsjährigen Tochter im Haus, als es plötzlich knarzte. Markus Klebl erinnert sich noch ganz genau: "Meine Frau ist dann aufgewacht, ich hab versucht das Ganze noch zu stützen. Ich hab dann nur noch gesagt, sie soll die Kleine und das Nötigste nehmen und raus aus dem Haus. Um 3 Uhr in der Früh ist dann die Fassade komplett nach unten abgesackt und eingestürzt."

Wer trägt Schuld?

Jetzt stellt sich die Frage: Wer hat das zu verantworten? Schuldige gibt es, laut Klebl, viele. Für ihn unter anderem der ehemalige Hausbesitzer und Verkäufer. Er soll von dem maroden Zustand des Hauses gewusst haben, soll erhebliche Feuchtigkeits-Schäden in Keller- und Fassadenwänden verschwiegen haben. Auch das Erdreich habe seinen Teil dazu beigetragen, so Markus Klebl. Auch im Abwasserkanal gab es Schäden. Dazu kommt, dass Klebl das alte Haus eigenhändig sanieren wollte. Kurz bevor es zum Einsturz der Fassade kam, baggerte er deshalb selbstständig einen Drainagegraben um das Haus. Auch das sei ein Faktor, vermutet er, der höchstwahrscheinlich zum Einsturz führte.

"Ich hab's ja bloß gut gemeint, weil wir es herrichten wollten. Aber dass das so ausartet, das hat keiner wissen oder ahnen können. Wir haben ja eh schon vorsichtig gegraben. Aber jetzt hab ich halt das Problem, dass ich schauen muss, wie schnellstmöglich Frau und Kind wieder ein Dach überm Kopf haben." Markus Klebl, Hausbesitzer

Familie steht vor dem Ruin

Wegen Mängeln hatte die Familie schon vor dem Einsturz geklagt, hatte vor Gericht aber nur einen kleinen Bruchteil des Verkaufspreises zurückbekommen. Seitdem steht sie mit Bruchbude und ohne Geld da. Und auch bald ganz ohne Haus: das könne, laut Gutachter, nicht mehr erhalten werden. Zusammen mit der kleinen Tochter wohnt das Ehepaar seitdem unter einfachsten Bedingungen in einem Wohnwagen der Nachbarn auf dem Grundstück.

Ehepaar hofft auf Spenden

Auf keinen Fall möchte die Familie den Winter im Wohnwagen verbringen. Bis Herbstende will sie ihre jetzige Bleibe gegen ein Tiny House getauscht haben. Das bekommt man ab ca. 20.000 Euro, schätzt Klebl. Geld, das jetzt noch längst nicht vorhanden sei. Die Familie hofft deshalb auf Spenden. Nachbar Thomas Moder hat eine Spendenaktion im Internet ins Leben gerufen: "Wenn das irgendjemandem passiert, dass da das Haus einstürzt, dann ist das natürlich schon so, dass man da einfach mithelfen muss. Würd' ich genauso erwarten und deswegen gehört das für mich einfach dazu."

Klebl wehrte sich zunächst gegen die Idee eines Spendenaufrufs, denn er wolle nicht betteln. Schnell wurde ihm aber klar, dass ihm keine Wahl blieb – auch wenn es auf Facebook bereits einige Anfeindungen und Hetze gegen ihn gab, weil er schließlich "selbst Schuld" sei, erzählt Klebl.

Große Unterstützung der Nachbarschaft

Thomas Moder und weitere Nachbarn greifen der Familie auch im Alltag unter die Arme. Täglich - am Feierabend und am Wochenende - helfen sie auf der Baustelle mit, reißen mit Markus Klebl das Haus ab, sorgen für gute Stimmung, damit die Familie so schnell wie möglich den Albtraum auf ihrem eigenen Grundstück vergisst.

Versicherung haftet nicht

Laut Versicherung, sei Markus Klebl selbst Schuld an seiner Situation. Ein endgültiges Ergebnis stehe zwar noch aus, die Familie hat aber wenig Hoffnung, dass die Gebäudeversicherung den Schaden übernimmt. Selbst wenn: die Kosten für den Einsatz von Feuerwehr, THW und Polizei stehen ebenfalls noch aus.

Wer Familie Klebl finanziell unterstützen möchte, kann hier spenden.

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