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Faschingsferien gestrichen: Viel Kritik von Schülern und Lehrern | BR24

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Bildrechte: picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann / SVEN SIMON

Bis Ende Januar bleiben die Schulen wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Das hat das bayerische Kabinett beschlossen. Der versäumte Präsenzunterricht soll nachgeholt werden. Nämlich in den Faschingsferien, die gestrichen sind.

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Faschingsferien gestrichen: Viel Kritik von Schülern und Lehrern

Die Absage der Faschingsferien in Bayern sorgt bei Schülern für Entsetzen. Auch bei einigen Lehrerverbänden kann man die Entscheidung nicht nachvollziehen. Tenor: Die Erholung in Zeiten der Corona-Krise hätte allen Beteiligten ganz gut getan.

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Von
  • Georg Wolf

Seit 2001 gibt es in Bayern die sogenannten "Faschingsferien". In diesem Jahr fallen sie zum ersten Mal aus. Das verkündete Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Mittwoch in München. In diesem Zeitraum könne Unterricht nachgeholt werden, betonte Söder. Bei den betroffenen Lehrern, Eltern und Schülern überwiegt der Frust über die Entscheidung.

Schülerinnen und Schüler kritisieren Faschingsferien-Absage

"Dieser Schritt zeigt wieder einmal, dass Versäumnisse der letzten Wochen mit einer Hau-Ruck-Aktion kaschiert werden sollen, ohne dass hierzu im Vorfeld mit den Betroffenen in der Schulfamilie gesprochen wurde", sagt Lucas Pflugfelder, Landesschülersprecher der Realschulen. Die langen Unterrichtsphasen würden nicht ohne Grund durch Ferien unterbrochen. "Das eigentliche Ziel sollte lauten: Schüler und Schülerinnen entlasten, Prüfungsdruck nachhaltig senken, Unsicherheiten nehmen!", so Pflugfelder.

Lehrer kritisieren die nun fehlende Erholungsphase

Kritik kommt auch von der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände. Es könne nicht sein, dass über Erholungsphasen für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte beliebig verfügt werde und Ferien mit regulärem Unterrichtsbetrieb belegt würden, heißt es von der Arbeitsgemeinschaft. Die bewährte Struktur des bayerischen Schuljahres mit den entsprechenden Ferien- und Erholungszeiten für Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler dürfe nicht den digitalen Versäumnissen der Vergangenheit geopfert werden.

Besonders der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands, Michael Schwägerl, kritisiert die Absage der Faschingsferien. Die Entscheidung komme zur Unzeit und wirke sicherlich "demotivierend auf ganz viele Kolleginnen und Kollegen", sagte er BR24. Das gut organisierte bayerische Schuljahr mit seinen Lern- und Erholungsphasen sollte in der Corona-Krise nicht in Frage gestellt werden.

BLLV: Abwägung zwischen Arbeitsbelastung und Bildungsgerechtigkeit

Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), differenzierte gegenüber dem BR: "Wir haben uns klare Ansagen gewünscht und die haben wir nun auch bekommen." Bei den Lehrerinnen und Lehrern würde die Entscheidung unterschiedlich aufgefasst. Der Einfluss der Maßnahme würde je nach Schulart variieren, auch sei es abhängig davon, wie stark die Notbetreuung in den Schulen bislang in Anspruch genommen wurde und wie sich dies weiter entwickeln werde. Die Arbeitsbelastung der einzelnen Kolleginnen und Kollegen müsse im Blick behalten werden. Auf der anderen Seite müsse man aber vor allem auch für Bildungsgerechtigkeit sorgen. Dazu gehöre es auch, im Lockdown Strukturen für die Kinder aufrecht zu erhalten und ihnen - auch durch Schulunterricht - einen geregelten Tag zu ermöglichen.

Gemischte Gefühle beim Deutschen Lehrerverband

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, sieht die Absage mit gemischten Gefühlen. "Natürlich gibt es Defizite aufzuholen, das ist überhaupt keine Frage. Auf der anderen Seite muss man sagen, wenn Lehrkräfte und Schüler den Distanzunterricht wirklich ernst nehmen, dann ist er teilweise anstrengender als normaler Unterricht." Daher hätte so eine Erholungsphase Mitte Februar sicher nicht geschadet, so Meidinger auf BR-Anfrage.

Heftige Kritik an der Faschingsferien-Absage im Netz

In den sozialen Netzwerken wird über die Maßnahme eifrig diskutiert. Der Hashtag "#Faschingsferien" trendet auf der Kurznachrichtenplattform Twitter. Die oberbayerische Juso-Vorsitzende Magdalena Wagner schreibt dort: "In Bayern ist ab Montag Distanzunterricht. 'Um Unterricht aufzuholen' werden die Faschingsferien abgesagt. Was für eine Fehlentscheidung. Ferien dienen der Erholung, Distanzunterricht ist keine Erholung. Es muss darum gehen, dass es den Kindern gut geht – nicht wie viel sie lernen!"

Ein Lehrer twitterte, er sei auf die beamtenrechtliche Sichtweise bezüglich der gestrichenen Faschingsferien gespannt. "Wir sind ab Montag im Distanzunterricht. Also keine verlängerten Ferien. Läuft das dann auf abzurechnende Mehrarbeitsstunden hinaus?"

Andere Bundesländer – andere Maßnahmen

Während Bayern seine Faschingsferien ersatzlos streicht, zieht Thüringen seine Winterferien von Februar auf die letzte Januarwoche vor, so dass sie in die Zeit des verlängerten Lockdowns fallen. In Sachsen wird eine der normalerweise zwei Ferienwochen auf die erste Februarwoche vorgezogen. Die zweite Ferienwoche soll dann in der Karwoche vor Ostern nachgeholt werden.

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) spottete über die Faschingsferien-Absage in Bayern. Während Bayern seine Ferien ersatzlos ausfallen lasse, sichere Thüringen Bildung, Betreuung und Erholung, so Holter auf Twitter.

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