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Fasching beginnt - wer will noch Prinzenpaar werden? | BR24

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Mitglieder des Elferrates stehen auf dem Marktplatz von Würzburg, um das neue Prinzenpaar zu präsentieren.

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Fasching beginnt - wer will noch Prinzenpaar werden?

Mit dem 11.11. starten die Narren traditionell in die neue Session. Die meisten Faschings- und Fastnachtsgesellschaften stellen auch ihr aktuelles Prinzenpaar vor. Interessierte Kandidaten zu finden, wird für einige Vereine aber immer schwieriger.

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Drei Jahre ist es her, als die Faschingsfans der Würmesia einen Rückschlag verkraften mussten. Damals wollte zum ersten Mal seit fast 70 Jahren niemand Prinz oder Prinzessin der Faschingsgesellschaft aus Gräfelfing bei München werden. Das Würmtal, einst eine Faschingshochburg mit Auftritten der Spider Murphy Gang, nun plötzlich ohne Prinzenpaar? Für manchen undenkbar.

Das eine Jahr sollte bislang die Ausnahme bleiben. Doch Würmesia-Präsidentin Tanja Wissel beobachtet: "Es ist jedes Jahr eine Herausforderung, es wird immer schwieriger."

Zeitungsanzeige: Prinzenpaar dringend gesucht

Mit diesem Eindruck ist Wissel nicht allein. Inzwischen berichten einige Vereine, dass es früher leichter war, Kandidaten für das Amt des Prinzenpaars zu begeistern. Die Narrwalla Ingolstadt beispielsweise war im vergangenen Jahr erst auf den letzten Drücker mit einem Facebook-Aufruf und einer Zeitungsanzeige erfolgreich.

Auch Arthur Troidl bestätigt den Trend. Der Präsident des Landesverbands Ostbayerischer Faschingsgesellschaften kennt zwar Ausnahmen, bei denen sogar eine Warteliste für das Prinzenpaar geführt werde, etwa in Regensburg und Neustadt an der Waldnaab. Aber insgesamt hätten die Vereine eher mit einem Mangel als einem Überfluss zu kämpfen, so Troidl.

Kaum Probleme bei den Narren in Franken

Etwas entspannter sieht es hingegen noch in Franken aus. Beim Fastnacht-Verband dort beobachtet Präsident Marco Anderlik bislang nicht, dass es grundsätzlich weniger interessierte Kandidaten gebe. Aber einzelne Vereine ohne Paar kämen in manchen Jahren auch in der Heimat von "Fastnacht in Franken" immer wieder vor.

Zwei Gründe schrecken Prinzenpaare ab: Zeit und Geld

Die Gründe, warum selbst eingefleischte Narren mitunter zurückschrecken, sind vielfältig. Ein Faktor, den man von fast allen Vereinen hört: die Zeit. Insgesamt dauert die Session heuer fast 16 Wochen bis zum 26. Februar 2020. Bis zu 50 Auftritte etwa hat ein Prinzenpaar allein zwischen unsinnigem Donnerstag und Faschingsdienstag, manchmal mehr als fünf an einem Tag.

Zwar liegen viele inzwischen auch auf den Wochenenden - aber Empfänge beim Bürgermeister oder Landrat oft eben nicht. Und dann muss der Arbeitgeber beim Urlaub oder freien Nachmittagen mitspielen.

Auch das Thema Geld ist nicht zu unterschätzen. Je nach Gesellschaft muss das Prinzenpaar mal mehr, mal weniger selbst bezahlen: Kostüme, Tanzstunden, Fahrten von Auftritt zu Auftritt – da können schnell Tausende Euro zusammenkommen.

Fasching konkurriert mit Kino, Theater und Halloween

Wie leicht oder schwer die Suche nach einem Prinzenpaar ist, hängt aber auch vom Dorf oder der Gemeinde ab: Wie begeistert sind die Menschen dort vom Faschingstrubel, wie verwurzelt die Mitglieder? Und vom sonstigen Angebot: "Es gibt einfach so viele andere Veranstaltungen: Theater, Kino, Halloween - früher hat man nicht so viel Ablenkungen gehabt", sagt Würmesia-Präsidentin Tanja Wissel.

Kleine Anreize für künftige Paare schaffen manche Vereine dank Sponsoren aber auch einfach selbst: Prinzenpaare, die Kostüme bezahlt bekommen oder einen Fahrer für die Auftritte, sehen in ihrem Amt wahrscheinlich eher Spaß als den Stress.