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Abriss? Zoff um Farm mit Therapie-Eseln am Ammersee | BR24

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Asinella – so heißt die Eselfarm von Anahid Klotz nahe dem Ammersee. Doch wie lange sie hier noch mit und von ihren Tieren leben kann, ist ungewiss, denn das Landratsamt hat Einwände.

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Abriss? Zoff um Farm mit Therapie-Eseln am Ammersee

Aufregung am Ammersee: Dort soll eine Eselfarm abgerissen werden, weil sie gegen Baurecht verstoße, sagen die Behörden. Die Tiere helfen bei Therapien von behinderten Kindern. Tausende Bürger wendeten sich an den Landtag – und der wird nun tätig.

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Von
  • Martin Breitkopf
  • BR24 Redaktion

Seit März ist der Hof vom Abriss bedroht. Seitdem hangelt sich Betreiberin Anahid Klotz von einer Frist zu nächsten. Das geht nicht nur an die Nerven, sondern hat schon tausende Euro an Anwaltskosten verschlungen. Der Hintergrund: Der seit 2005 aus Steuergründen als Gewerbe angemeldete Betrieb zwischen Pähl und Fischen setzt Esel bei pädagogischen Projekten oder in der Freizeitgestaltung ein. Vor allem aber tragen die Tiere zur Therapie behinderter oder traumatisierter Menschen bei. Die elf Esel besuchen Altenheime, Kindergärten und Schulen.

Behörden machen Druck gegen Eselfarm

Die Behörden stellen immer neue Forderungen. So wurde vor wenigen Wochen etwa ein Nutzungsverbot von Wohnhaus, Toiletten und Misthaufen ausgesprochen. Dieser Druck seitens der Behörden sei ungewöhnlich, sagt Anne Franke, Landtagsabgeordnete der Grünen und Mitglied im Petitionsausschuss. Normalerweise gelte "Waffenstillstand", solange der Petitionsausschuss noch nicht entschieden hat.

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Die Eselfarm hat viele Unterstützer. Sie demonstrieren gegen die Forderungen der Behörden.

Tausende Unterschriften für die Esel – Landtags-Petition

Auch Betreiberin Anahid Klotz versteht das nicht. Ihr würde unterstellt, dass sie widerspenstig gegenüber den Behörden sei, sagt sie. Doch genau das Gegenteil sei der Fall: Sie habe ihre Schuld eingestanden und wäre zu allem bereit, um ihren Lebenstraum zu erhalten. Klotz hat mittlerweile viele Unterstützer. Bei einer Online-Petition wurden mehr als 7.000 Unterschriften für den Erhalt gesammelt. Daher beschäftigt sich nun auch der Landtag mit der Eselfarm.

Eine Landwirtschaft oder doch ein Gewerbebetrieb?

Das bayerische Landwirtschaftsministerium hatte ursprünglich zugunsten der Eselfarm entschieden. Der Betrieb war geprüft worden und hatte das Prädikat "Landwirtschaft" erhalten. Michael Kaiser vom Landwirtschaftsministerium spricht sogar von einem Musterbetrieb für soziale Landwirtschaft: Denn es gibt nicht nur die elf Esel für Therapiezwecke und Trekkingtouren, sondern auch 20 Schafe, drei Kühe, 20 Bienenvölker, dazu Wald- und Grünflächen. Damit würde das Baurecht eigentlich Gebäude im Außenbereich erlauben, auch ohne Baugenehmigung.

Landratsamt widerspricht Gutachten des Landwirtschaftsministeriums

Doch das Landratsamt Weilheim-Schongau sieht das anders. Es will das Gutachten des Landwirtschaftsministeriums nicht anerkennen und sieht die Haupteinnahmequelle bei den Eseln. Das Fazit: Es handle sich um einen Gewerbebetrieb. Und Gewerbebetriebe dürfen nicht im Außenbereich stehen – so wie die Eselfarm.

Die Eselfarm stehe noch dazu in einem sogenannten FFH-Gebiet. FFH-Gebiete sind spezielle europäische Schutzgebiete in Natur- und Landschaftsschutz, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen wurden und dem Schutz von Pflanzen, Tieren und Lebensraumtypen dienen. Die Gebäude seien Schwarzbauten, heißt es von der Baubehörde auf BR-Nachfrage.

Politiker sprechen von "Behördenwahnsinn" und "Verleumdung"

Kurz vor Weihnachten versuchte der Petitionsausschuss zwischen dem Landwirtschaftsministerium, der Baubehörde und den Betreibern zu vermitteln. Fast eine Stunde wurde debattiert. Landtagsabgeordnete Anne Franke (Grüne) sprach offen von "Behördenwahnsinn" und "Amtswillkür". Sie sieht eine Schlüsselrolle im Bürgermeister von Pähl, der in unmittelbarer Nachbarschaft einen Stadel hat und letztlich das ganze Schwarzbau-Thema ins Rollen gebracht haben soll.

Der CSU-Landtagsabgeordnete Berthold Rüth hingegen unterstellt den Betreibern der Eselfarm "Verleumdung" und sagt, sie würden den Anordnungen der Behörden nicht nachkommen. Für ihn sei die Eselfarm ein Gewerbebetrieb und habe nichts mit privilegierter Landwirtschaft zu tun.

Termin vor Ort soll Entscheidung bringen

Die Existenz der Eselfarm ist weiter ungewiss. Irgendwann soll ein Termin vor Ort eine Entscheidung bringen. Anahid Klotz, die Betreiberin der Eselfarm, ist froh, dass das Verfahren nicht komplett eingestellt wurde. Beim Ortstermin will sie die Chance nutzen und ihren Gegnern zeigen, wie vielfältig soziale Landwirtschaft sein kann.

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