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Wegweiser zu einem Corona-Testzentrum.

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    FAQ zur Quarantäne: Wer muss wann wie lange zu Hause bleiben?

    Wer aus einem Risikogebiet einreist, muss zehn Tage lang in Quarantäne. Was heißt das genau? Darf man arbeiten? Oder die Quarantänezeit verkürzen? Darf man kurz vor die Tür? Gibt es Ausnahmen von der Regel? Hier Antworten auf Ihre wichtigsten Fragen.

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    Von
    • Gerhard Brack
    • BR24 Redaktion

    Wann muss wer wie lange in Quarantäne? Das im Detail zu regeln, ist Sache der Bundesländer, die dabei aber bestimmte Vorgaben des Bundes beachten müssen. Rechtsgrundlage für die Regeln in Bayern ist die "Verordnung über Quarantänemaßnahmen für Einreisende zur Bekämpfung des Coronavirus" vom 5. November.

    • Was soll mit der Quarantäne-Verordnung erreicht werden?

    Ziel dieser Verordnung ist es, die Ausbreitung des Coronavirus durch Reiserückkehrer zu unterbinden. Denn wer nach Bayern einreist, könnte ja unerkannt das Coronavirus in sich tragen und unbewusst andere damit anstecken. Das gilt insbesondere, wenn die Reiserückkehrer aus einem Risikogebiet zurückkommen. Daher sollen diese Personen häuslich isoliert werden, um andere nicht anzustecken - sie sollen eben in Quarantäne gehen. "Unser gemeinsames Ziel ist, neue Infektionsherde in Deutschland durch Einreisen nach Deutschland zu verhindern", so hat das Ziel dieser Bemühungen der Sprecher der Bundesregierung Steffen Seibert formuliert. Eine Ausbreitung des Virus durch Reiserückkehrer wie im März 2020 durch Reiserückkehrer aus dem österreichischen Ischgl soll es nicht noch einmal geben.

    • Ab wann kann, ab wann muss ich mich auf Corona testen lassen?

    Mit einem negativen Coronatest kann ich die Quarantänezeit verkürzen, allerdings darf ich diesen Test frühestens fünf Tage nach meiner Einreise machen. Wenn ich innerhalb von zehn Tagen nach meiner Einreise typische Symptome einer Infektion mit dem Coronavirus SARS CoV-2 wie Husten, Fieber, Schnupfen oder Geruchs- und Geschmacksverlust bei mir bemerke, dann muss ich bei einem Arzt oder einem Testzentrum einen Corona-Test durchführen.

    • Wann muss ich in Quarantäne und was bedeutet das für mich?

    In Quarantäne muss jeder, der nach Bayern einreist und sich in den letzten zehn Tagen davor in einem Risikogebiet aufgehalten hat. Dabei muss er direkt in seine Wohnung oder in eine andere Unterkunft, wo er dann zehn Tage lang bleiben kann. In dieser Zeit darf er keinen Besuch empfangen von Menschen, die nicht mit ihm in einem Haushalt wohnen. Außerdem müssen solche Reiserückkehrer sich beim örtlichen Gesundheitsamt melden, wenn sie zurückkommen. Dies geschieht meist mit der sogenannten digitalen Einreiseanmeldung. Darüber hinaus müssen die Reiserückkehrer die örtlichen Behörden auch noch informieren, wenn sie merken, dass bei ihnen Krankheitssymptome auftreten, wie sie für den Coroanavirus typisch sind, also Husten, Fieber, Schnupfen oder Geruchs- und Geschmacksverlust - auch wenn diese Symptome erst während der Quarantänezeit auftreten.

    • Woher weiß ich, ob ich in einem Risikogebiet war?

    Ob das Land, in dem Sie sich aufgehalten haben oder im Ausland gerade aufhalten, ein Risikogebiet ist oder nicht, kann sich recht schnell ändern. Denn dies legen verschiedene Bundesministerien nach bestimmten Kriterien gemeinsam fest. Sie schauen zunächst, wo auf der Welt die 7-Tage-Inzidenz den Wert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern überschreitet. Daneben geht es aber auch darum, wieviel in dem betreffenden Land getestet wird und welche Gegenmaßnahmen dort bereits ergriffen worden sind. Welche Länder außerhalb Deutschlands aktuell gerade als Risikogebiet gelten, das können Sie auf einer Liste nachlesen, die das Robert-Koch-Institut veröffentlicht. Im Moment (12.11.2020) werden rund 80 Prozent aller Länder weltweit als Risikogebiete eingestuft.

    • Kann ich die Quarantänezeit verkürzen?

    Wer die Selbstisolation vorzeitig beenden möchte, kann frühestens am fünften Tag nach der Einreise einen Coronavirus-Test machen lassen. Wenn das Ergebnis negativ ist, endet die Pflicht zur Quarantäne. Wenn der Test negativ ausfällt, aber innerhalb von zehn Tagen Symptome einer Corona-Infektion auftreten, müssen Betroffene einen weiteren Test machen. In beiden Fällen muss das örtliche Gesundheitsamt informieret werden. Außerdem muss nicht jeder in Quarantäne, es gibt zahlreiche Ausnahmen und Sonderregelungen.

    • Ist die Quarantäne mit einem negativen Corona-Test hinfällig?

    Wer einen negativen Quarantäne-Test vorlegt, kann die Pflicht zur Quarantäne vorzeitig beenden, allerdings nicht sofort, sondern der Test darf frühestens am fünften Tag nach der Einreise gemacht werden. Das negative Ergebnis muss dem örtlichen Gesundheitsamt vorgelegt werden. Wenn aber doch noch Symptome einer Corona-Infektion auftreten, müssen Sie auch dies wieder dem Gesundheitsamt melden, sich erneut in Quarantäne begeben und erneut testen lassen. Nur für die Zeit des Tests darf die Quarantäne unterbrochen werden.

    Wer einen negativen Corona-Test aus dem Ausland mitbringt, muss trotzdem nach der Einreise unverzüglich in Quarantäne.

    • Gibt es Ausnahmen von der Quarantänepflicht?

    Ja, viele. Lange Zeit galt in Bayern die Regel, dass Grenzpendler, die sich weniger als 24 Stunden in einem Corona-Risikogebiet aufgehalten hatten, nicht in Quarantäne müssen. Diese Regel wurde bei der Kabinettsitzung am 26. November gekippt.

    Bayern führte damit eine Quarantänepflicht für Menschen ein, die für einen Tagesausflug ins Ausland fahren. Auf diese Weise will die Staatsregierung verhindern, dass viele Menschen in den Weihnachtsferien zum Skifahren nach Österreich fahren. In Bayern sind während des Teil-Lockdowns alle Skilifte und Bergbahnen geschlossen.

    Die bisherige Möglichkeit, sich im Rahmen des kleinen Grenzverkehrs für bis zu 24 Stunden quarantänefrei ins Ausland zu begeben, werde daher auf triftige Gründe beschränkt - insbesondere Arbeit, Schule, Arztbesuche, familiäre Angelegenheiten, Geschäfte des täglichen Bedarfs, nicht aber für touristische und sportliche Zwecke.

    Neben Berufs- und Studienpendlern, gilt auch für Saisonarbeiter, Beschäftigte im Waren- und Personenverkehr sowie für Bundeswehrangehörige und Nato-Soldaten auf Dienstreise eine Sonderregelung. Ausnahmen gelten auch für Besuche aus familiären Gründen von bis zu 72 Stunden. So soll sichergestellt werden, dass zum Beispiel Eltern nach der Scheidung trotzdem ihre Kinder im Ausland besuchen können, aber auch dass erwachsene Kinder etwa zur Pflege zu ihren Eltern im Ausland fahren können. Weitere Ausnahmen gelten für Beschäftigte im Pflege- und Gesundheitswesen. Sie müssen aber eine Bescheinigung ihres Dienstherrn, Arbeitgeber oder Auftraggeber vorlegen können, die ihnen bestätigt, dass ihre Tätigkeit dringend erforderlich und unabdingbar ist zur Aufrechterhaltung von Pflege- oder Gesundheitswesen. Zusätzliche Ausnahmen gibt es für "hochrangige Repräsentanten staatlicher Organe", auch der EU, Justizpflege und Polizei auf Dienstreisen sowie Sportler und Sportfunktionäre zur Vorbereitung internationaler Sportevents. Betroffene müssen aber ein Schutz- und Hygienekonzept vorlegen können.

    Eine Sonderregelung gibt es auch für Grenzpendler, die auf der einen Seite der Grenze wohnen und auf der anderen arbeiten, sie müssen sich jede Woche einmal auf Corona testen lassen und das Testergebnis - es muss auf deutsch, englisch oder französisch verfasst sein - auf Verlangen vorlegen.

    Außerdem kann das Gesundheitsamt noch weitere Ausnahmen bewilligen. Dafür muss allerdings ein triftiger Grund vorliegen.

    Transitreisende sind ebenfalls von der Quarantänepflicht ausgenommen, sofern sie einen negativen Coronatest vorlegen können, der nicht älter als 48 Stunden sein darf oder der an der Grenze bei der Einreise angefertigt wurde.

    Die Quarantäne darf unterbrochen werden für die Zeit, die Sie außerhalb der Wohnung zum Weg zum Test und zum Testen brauchen.

    • Was ist der Fall bei Rückkehr aus einem Hotspot in Deutschland?

    Die bayerische Einreise-Quarantäneverordnung (EQV) greift nur bei Personen, die in den Freistaat Bayern einreisen und sich innerhalb von zehn Tagen vor der Einreise in einem ausländischen Risikogebiet aufgehalten haben. Personen, die sich innerhalb Deutschlands in einem Gebiet mit besonders hoher Inzidenz aufgehalten haben, werden davon nicht erfasst. Die Betroffenen müssen sich beim Aufenthalt in Bayern aber an die hier geltenden Regelungen halten. Die Staatsregierung rät derzeit von nicht notwendigen touristischen Reisen ab - auch innerhalb Deutschlands.

    • Woran muss ich mich in der Quarantäne halten?

    Wer in Quarantäne ist, darf zu Hause keinerlei Besuch empfangen, der nicht zu seinem Haushalt gehört. Er darf die Wohnung nicht verlassen, auch nicht zum Einkaufen oder zum Spazierengehen, sondern muss in diesen zehn Tagen "ständig" zu Hause bleiben, wie es in der Verordnung heißt. Von zu Hause aus arbeiten, sofern das im Homeoffice ohne persönlichen Kontakt möglich ist, darf er oder sie aber schon. Ansonsten heißt Quarantäne auch wirklich Quarantäne. Das heißt, wer in Quarantäne ist, soll dort isoliert sein. Er darf nicht irgendwohin gehen, wo andere Menschen sein könnten. Das heißt: Wer in Quarantäne ist, darf auch nicht eben mal zum Einkaufen, zum Müllraustragen oder zum Spazierengehen. Auch den Hund muss jemand anderer ausführen in dieser Zeit.

    • Wie wird es bestraft, wenn ich mich nicht an die Quarantäne-Regeln halte?

    Wer gegen die Regeln der Verordnung über Quarantänemaßnahmen verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss mit Bußgeldern rechnen. Diese können je nach Verstoß unterschiedlich hoch sein - zwischen 500 und 10.000 Euro. Wer sich nach der Einreise aus einem Risikogebiet nicht direkt nachhause in Quarantäne begibt, muss in der Regel 600 Euro Bußgeld bezahlen, wer die häusliche Absonderung nicht einhält, muss in der Regel 2.000 Euro bezahlen, wer trotz Krankheitssymptomen keinen Kontakt mit der Gesundheitsbehörde aufnimmt, muss 1.000 Euro bezahlen, wer eine unrichtige Bescheinigung durch den Arbeitgeber erstellt, zahlt in der Regel 5.000 Euro Bußgeld.

    • Darf eine Schule Quarantäne für ihre Schüler anordnen?

    Die Quarantäne in Schulen ordnet in schwerwiegenden Fällen das örtliche Gesundheitsamt an, nicht die Schule, so das Kultusministerium auf Anfrage. Allerdings muss sich die Schule um Infektionsschutz kümmern und steht dazu dauernd im Austausch mit dem Gesundheitsamt. In Bayern sind derzeit rund 34.500 Schülerinnen und Schüler sowie 2.100 Lehrkräfte in Corona-Quarantäne. Mit Stand Donnerstag hatten zudem 2.800 Kinder und Jugendliche sowie rund 400 Lehrer einen positiven Corona-Test. Das geht aus Daten des Bayerischen Kultusministeriums hervor. Wegen Corona-Infektionen geschlossen sind 24 der knapp 6.200 Schulen im Freistaat. Zusätzlich werden 940 weitere Klassen vorübergehend per Distanzunterricht beschult. Diese Übersicht (Stand: 12. November) zeigt: Quarantäne gibt es auch in hohem Ausmaß an den Schulen.

    Viele Schulen versuchen, die Quarantäne-Gefahr schon vorab zu verringern, indem sie klassenübergreifende Gruppen reduzieren. So ist neuerdings auch gemeinsamer Unterricht in katholischer und evangelischer Religionslehre sowie in Ethik möglich geworden. Klassenübergreifender Schwimm- oder Sportunterricht fällt hingegen oft aus oder wird anders organisiert, ebenso Wahlunterricht in klassenübergreifenden Gruppen.

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