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Familien im Lockdown: Wie kommen wir gut durch die Corona-Krise? | BR24

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Der Lockdown in Corona-Zeiten kann für Familien zu einer Belastungsprobe werden.

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    Familien im Lockdown: Wie kommen wir gut durch die Corona-Krise?

    Corona hat den Familienalltag verändert: Kinder und Eltern sind viel mehr zu Hause. Das kann zu Konflikten führen. Ambulante Erziehungshelferinnen sind oft Retter in der Not. Auch im Lockdown sind sie für Familien da - und haben ein paar gute Tipps.

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    Von
    • Astrid Uhr

    Die Pandemie trifft jede Familie: Homeschooling, Homeoffice, Medien-Konsum, eventuell noch die Sorge um den Arbeitsplatz erhöhen den Stress - überall. Das beobachtet Sozialpädagogin Lisa Kekule von der Diakonie München und Oberbayern.

    Sie berät Familien im Landkreis München in Feldkirchen und unterstützt Eltern dabei, Grenzen zu setzen. Denn wer jetzt, im Lockdown, täglich neu mit seinen Kindern über Hausaufgaben verhandeln muss, verliert zu viel Energie - schöner ist es, freie Zeit als Familie gemeinsam zu genießen.

    Corona bringt Familien an ihre Grenzen

    Mit ihren Kindern reden, spielen, Spaß haben: Max-Emmanuel, neun Jahre und Lara-Sophie, elf Jahre, sind für Andrea und Ralf Reichardt ihr größtes Glück - bis die Mutter im vergangenen Frühjahr 2020 einen schweren Bandscheibenvorfall erleidet. Zeitgleich mit dem Beginn der Pandemie.

    "Du willst was zum Essen machen, aber du bist so erschöpft, dass es nicht mehr geht", erinnert sich die 44-jährige Hausfrau aus dem Landkreis München. Zu den körperlichen Schmerzen kommt die Angst, als Mutter zu versagen. Bis Andrea Reichardt irgendwann zwei Tage im Bett liegen bleibt und nur noch weint.

    Pandemie trifft Familien aus allen sozialen Schichten

    Sich vom Homeschooling, den Kontaktbeschränkungen, dem Haushalt überfordert fühlen: Was Familie Reichardt erlebt hat, kennen viele andere Familien auch. Ob eine Familie finanziell besser oder schlechter dasteht, spielt erstmal keine Rolle, weiß Familienhelferin Lisa Kekule. "Manche Eltern leiden unter psychischen Problemen, andere haben Suchtprobleme, wieder andere stehen unter großem Leistungsdruck und geben diesen an ihre Kinder weiter."

    Aber Corona verschärft gesundheitliche, soziale oder finanzielle Probleme, die vorher auch schon da waren, erklärt Dorothee Schiwy, Sozialreferentin der Stadt München: "Besonders schwierig haben es nun Familien aus ohnehin prekären Verhältnissen." Wenn, wie bei den Reichardts, auch noch ein Elternteil im Homeoffice ist, alle daheim sind, dann führe das oft zu mehr Medien-Konsum, mehr Konflikten, manchmal auch zu häuslicher Gewalt. Ein negativer Kreislauf. In Großstädten wie München müssen viele Familien auf sehr engem Raum leben, das erhöhe das Konfliktpotential, sagt Schiwy.

    Staatliche und kirchliche Jugendeinrichtungen helfen

    Bei den Hausaufgaben helfen, Haushalt erledigen, trotz Schmerzen - für Andrea Reichardt wurde das alles zu viel. Irgendwann gesteht sie sich ein: "Ich brauche Hilfe." Sie fragt bei der Evangelischen Kinder-und Jugendhilfe Feldkirchen an, eine Einrichtung der Diakonie München und Oberbayern.

    Sozialpädagogin Lisa Kekule unterstützt Familie Reichardt nun einen Nachmittag pro Woche, begleitet sie durch die Pandemie hindurch. Mal bespricht sie mit der ganzen Familie Aufgaben im Haushalt, mal nur mit den Eltern erzieherische Themen. Mal darf sich Mutter Andrea ausruhen und Lisa Kekule hilft Max-Emmanuel und Lara-Sophie bei den Hausaufgaben oder geht mit ihnen raus. Wenn eine Familie von einer ambulanten Erziehungshelferin bzw. einem Erziehungshelfer unterstützt wird, ist das ein kostenfreies Angebot.

    Tagesstruktur gibt Halt im Lockdown

    Alle Eltern mit Kindern stehen im Lockdown wegen Kita- und Schulschließungen vor der gleichen Herausforderung, beobachtet Sozialpädagogin Lisa Kekule: "Wenn die Kinder keine regelmäßige Betreuung haben, dann fällt erstmal die Alltagsstruktur weg." Wenn Eltern nun jeden Tag aufs Neue mit ihren Kindern die Zeiten etwa für Hausaufgaben und Spülmaschine ausräumen verhandeln müssen, dann koste das viel zu viel Energie, meint Kekule.

    Wichtig seien nun feste Zeiten für Mahlzeiten, Hausaufgaben, Medien – und im Idealfall noch für Bewegung an der frischen Luft. Denn feste Strukturen geben Sicherheit und Halt. Bei Familie Reichardt hat sich nun eingespielt, dass sie morgens und abends gemeinsam essen, mittags einmal länger an die frische Luft gehen. Andrea Reichardt ist erleichtert. Erziehungshelferin Lisa Kekule hat ihr geholfen, sich von ihren Selbstzweifeln an ihrer Mutterrolle zu befreien. Eines hat sie gelernt: "Ich darf mich auch mal ausruhen und bin trotzdem eine gute Mutter."

    Kontakte halten und Familienzeit genießen

    Kinder, Jugendliche und Eltern brauchen in der Pandemie also auch Begleitung und Kontakte von außen. Hier suchen Jugendeinrichtungen neue Wege der Begegnung, z.B. über Video-Telefonate, Spaziergänge, notfalls auch bei Hausbesuchen, erklärt Sozialreferentin Dorothee Schiwy. Auch die Angebote der Offenen Jugendhilfen, wie Jugendtreffs und Sportplätze, liegen ihr sehr am Herzen - der Infektionsschutz muss aber Vorrang haben. "Kinder und Jugendliche brauchen Kontakte zu Gleichaltrigen für ihre Persönlichkeitsentwicklung", sagt Schiwy.

    Ihre Erwartung an die Politiker: Die Interessen von Kindern und Jugendlichen stärker in den Fokus zu nehmen. Auch Erziehungshelferin Lisa Kekule hat einen Wunsch: Dass Familien den Lockdown nicht nur als Last sehen, sondern in dieser besonderen Zeit zusammenwachsen, es sich schön machen beim Kochen, Spielen, Rausgehen, im Rahmen der Möglichkeiten. "Das Allerwichtigste ist jetzt, dass Familien miteinander im Gespräch bleiben."

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