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Innovation auf dem Bauernhof: Energiewirt statt Landwirt | BR24

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Hof der Familie Jekle in Edelstetten

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    Innovation auf dem Bauernhof: Energiewirt statt Landwirt

    Ein Umdenken in der Landwirtschaft- nicht nur bei der Bewirtschaftung der Felder, wie oft gefordert, sondern beim Betrieb des Hofs selbst. Ein Beispiel aus Edelstetten zeigt, wie die Region sich selbst versorgt - mit klimafreundlicher Energie.

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    Im Kuhstall in Edelstetten herrscht Teamwork wie eh und je: Drei Generationen helfen hier zusammen und versorgen 70 Milchkühe. Mit viel Leidenschaft. "Wir waren eigentlich immer Bauern und wollten Bauern sein", sagt Josef Jekle senior, "aber das hat sich eben so entwickelt, dass der Ertrag nicht mehr ausgereicht hat." Darum führte die Familie den Milchviehbetrieb lange Jahre im Nebenerwerb.

    Aufhören oder Vollerwerb?

    Bis im Jahr 2000 überraschend die Mutter starb. Vater und Söhne mussten sich entscheiden: Aufhören? Oder den Hof mit seinen 200 Hektar weiterführen im Vollerwerb? Und wenn ja: wie? "Wir haben immer mehr Fläche bewirtschaftet, als wir selber mit unseren Kühen verwerten konnten, und da war die Suche nach Alternativen", erinnert sich Sohn Klaus Jekle. "Soll es ein größerer Milchviehstall sein? Soll es ein Bullenstall sein? Und so kam dann das Biogas, das wäre auch eine Option."

    Rinder und Biogas

    Die Jekles entschieden sich für Biogas. Sie investierten, bauten einen neuen Milchviehstall mit Melkroboter - und eine Biogasanlage. Neben der Milch waren plötzlich auch die Hinterlassenschaften ihrer Tiere wichtig. 42 Prozent der Biogasanlage füllen die Landwirte mit ihrer Gülle und mit der eines Nachbarbetriebes. In den Gärbehälter kommen außerdem zu etwa gleichen Teilen Gras-Silage und Mais-Hirse-Silage.

    Strom und Wärme

    Damit produzieren die Jekles drei Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr- und ebenso viel Wärme. "Oft wird die Wärme nur über Notkühler an Biosgasanlagen entsorgt", sagt Klaus Jekle. "Das wollten wir auf keinen Fall." Das Ziel war stattdessen, Pflanzen und Gülle zu 100 Prozent zu verwerten. Doch wohin mit so viel Wärme?

    Nahwärme-Netz als Lösung

    2008 kam den Jekles die Idee: Ein "Nahwärme"-Netz, das die umliegenden Haushalte versorgt. 2.500 Euro kostet der Anschluss eines Hauses an ein solches Netz. Die Brüder Klaus und Josef Jekle verlegten die Leitungen durch die privaten Gärten und Grundstücke in Eigenregie - das spart Kosten. An der alten Hofstelle im Dorf errichteten sie die zentrale Verteileranlage, von der aus jetzt das 70 Grad warme Wasser direkt in die Häuser kommt.

    Wärme für 120 Gebäude

    Bis heute haben die Jekles drei bis vier Kilometer an Leitungen im Erdreich verlegt. Und 120 Gebäude angeschlossen. Die Abwärme der Biogasanlage reichte für so viele Kunden bald schon nicht mehr aus. Deshalb investierte die Familie in eine Hackschnitzelanlage. Edelstetten ist von Wald umgeben. Von den Waldbesitzern kaufen die Jekles regelmäßig Restholz - zum Beispiel Sturm- oder Käferholz. Dieses wird gehäckselt, getrocknet und dann eingelagert. 120 Kubikmeter fasst der Bunker. Das reicht um diese Jahreszeit für ungefähr vier Wochen. Im Hochwinter muss der Bunker schon alle zehn bis vierzehn Tage wieder aufgefüllt werden.

    Einfache Technik, sichere Versorgung

    Damit die Anlage vor allem in der kalten Jahreszeit nicht ausfällt, hat Klaus Jekle auf schlichte und solide Technik gesetzt, die er auch selbst versteht. Wichtig sei einfach die hohe Funktionssicherheit: "Das hat vielleicht den kleinen Nachteil, dass man nicht das letzte Quäntchen ausreizen kann, aber das wollten wir auch nicht."

    Auch die Grundschule der Nachbargemeinde Neuburg an der Kammel ist an das Fernwärmenetz angeschlossen. Umso wichtiger ist dem dortigen Bürgermeister Markus Dopfer, dass er in den Edelstettener Landwirten verlässliche Energielieferanten hat: "Es ist ja nicht nur, dass sie ihre Anlage betreiben, sondern da hängt ja einiges dran. Stellen Sie sich vor, es bleibt kalt im Winte. Dann ist keiner glücklich. Aber diese Situation hatten wir hier Gott sei Dank noch nie und wir sind auch guter Dinge, dass es nie passieren wird."

    Nachwachsende Rohstoffe, kurze Wege

    Wichtig ist den Jekles, dass die nachwachsenden Rohstoffe aus der Region von vielen genutzt werden. Tatsächlich ist mittlerweile auch ein Großteil von Edelstetten an ihr Netz angeschlossen. Durch die Fernwärme, die eigentlich eine "Nahwärme" ist, werden mittlerweile rund 450.000 Liter Heizöl pro Jahr eingespart. Das entspricht rund 1.400 Tonnen CO2.

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