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Corona-Testpanne: Kaum Auswirkungen auf Inzidenzwert in Augsburg | BR24

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Ein Labor der Firma MVZ in Augsburg soll reihenweise falsche Corona-Testergebnisse geliefert haben. Die Panne war bei Nachprüfungen in einem Krankenhaus in Oberbayern aufgefallen.

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Corona-Testpanne: Kaum Auswirkungen auf Inzidenzwert in Augsburg

Ein Augsburger Labor hat Corona-Tests fälschlicherweise positiv ausgewertet. Davon könnten 31 Augsburger betroffen sein. Dies hat aber kaum Auswirkungen auf den hohen Inzidenzwert in der Stadt. Womöglich gibt es auch Probleme in anderen Laboren.

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Corona-Testpannen in Augsburg mit falschen Ergebnissen sorgen bundesweit für Aufsehen. Ursache für die falsch-positiven Auswertungen soll ein nicht kompatibles Nachweismittel sein.

Davon sind laut Stadtverwaltung wohl 31 Augsburger betroffen. Dies hätte aber keine nennenswerten Auswirkungen auf den extrem hohen Inzidenzwert der Stadt, so Gesundheits- und Umweltreferent Reiner Erben von den Grünen.

Die falschen Testergebnisse fielen bei Nachprüfungen in einem Krankenhaus im oberbayerischen Taufkirchen/Vils auf. Dort hätten sich 58 von 60 positiven Tests als falsch herausgestellt.

Eine Sprecherin des Bezirks Oberbayern, der Träger des Isar-Amper-Klinikums in Taufkichen/Vils, bestätigte dies nun voll und ganz. "Uns kam es komisch vor, dass so viele positive Testergebnisse rauskamen", sagte sie auf Anfrage des BR. Bis zur zweiten Testung und dem Aufdecken des Laborfehlers seien alle 60 Getesteten natürlich in Quarantäne geblieben, so die Sprecherin weiter.

Nicht kompatible Nachweismittel führten zu falschen Ergebnissen

Die Geschäftsführerin des betroffenen Augsburger MVZ-Labors erklärte die Fehler mit der Knappheit an Reagenzien. Wegen des Lieferausfalls eines Herstellers habe man auf ein anderes Nachweismittel zurückgreifen müssen. Das aber habe sich jetzt als nicht kompatibel herausgestellt.

Dass es den Laboren immer wieder an Material und auch an qualifiziertem Personal fehlt, das bestätigt auch der Verband Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM).

Staatssekretär Holetschek: "Fehler spricht nicht per se gegen Qualität der Tests"

Klaus Holetschek, Staatssekretär im Bayerischen Gesundheitsministerium, hat im BR-Interview betont, dass der Fehler bei der Auswertung von Corona-Tests in einem Augsburger Labor nicht gegen die Qualität der Corona-Tests per se spreche. Vielmehr sei dort ein bedauerlicher Fehler passiert, der schnell behoben wurde. So etwas sei immer möglich.

Zudem betonte Holetschek die große Belastung der Labore durch die immense Anzahl an Tests. Hoffnungen setzt er in die Antikörper-Schnelltests, die nun mehr und mehr eingeführt werden sollen. Mit diesen könne man die Teststrategie modifizieren auch die Labore entlasten.

Tests im Augsburger Gesundheitsamt und lokalem Testzentrum nicht betroffen

Noch nicht geklärt ist, ob es möglicherweise weitere fehlerhafte Testergebnisse gibt. Wie die Stadt Augsburg inzwischen mitteilte, könnten auch Fallzahlen im Stadtgebiet falsch sein. Damit müsste dann ebenfalls der Inzidenzwert korrigiert werden.

Den Angaben der Stadt zufolge, bearbeite das Augsburger Labor Corona-Tests aus dem gesamten Bundesgebiet. Weiter heißt es in der Pressemitteilung: Das Gesundheitsamt Augsburg lässt seine Abstriche allerdings vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) auswerten, das lokale Testzentrum am Augsburger Messegelände vom Labor Diagnosticum, das seinen Hauptsitz im sächsischen Neukirchen hat. Damit wird eine große Anzahl von Corona-Tests aus Augsburg von Laboren außerhalb Schwabens ausgewertet.

Labore zunehmend überfordert

Labore fordern, Sars-CoV-2-Tests auf das Notwendige zu reduzieren und vor allem die Menschen zu testen, die Tests vordringlich brauchen. "Die Lage ist ernst. Es ist wichtig, dass wir die Auslastung der Laboratorien wieder zurückführen auf das Maß, das wir längerfristig durchhalten", sagte Michael Müller, Vorstandsvorsitzender des Verbands Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM), am Dienstag in Berlin. „Wir weisen seit dem Sommer darauf hin, dass die beim RKI veröffentlichte Nationale Teststrategie, die ein zielgerichtetes und anlassbezogenes breites Testen empfiehlt, stärker berücksichtigt werden sollte“, teilte der ALM auf Nachfrage des BR mit. „Den konkreten Fall können wir nicht im Detail kommentieren. Es ist aber davon auszugehen, dass aufgrund von Knappheiten in der Materialbelieferung ein Ausweichen auf eine alternative Testmethode notwendig war, deren Ergebnis systematisch anders interpretiert werden musste. Obwohl bedauerlich, ist diese Situation nach unserer Kenntnis bereits binnen weniger Stunden korrigiert worden und niemand ist zu Schaden gekommen. Die fachärztlichen Labore arbeiten alle mit einem hochentwickelten Qualitätsmanagement- sowie Qualitätssicherungssystem, bei dem unklare oder grenzwertige Ergebnisse rasch identifiziert und korrigiert werden. Das ist nach unserer Kenntnis auch in dem berichteten Fall genauso geschehen.“ Außerdem hätte man in manchen Bundesländern der Bevölkerung sehr umfangreiche Testungen in Aussicht gestellt, für die es keine verfügbaren Testkapazitäten mehr gäbe. Zu der Belastung durch die vielen Corona-Tests kämen nun im Herbst noch Influenza-Tests, die die Labore ebenfalls zu bewältigen hätten. Außerdem mangele es zum Teil an Material, auch Mitarbeiter seien knapp.

Extrem hohes Testaufkommen

Das Testaufkommen ist laut dem Verband extrem hoch: In der vergangenen Woche meldeten rund 160 Labore bundesweit rund 1,2 Millionen Tests mit rund 70.000 positiven Ergebnissen. Das waren zwölf Prozent mehr Tests als in der Vorwoche. In einigen Bundesländern werde schon seit mehreren Wochen über der Kapazitätsgrenze gearbeitet, hieß es. Es fehle sowohl qualifiziertes Personal als auch notwendiges Material.

"Die Arbeitsbelastung ist brutal"

"Die Arbeitsbelastung unserer Teams in den PCR-Laboren ist brutal", sagte Vorstandsmitglied Wolf Frederic Kupatt. Und Müller beschreibt die Situation so: "Es ist eher das Gefühl, gegen einen Berg anzuarbeiten, der nicht signifikant kleiner wird". Außerdem gebe es so gut wie kein verfügbares Personal mehr. "Der Markt für qualifizierte Laborkräfte, die PCR bedienen können, ist absolut leergefegt weltweit. Jeder Mensch, der schon einmal PCR in seinem Lebenslauf buchstabiert hat, ist irgendwo verhaftet", sagte ALM-Vorstand Evangelos Kotsopoulos. Daher müssten Labormitarbeiter, die nicht auf PCR-Tests spezialisiert sind, entsprechend weitergebildet und qualifiziert werden. 

"Hunderttausende Tests bei Reiserückkehrern verballert"

Außerdem fehle es immer wieder an Material. "Mal sind es Abstrichtupfer, mal Reagenzien, dann wieder Verbrauchsmaterialien, jetzt gerade Pipettenspitzen, die fehlen. Das macht die Arbeit in den Laboren unnötig schwer", so Kotsopoulos. Einen Grund dafür sieht er in den vergangenen Monaten: "Wir haben im Sommer bei der unnötigen Testung von Reiserückkehrern mindestens Hunderttausende von Tests verballert mit 0,3 Prozent Positivrate, die uns heute fehlen. Wir haben leere Lager und keine Pipettenspitzen in Reserve, weil wir die verbraucht haben". Man müsse sich auf das Notwendige bei der Testung konzentrieren. "Alles drumherum ist Luxus", so Kotsopoulos. 

"Wir sind Teil eines globalen Systems und merken jeden Tag, dass wir nicht alles, was wir dringend benötigen, auch immer sofort geliefert bekommen", sagte Müller. Umso wichtiger sei es, zwar breit, aber gezielt zu testen. 

Falsche Ergebnisse auch bei einwandfreier Durchführung möglich

Prominente Beispiele für falsch-positive Tests sind etwa mehrere Spieler der Würzburger Kickers sowie des Drittligisten Türkgücü München.

Auch möglich - aber sehr selten - sind falsch-positive PCR-Tests trotz einwandfreier Durchführung. Sie kommen zustande, weil die vorhandenen PCR-Tests nicht 100 Prozent exakt funktionieren, sondern nur mit einer Genauigkeit von rund 98 Prozent. Dies war etwa bei Nationalspieler Serge Gnabry vom FC Bayern München der Fall.

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Mittags in Schwaben

Von
  • Torsten Thierbach
  • Jo Schweizer
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