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Fall Peggy: Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen ein | BR24

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Fast 20 Jahre lang ist im Fall der ermordeten Peggy Knobloch aus Lichtenberg ermittelt worden. Nun hat die Staatsanwaltschaft Bayreuth die Ermittlungen eingestellt.

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Fall Peggy: Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen ein

Fast 20 Jahre lang wurde ermittelt. Wer die damals neun Jahre alte Peggy Knobloch aus Lichtenberg im Landkreis Hof ermordet hat, konnten die zeitweise 40 mit dem Fall beschäftigten Ermittler aber nicht klären. Jetzt wird der Fall Peggy geschlossen.

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Neue Wende im Fall Peggy: Die Staatsanwaltschaft Bayreuth hat die Ermittlungen gegen Manuel S. eingestellt. Die gesammelten Indizien reichten nach Aktenlage nicht für eine Anklage wegen Mordes aus, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung von Staatsanwaltschaft Bayreuth und Polizeipräsidium Oberfranken. Strafvereitelung oder unterlassene Hilfeleistung mit Todesfolge sind verjährt und können nicht mehr angeklagt werden.

6.400 Spuren führen nicht zu Peggys Mörder

Zeitweise waren 40 Ermittler mit dem Fall beschäftigt. Staatsanwaltschaft und Polizei hätten 6.400 Spuren verfolgt und 3.600 Vernehmungen geführt, heißt es. Dazu seien 250 Gutachten erstellt worden. Der jetzt abgeschlossene Fall Peggy soll 450 Aktenordner füllen. Peggys Mörder aber bleibt unbekannt.

Fall Peggy: Nur gegen Manuel S. wurde noch ermittelt

Manuel S. war der einzige, gegen den im Fall der 2001 ermordeten Peggy Knobloch aus Lichtenberg im Landkreis Hof noch ermittelt wurde. Im September 2018 wurde er, damals 41 Jahre alt, unter dringendem Tatverdacht festgenommen. Die Staatsanwaltschaft Bayreuth sah in Manuel S. den Täter oder zumindest einen Mittäter.

"Die abschließende Bewertung der äußerst umfangreichen Ermittlungsergebnisse durch die Staatsanwaltschaft Bayreuth führte zu dem Ergebnis, dass dem Beschuldigten Manuel S. eine Täterschaft oder Beteiligung an der Herbeiführung des Todes der Peggy Knobloch nicht mit der für eine Anklageerhebung erforderlichen Sicherheit nachgewiesen werden kann." Staatsanwaltschaft Bayreuth

Farbpartikel führen Ermittler ein zweites Mal zu Manuel S.

Gegen Manuel S., einen Fabrikarbeiter aus Lichtenberg, war bereits zum zweiten Mal ermittelt worden. Zum ersten Mal nahmen die Ermittler S. schon kurz nach Peggys Verschwinden ins Visier. Ein Jahr lange wurde gegen ihn ermittelt, weil er bei einem Vatertagsausflug von seiner Tat erzählt haben sollte. Das Verfahren wurde aber schließlich eingestellt. Dann aber fanden die Ermittler an Peggys Skelett mikroskopisch kleine Torf-Pollen und Farbreste. Daraufhin rückte Manuel S. aus Marktleuthen im Landkreis Wunsiedel ins Visier der Ermittler. Er hatte 2001 entsprechende Handwerksarbeiten durchgeführt.

Manuel S. will Peggy leblos übernommen haben

In einer mehrstündigen Vernehmung legte S. schließlich ein Teilgeständnis ab, gestand aber weder den Mord der damals neunjährigen Peggy noch eine Beteiligung daran. Vielmehr wollte er das Mädchen bereits leblos an einem Bushäuschen in Lichtenberg von einem Mann übernommen haben.

"Aufgrund des Zustandes der sterblichen Überreste des Mädchens nach einer Liegezeit von 15 Jahren, in dessen Folge bereits viele Spuren unwiederbringlich verloren gegangen waren, ließ sich die Todesursache nicht mehr feststellen." Staatsanwaltschaft Bayreuth
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Es wird keine Mordanklage gegen den Beschuldigten Manuel S. im Fall Peggy geben. Die Staatsanwaltschaft Bayreuth hat das Ermittlungsverfahren eingestellt. Und den Ermittlungskomplex "Peggy" vollständig beendet.

Tatverdächtiger widerruft Teilgeständnis

Manuel S. sagte weiter aus, das tote Kind nach erfolglosen Wiederbelebungsversuchen in eine rote Decke eingewickelt und in den Kofferraum seines goldenen Audis gelegt zu haben. Anschließend habe er das Mädchen im Wald vergraben. Dieses Teilgeständnis, das er ohne Anwalt abgelegt hatte, widerrief er später.

Richter entlässt Manuel S. aus der U-Haft

An Heiligabend 2018 entließ ein Richter des Amtsgerichts Bayreuth Manuel S. überraschend aus der Untersuchungshaft. Zur Begründung hieß es schon damals, dass die Beweise dafür, dass S. das Kind getötet oder zumindest dabei geholfen habe, nicht ausreichten. Erfolglos legte die Staatsanwaltschaft Bayreuth Beschwerde gegen diese Entscheidung ein.

Gericht verurteilte Ulvi K. wegen Mordes

Peggy Knobloch verschwand im Mai 2001 im Alter von neun Jahren. Erst 15 Jahre später, im Juli 2016, wurden ihre sterblichen Überreste zufällig von einem Pilzsammler in einem Waldstück bei Rodacherbrunn in Thüringen gefunden. Schnell rückte der geistig behinderte Ulvi K. aus Lichtenberg ins Visier der Ermittler. 2004 wurde er wegen Mordes verurteilt, zehn Jahre später, im Mai 2014, aber wieder freigesprochen. Zwar saß K. nie im Gefängnis, wegen angeblich sexuellen Missbrauchs von Kindern aber rund 14 Jahre lang in der geschlossenen Psychiatrie. Seine Verteidigung forderte daraufhin rund zwei Millionen Euro Entschädigung vom Freistaat sowie K.s vollständige Rehabilitation.

Ermittler tragen DNA des Terroristen Böhnhardt an Peggys Fundort

Doch damit nicht genug der Pannen: Im Oktober 2016 wurde der Mordfall Peggy irrtümlich mit den Verbrechen des rechtsextremen Terrorvereinigung Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) in Verbindung gebracht. An einem Textilstück in der Nähe des Fundortes von Peggys Knochen waren DNA-Spuren des Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt gefunden worden. Wie sich herausstellte hatte wohl die Spurensicherung selbst das Teilchen, das zu einem Kopfhörer Böhnhardts gehörte, versehentlich auf Peggys Fundort übertragen - über einen Zollstock, der Jahre zuvor im ausgebrannten Wohnmobil des Terror-Trios Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe in Eisenach im Einsatz war.

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Nach knapp 20 Jahren wurden die Ermittlungen im Fall Peggy eingestellt.

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