Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Fall Peggy: Rechtsexperte kritisiert Ermittler | BR24

© dpa-Bildfunk - David-Wolfgang Ebener

Der Grabstein von Peggy

Per Mail sharen

    Fall Peggy: Rechtsexperte kritisiert Ermittler

    Ermittler haben im Mordfall Peggy den Tatverdächtigen Manuel S. einen Tag ohne Anwalt vernommen – ein Erlanger Rechtsexperte kritisiert nun das Vorgehen. Manuel S. saß zwei Wochen in Untersuchungshaft.

    Per Mail sharen

    Ermittler haben im Mordfall Peggy den Tatverdächtigen Manuel S. einen Tag ohne Anwalt vernommen – ein Erlanger Rechtsexperte kritisiert im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk nun das Vorgehen. Es sei schlecht nachvollziehbar, warum in einem für die Polizei so wichtigen Verfahren auf einen Anwalt bei einer Vernehmung des Beschuldigten verzichtet wird, sagt Professor Hans Kudlich, Inhaber des Lehrstuhls für Strafrecht an der Uni Erlangen: "Gerade in einem Verfahren, in dem vorher öfter etwas schiefgegangen ist, sollte man immer auf Nummer sicher gehen". Auf der einen Seite bestehe ein gewisser Erfolgsdruck der Ermittler, auf der anderen Seite sollte man aus rechtsstaatlichen Gründen aber nicht auf einen Anwalt bei solch einer Zeugenvernehmung verzichten, so Kudlich.

    Auf Anwalt verzichtet?

    Den Ermittlern gegenüber hatte Manuel S. in einem stundenlangen Verhör gestanden, die Leiche Peggy Knoblochs in ein Waldstück gebracht zu haben. Später hatte er seine Aussage widerrufen und ein Amtsrichter entschied, dass diese nicht verwertbar sei. Der Richter hob den Haftbefehl an Heiligabend auf und Manuel S. musste aus der U-Haft entlassen werden. Während die Staatsanwaltschaft versicherte, dass Manuel S. auf einen Anwalt verzichtet hatte, sagte sein Verteidiger dem BR, dass sein Mandant mehrfach nach einem Anwalt gefragt hatte. Diese Frage nach einem Verteidiger hätte die "Alarmglocken der Ermittler schellen lassen müssen", so Rechtsexperte Hans Kudlich: "Wenn ich so einen Fall in der Klausur stellen würde, würde ich von meinen Studenten erwarten, dass sie sagen, hier muss die Vernehmung unterbrochen werden."

    Gründe für erneute Inhaftierung sollen vorgelegt werden

    Nach Angaben der Ermittler wurde Manuel S. am 12. September von 8.40 Uhr bis 18.32 Uhr vernommen, allerdings mit teils längeren Pausen. Die Aussagen des 41-Jährigen wurden auf Video aufgezeichnet. Die Staatsanwaltschaft Bayreuth hält Manuel S. weiter für tatverdächtig und will noch in dieser Woche dem Amtsgericht Gründe für eine erneute Inhaftierung vorlegen. Diese Gründe müssten allerdings neue Beweise gegen den Verdächtigen enthalten, so Rechtsprofessor Kudlich, andernfalls sei ein erneuter Haftbefehl schwierig: "Hier würde die Justiz kein besonders gutes Bild machen".

    Ermittler hatten an Peggys Leiche Spuren gefunden, die schließlich zu Manuel S. führten. Erst Tage nach seiner Vernehmung erging Haftbefehl gegen den 41-Jährigen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Manuel S. nicht nur die Leiche vergraben hatte, sondern auch etwas mit der Tötung des Mädchens zu tun hat.