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Fall Maria Baumer: Der Stand kurz vor dem Urteil | BR24

© Heiko Tammena, KLJB Bayern

Trauer um Maria Baumer. Lange war unklar, was mit der 2012 verschwundenen jungen Frau passiert ist.

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    Fall Maria Baumer: Der Stand kurz vor dem Urteil

    Seit Jahren bewegt der Fall Maria Baumer die Menschen rund um Regensburg - aber auch viele in ganz Deutschland. Mit dem Urteil im Prozess gegen den früheren Verlobten am Dienstag soll endlich Klarheit herrschen: War es Mord oder nicht?

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    Von
    • Andreas Wenleder

    "Ich weiß, dass ich mich dafür nicht entschuldigen kann. Aber ich bereue, was ich getan habe, vor allem die Lügen." Als der Angeklagte diese letzten Worte mit zittriger Stimme und unter Tränen im Prozess spricht und sich bei den Angehörigen seiner früheren Verlobten entschuldigt, sitzt Maria Baumers Familie nur wenige Meter von ihm entfernt. Acht Jahre lang haben die Lügen des Angeklagten die Ungewissheit um den Tod ihrer Tochter und Schwester verlängert.

    Tod an Pfingsten 2012

    Alles beginnt am Pfingstwochenende 2012. Maria Baumer, die damals frisch gewählte Vorsitzende der Katholischen Landjugendbewegung in Bayern (KLJB) ist mit ihrem Verlobten zu dessen Familie gefahren. Es ist ein fröhlicher Abend. Doch am nächsten Morgen ist Maria Baumer tot. Vor Gericht hat der angeklagte Verlobte ein Teilgeständnis abgelegt. Maria Baumer getötet zu haben, bestreitet er aber weiterhin.

    Seine Verlobte sei morgens tot neben ihm im Bett gelegen, so die von seinem Anwalt verlesene Erklärung. Auf dem Nachtkästchen habe er Medikamentenstreifen entdeckt. Ein Opioid und ein Beruhigungsmittel, die Maria Baumer unter anderem wegen Rückenschmerzen eingenommen haben soll. Danach habe er Panik bekommen, heißt es in der Erklärung. Weil der Krankenpfleger die Medikamente auf seiner Station im Regensburger Bezirksklinikum gestohlen hatte, habe er Angst gehabt, für den Tod seiner Verlobten verantwortlich gemacht zu werden. Auch seinen Job sah er in Gefahr.

    Leiche Baumers im Wald vergraben

    Er habe sich deshalb entschlossen, die Leiche verschwinden zu lassen, so die weitere Erklärung des Verlobten. In einem Wald nahe seines Heimatorts Bernhardswald habe er Maria Baumers Leiche vergraben und die Stelle mit einem Estrich-Gemisch versiegelt. Dass dieses Branntkalk-Gemisch die Leiche weitgehend zersetzt habe, sei von ihm nicht beabsichtigt gewesen.

    Suche nach Baumer auch bei "Aktenzeichen XY … ungelöst"

    Ab diesem Zeitpunkt beginnt er aber auch, ein Lügenkonstrukt in die Welt zu setzen, in das er sich in der Folge immer weiter verrennt: Er erfindet Anrufe seiner Verlobten und fälscht eine Facebook-Nachricht, um eine freiwillige Auszeit Maria Baumers in Hamburg vorzutäuschen. Ihre Familie glaubt ihm über Monate. Gemeinsam mit der Zwillingsschwester macht sich der Verlobte auf die Suche nach der angeblich Vermissten. Selbst in TV-Sendungen wie "Aktenzeichen XY … ungelöst" wiederholt er die Geschichte und spielt öffentlich den Unwissenden.

    2013 wird Baumers Leiche gefunden

    Die Geschichte des Angeklagten führt sogar dazu, dass in Nordrhein-Westfalen nach Maria Baumer gesucht wird. Auf einem Abschnitt des Jakobswegs wollen gleich mehrere Zeugen die junge Frau gesehen haben. Selbst noch Jahre später vor Gericht beteuern sie, sich absolut sicher zu sein, Maria Baumer gesehen und mit ihr gesprochen zu haben. Selbst Suchhunde werden über ein Jahr nach dem Verschwinden in der Nähe des Orts Gevelsberg eingesetzt und schlagen sogar an. Doch es ist ausgeschlossen, dass die Spürhunde tatsächlich Maria Baumer gewittert haben.

    Denn im Herbst 2013 bekommt das Lügenkonstrukt des Verlobten einen großen Riss. Über ein Jahr nach dem mutmaßlichen Verschwinden der damals 26-jährigen KLJB-Vorsitzenden bekommt die Familie Gewissheit: Maria Baumer hat keine freiwillige Auszeit genommen. Pilzsammler entdecken im Wald ihre Leiche. Ihr Verlobter wird schnell zum Hauptverdächtigen und kommt sogar in Untersuchungshaft. Da entscheidende Beweise fehlen, wird er aber wieder entlassen.

    Komplizierte Ermittlungen im Fall Baumer

    Jahrelang kommt die Suche nach Beweisen nicht entscheidend voran. 2018 stellt die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen sogar ein. Doch dagegen wehrt sich die Familie Baumer. Sie will nicht akzeptieren, dass das Verfahren nicht weitergeführt wird und legt Beschwerde ein. Dieser wird stattgegeben. Die Generalstaatsanwaltschaft in Nürnberg verlangt von der Staatsanwaltschaft in Regenburg, weiter zu ermitteln. Mit Erfolg: 2019 können die Ermittler neue Indizien vorlegen, die den Verlobten schwer belasten.

    Schon zuvor war bekannt gewesen, dass der heute 36-jährige Angeklagte kurz vor Maria Baumers Verschwinden nach Suchbegriffen wie "perfekter Mord" oder "Lorazepam letale [tödliche] Dosis" gegoogelt hatte. Genau dieses Medikament kann 2019 mit verbesserten Analysemethoden doch noch an den sterblichen Überresten Maria Baumers nachgewiesen werden. Zudem hatte der Verlobte in einem anderen Prozess bereits gestanden, eine andere junge Frau mit diesem Beruhigungsmittel betäubt zu haben.

    Nach acht Jahren: Prozess in Regensburg

    So kommt es im Juli 2020 am Landgericht Regensburg doch noch zum Prozess gegen den Verlobten, der im Laufe des Verfahrens mit seinem Teilgeständnis sein Schweigen bricht. Eine späte Gewissheit für die Familie über acht Jahre nach dem Tod ihrer Schwester und Tochter. Eine Gewissheit, die aber noch immer nicht vollständig ist. Noch ist die entscheidende Frage nicht geklärt: Wie starb Maria Baumer wirklich? Hat sie die Medikamente selbst genommen oder wurde sie heimtückisch von ihrem Verlobten ermordet? Diese Frage muss nun das Gericht entscheiden.

    © picture alliance/Armin Weigel/dpa

    Der Angeklagte wird in den Gerichtssaal gebracht. Er muss sich wegen des Vorwurfs des Mordes an seiner Verlobten Maria Baumer verantworten.