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Fall Maria Baumer: Chronologie eines ungeklärten Verbrechens | BR24

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Maria Baumer

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    Fall Maria Baumer: Chronologie eines ungeklärten Verbrechens

    Im Mai 2012 verschwindet Maria Baumer spurlos, im September 2013 werden ihre sterblichen Überreste gefunden. Sechs Jahre später wird ihr Verlobter verhaftet. Nun wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Chronologie im Fall Maria Baumer.

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    Das Verfahren um die getötete Maria Baumer war erst im Dezember wieder in Gang gekommen. Die Staatsanwaltschaft legte mögliche neue Beweise gegen den früheren Verlobten der jungen Frau vor. Seitdem saß er erneut in Untersuchungshaft. Am Dienstag wurde er wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Das Gericht stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest.

    Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse im Fall Maria Baumer:

    25. Mai 2012: Zu Besuch in Bernhardswald

    Am Abend des 25. Mai wird Maria Baumer zum letzten Mal von Freunden und Familie gesehen. Sie ist mit ihrem Verlobten auf dem Anwesen seiner Familie bei Bernhardswald. In den Abendstunden sollen sie gemeinsam zurück nach Regensburg gefahren sein. Baumer und ihr Verlobter wollten in diesem Jahr heiraten. Die 26-Jährige war eine Woche zuvor zur Vorsitzenden der Katholischen Landjugendbewegung gewählt worden, außerdem hatte sie nach ihrem Studium eine Arbeit angefangen.

    © Kriminalpolizeiinspektion Regensburg

    Ausschnitt eines Fahndungsplakats der Kriminalpolizeiinspektion Regensburg

    29. Mai 2012: Verlobter meldet Baumer als vermisst

    Maria Baumers Verlobter meldet die 26-Jährige offiziell bei der Polizei als vermisst. Er gibt an, Maria Baumer zum letzten Mal am Samstagvormittag (26.05.12) in der gemeinsamen Wohnung gesehen zu haben.

    Baumers Verlobter und ihre Familie setzten damals alle Hebel in Bewegung, um die Vermisste zu finden. Gemeinsam mit Baumers Zwillingschwester trat der Verlobte Ende Oktober 2012 auch in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst" auf. Er zeigte Marias Handy und ihren Verlobungsring, den sie angeblich nicht mitgenommen hätte.

    Bis November 2012 gingen rund 70 Hinweise bei der Polizei ein. Unter anderem wollen zwei Frauen aus dem Ruhrgebiet die Vermisste im Juni 2012 am Bahnhof von Gevelsberg im Ruhrgebiet getroffen haben. Maria Baumer soll dabei gesagt haben, dass sie allein den Jakobsweg gehen wolle. Die Polizei suchte damals mit mehrsprachigen Plakaten zwischen Köln und Santiago de Compostela nach Baumer. Auf Hinweise wurde eine Belohnung von 5.000 Euro ausgesetzt.

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    2013: Fundort der sterblichen Überreste von Maria Baumer

    8. September 2013: Pilzsammler finden sterbliche Überreste

    Am 8. September 2013 finden Pilzsammler Maria Baumers sterbliche Überreste in einem Wald im Landkreis Regensburg. Vier Tage später nimmt die Polizei den damals 28-jährigen Verlobten von Maria Baumer als dringend tatverdächtig fest. Er kommt in Untersuchungshaft in die JVA Straubing, wo er psychiatrisch betreut wird. Zu den Vorwürfen schweigt er.

    6. November 2013: Baumers Verlobter kommt frei

    Maria Baumers Verlobter wird nach zwei Monaten in Untersuchungshaft im November 2013 freigelassen. Die zweite Haftbeschwerde seines Anwalts war erfolgreich. "Aufgrund der Neubewertung der bisherigen Ermittlungsergebnisse" sei die Strafkammer zu der Auffassung gelangt, dass kein dringender Tatverdacht mehr gegen den damals 28-Jährigen bestehe – heißt es damals. Der Verteidiger des Verlobten betont, sein Mandant habe kein Motiv für die Tat. Das Paar sei glücklich gewesen.

    Ein halbes Jahr später bekräftigt Polizeisprecher Michael Rebele, dass Maria Baumers Verlobter weiterhin der Hauptverdächtige in dem Fall sei. Details dazu werden aber nicht genannt.

    4. April 2016: Anklage wegen Missbrauchs gegen Verlobten

    Der frühere Verlobte von Maria Baumer wird im April 2016 wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und Verbreitung, Erwerb und Besitz von kinderpornographischen Schriften angeklagt. Er soll sich unter anderem an Domspatzen-Schülern vergangen haben.

    © BR / Veronika Meier

    Der Angeklagte (Mitte) und seine Verteidiger beim Prozess 2016 am Regensburger Landgericht

    15. Dezember 2016: Verlobter wird verurteilt

    Mitte Dezember 2016 wird der damalige Verlobte von Maria Baumer zu zwei Jahren Haft auf Bewährung wegen sexuellen Missbrauchs und Körperverletzung verurteilt. Der Krankenpfleger aus Regensburg hatte vor Gericht die Übergriffe auf zwei Schüler des Domspatzen-Gymnasiums zugegeben. Außerdem räumte er ein, einer ehemaligen Patientin des Bezirksklinikums Beruhigungsmittel eingeflößt zu haben. Damals bestreitet er, etwas mit dem Verschwinden von Maria Baumer zu tun zu haben.

    31. Dezember 2018: Ermittlungen werden eingestellt

    Die Staatsanwaltschaft stellte Ende Dezember 2018 die jahrelangen Ermittlungen im Fall Maria Baumer ein. Die Staatsanwaltschaft kann den Tatverdacht gegen Baumers damaligen Verlobten nicht beweisen. Wann, auf welche Weise und wo Maria Baumer gestorben ist, konnten die Ermittler bis hierhin nicht klären.

    © picture alliance/Armin Weigel/dpa

    Thomas Rauscher, Staatsanwalt, spricht während einer Pressekonferenz zu den aktuellen Entwicklungen im Todesfall Maria Baumer zu Journalisten.

    12. Dezember 2019: Verlobter erneut verhaftet

    Ein Jahr nach der offiziellen Einstellung der Ermittlungen kommt wieder Bewegung in das Verfahren. Die Staatsanwaltschaft teilt mit, dass der ehemalige Verlobte erneut verhaftet worden ist. Neue Beweise seien gefunden worden. So sei mit neuen Analyse-Methoden an den sterblichen Überresten der jungen Frau das Beruhigungsmittel Lorazepam nachgewiesen worden. Der Verlobte hatte dieses Medikament auch bei seiner verurteilten Tat bereits eingesetzt und nach der tödlichen Dosis des Medikaments vor Maria Baumers Verschwinden im Internet gesucht. Außer dem soll er mit Suchmaschinen zu Begriffen wie "perfekter Mord" recherchiert haben.

    29. Mai 2020: Gericht lässt Mord-Anklage zu

    Das Landgericht Regenburg lässt die Anklage der Staatsanwaltschaft gegen den ehemaligen Verlobten zu. Die Anklage wirft dem Beschuldigten heimtückischen Mord vor. Als Prozessbeginn wird der 1. Juli festgelegt. Die Beweisaufnahme wird umfangreich: Insgesamt werden 65 Zeugen und 18 Sachverständige aussagen.

    4. Juli 2020: Der Prozess beginnt

    Acht Jahre nach dem gewaltsamen Tod von Maria Baumer beginnt vor dem Landgericht Regensburg der Mordprozess gegen ihren Verlobten.

    18. August 2020: Der Angeklagte räumt ein, Maria Baumer vergraben zu haben

    Nach langem Schweigen im Prozess gibt der angeklagte Verlobte über seinen Anwalt eine Erklärung ab: Er habe Maria Baumer vergraben, aber nicht getötet. Vielmehr habe er sie tot aufgefunden. Zuvor habe sie selbst Medikamente genommen gehabt, die er an seiner Arbeitsstelle entnommen hatte. Dies habe er aus Sorge vor Konsequenzen nicht offenbaren können.

    29. September 2020: Staatsanwaltschaft fordert lebenslänglich - Verteidiger Freispruch

    In seinem Plädoyer fordert Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher eine lebenslängliche Freiheitsstrafe für den Angeklagten. Darüberhinaus solle das Gericht die besondere Schwere der Schuld feststellen, womit eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren nicht möglich wäre. Der Mord sei nach Rauschers Ansicht bereits Tage vorher geplant gewesen. Die Verteidigung fordert dagegen einen Freispruch für Maria Baumers früheren Verlobten. Die Version des Angeklagten sei nicht wiederlegt worden. Alle Indizien seinen angreifbar. Aus Sicht seines Verteidigers Michael Euler könne es sich bei Maria Baumers Tod auch um einen "blöden Unfall" handeln.

    6. Oktober 2020: Lebenslange Haftstrafe für Mord an Maria Baumer

    Im Prozess um den Tod von Maria Baumer ist der Angeklagte am Landgericht Regensburg wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Gericht stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Mit seinem Urteil folgt das Regensburger Schwurgericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte einen Freispruch gefordert.

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