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Suche nach dem Nazigold: Schatzgräber am Falkenstein | BR24

© Picture Alliance/Michel Labonne

Goldbarren und Goldmünzen, Symbolbild

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    Suche nach dem Nazigold: Schatzgräber am Falkenstein

    Noch 75 Jahre nach Kriegsende lebt der Mythos: Ein Nazi-Schatz soll am Falkenstein bei Pfronten schlummern. Diese Vorstellung lockt Schatzgräber an. Diesmal haben sie sich etwas Besonderes einfallen lassen, um an das vermutete Gold zu kommen.

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    König Ludwig II. wollte auf dem Falkenstein bei Pfronten im Ostallgäu ein weiteres Märchenschloss errichten. Doch er starb vorher. Nun strömen die Touristenmassen vor allem zum Schloss Neuschwanstein. Trotzdem zieht auch der Falkenstein mit Deutschlands höchstgelegener Burgruine noch heute über die Region hinaus Menschen an. Darunter auch Schatzsucher. Sie vermuten dort Nazigold.

    Furcht vor Nachahmern

    Den genauen Ort will Thomas Zeidler von der Polizei in Pfronten lieber nicht verraten – er will keine Nachahmer anziehen: Hier, rund 200 Meter unter dem Gipfel des Falkensteins, weit abseits des Weges mitten im Wald, war ein Bagger im Einsatz, illegal. "Das ist jetzt eine neue Qualität, dass einfach ein Bagger bestellt wird und auf fremde Grundstücke gefahren wird und einfach ein neuer Weg gebaut wird, wo man vermutet, dass da was versteckt ist", kommentiert Polizist Zeidler.

    Grabung mit einem 22 Tonnen schweren Bagger

    Offenbar waren hier Überzeugungstäter am Werk. In der vergangenen Woche haben sie sich in den Steilhang hinein gegraben, mit einem 22 Tonnen schweren Bagger. Weil der Hang ins Rutschen kam, mussten sie ihr Vorhaben allerdings abbrechen und den Bagger stehen lassen. Doch was suchten sie hier am Berg? Ratlosigkeit bei den Einheimischen unten im Ort. Einer spekuliert augenzwinkernd: "Anscheinend ist da der Reichsschatz vergraben."

    Fünf Mal in Stadel eingebrochen

    Schatzsucher haben den Falkenstein schon lange im Visier. Bei Hubert Haf haben sie schon fünf Mal in seinem Stadel auf dem Berg eingebrochen, die Bodenbretter herausgerissen und losgebuddelt. Dann erst konnten sie gefasst werden. Die Schatzsucher kamen aus Österreich und vermuteten einen Schatz der Nazis, sagt Hubert Haf:

    "Die SS war Ende 44 bis März 45 am Falkenstein oben und das ganze Gebiet ist abgesperrt gewesen, war also Top Secret und deshalb kommt auch die Idee, dass da was sein könnte."
    © Gemeinde Pfronten

    Stich von der Ruine auf dem Falkenstein bei Pfronten

    Nazi-Schatz – nur ein Mythos?

    Nazi-Gold am Falkenstein? Ist da was dran? Wenn es einer wissen könnte, dann Bertold Pölcher. Er ist seit mehr als einem halben Jahrhundert der Herr über das Gemeindearchiv. Er winkt ab: "Ich hab hier die ganzen Urkunden hinten, die Gemeinderechnungen, die alten Akten angeschaut, auch die Zeitungen, und hab da auch nicht den geringsten Hinweis auf einen Schatz am Falkenstein gefunden. Es ist ein Produkt der Gerüchteküche."

    Gefährliche Schatzsuche

    Doch offenbar brodelt es auch 75 Jahre nach Ende des Krieges noch in der Gerüchteküche - und treibt Schatzsucher zu wahnwitzigen Aktionen. Durch das Aufbaggern lösten sich am Steilhang Felsbrocken, die die Gemeinde dann sichern musste. Gemeindearchivar Pölcher schüttelt darüber den Kopf. Und er zitiert ein altes Spottgedicht. Es erinnert an frühere Schatzgräber, die sich auch schon die Zähne am Falkenstein ausgebissen haben: "Kein Geld war in der Kiste, nur Ziegel und Stein und so wird’s beim Schatzgraben noch alleweil sein."

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