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Leerrohre, die später mit Glasfaserkabeln gefüllt werden.

Der flächendeckende Ausbau des Glasfasernetzes gilt parteiübergreifend als zentrales Infrastrukturprojekt in Bayern. Eine Glasfaserleitung ermöglicht Downloadraten von bis zu 1000 MBit/s, was vor allem für Unternehmen wichtig ist. Auch in den BR-Wahlsendungen war der Breitbandausbau immer wieder Thema. So spottete Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger in der BR Wahlarena vom 3. Oktober: “Jetzt fliegt der Söder zum Mond und hat auf der Erde noch nicht mal Glasfaser gelegt.”

Der Ausbau des Glasfasernetzes ist extrem teuer

Glasfaser gilt als Technologie der Zukunft, der Bau von Glasfasernetzen ist aber teuer. Wie viel der Bau eines neuen Glasfasernetzes kostet, ist von Ort zu Ort unterschiedlich und hängt von vielen Faktoren ab: Größe des Erschließungsgebietes, Siedlungsstruktur, Bodenbeschaffenheit. Die Kosten, um einen Kilometer Glasfaserkabel zu verlegen, schwanken nach Angaben der Telekom zwischen 70.000 und 150.000 Euro. Die Netzbetreiber investieren daher zuerst in Orte, die vergleichsweise leicht mit Glasfaser zu erschließen sind und in denen sich die Bau- und Betriebskosten schnell amortisieren.

Neben der Telekom ist M-Net ein großer Akteur auf dem bayerischen Glasfaser-Markt. Vor allem in den Ballungsräumen München, Augsburg, Nürnberg/Fürth/Erlangen ist M-Net sehr stark vertreten. Das liegt daran, dass die jeweiligen Stadtwerke zu den M-Net-Gesellschaftern gehören. Die Großstädte sind also zuerst in den Genuss von schnellem Internet gekommen.

Netzausbau ist nicht überall rentabel

Auf dem Land ist der Bau von Glasfaserleitungen oft deutlich teurer und lohnt sich für die Unternehmen nicht. Deswegen hat Bayern mehrere Breitband-Förderprogramme aufgelegt, um die Netzbetreiber dazu zu bringen, auch auf dem Land neue Leitungen zu verlegen. Seit 2014 läuft das mit 1,5 Milliarden Euro umfassende bayerische Breitband-Förderprogramm. Kein anderes Bundesland gibt in absoluten Zahlen so viel Geld für die Breitbandförderung aus. Hauptziel dieses Programms: Gemeinden, in denen es überhaupt keine Breitbandinfrastruktur gibt - so genannte "weiße Flecken", mit schnellem Internet zu versorgen. Die EU definiert Leitungen ab 30 MBit/s als "schnelles Internet". Allerdings stammt diese Definition aus dem Jahr 2010 und Markus Söder forderte die EU 2017 - noch als Finanzminister - dazu auf, die Definition von schnellem Internet in ihren Richtlinien von 30 Mbit/s auf 100 Mbit/s anzuheben.

Gemeinden tragen Großteil der Kosten des Breitbandausbaus

In der Praxis funktioniert das so: Bayerische Gemeinden schreiben aus, welche Breitbandversorgung sie anstreben. Telekommunikationsanbieter wie Telekom oder M-Net geben Angebote ab, in denen sie auch ihre Wirtschaftlichkeitslücke angeben: Das ist die Differenz zwischen Investitions- und Betriebskosten und den voraussichtlichen Betriebseinnahmen der ersten sieben Jahre. Die Gemeinde wählt einen Netzbetreiber aus und gleicht ihm seine prognostizierte Wirtschaftlichkeitslücke zu 100 % aus. Einen Teil der Kosten kann sich die Gemeinde per Förderantrag beim zuständigen Ministerium für Finanzen, Landesentwicklung und Heimat zurückholen. Je nach Größe und Siedlungsstruktur bekommen die Gemeinden zwischen 60 und 90 Prozent der Wirtschaftlichkeitslücke erstattet, maximal jedoch 950.000 Euro. Den Rest muss die Gemeinde selbst tragen. Vereinfacht gesagt: der Freistaat und die Gemeinden tragen den Großteil der Kosten des Breitbandausbaus in den Regionen Bayerns, die aus Sicht der Netzbetreiber weniger rentabel sind.

Dieses Förderprogramm wird rege angenommen: Nach Angaben des Finanzministeriums haben sich bereits 98 Prozent der 2056 bayerischen Kommunen an dem Förderverfahren beteiligt, das heißt sie haben zumindest einen Förderantrag gestellt. Rund 1000 Projekte sind bereits fertiggestellt, 808 Millionen Euro aus dem Förderprogramm ausbezahlt, also etwas mehr als die Hälfte.

Bayern steht im Deutschlandvergleich gut da

Das bayerische Breitbandförderprogramm hat Wirkung gezeigt: Der Anteil der Haushalte mit einer Bandbreite von mindestens 30 Mbit/S ist laut der Studie "Aktuelle Breitbandverfügbarkeit in Deutschland" von 61 Prozent im Jahr 2013 auf 91,7 Prozent in 2018 gestiegen. Damit liegt Bayern hinter den drei Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen auf Platz vier.

Etwas schlechter schneidet Bayern in der höchsten Kategorie, mehr als 50 MBit/s, ab: Platz sieben hinter den drei Stadtstaaten, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Hessen.

Auch auf dem Land ist die Breitbandversorgung in Bayern ein gutes Stück vorangekommen: Laut Bericht zum Breitbandatlas hatten Ende 2017 75,4 Prozent der bayerischen Haushalte in ländlichen Regionen mindestens 30 Mbit/s zur Verfügung - Platz eins in Deutschland. Bei 50 Mbit/s auf dem Land wird Bayern (54,1 Prozent) geringfügig von Nordrhein-Westfalen (56,1 Prozent) übertroffen.

In der schnellsten Downloadkategorie >50 Mbit/s steht Bayern im deutschlandweiten Vergleich auf Platz 7.

In der schnellsten Downloadkategorie >50 Mbit/s steht Bayern im deutschlandweiten Vergleich auf Platz 7.

Im deutschen Vergleich steht Bayern also ziemlich gut da. Allerdings gilt Deutschland nicht gerade als Vorreiter in Sachen Breitbandausbau. Die EU legt bei schnellem Internet die Kategorien 30 MBit/s und 100 MBit/s zugrunde, in beiden Kategorien ist Deutschland der "Study on Broadband Coverage in Europe 2017" zufolge mit 84 bzw. 65 Prozent der Haushalte im Mittelfeld.

Glasfaser: Eine Frage des Anschlusses

Eine weitere Einschränkung ergibt sich, wenn man sich die Art des Anschlusses anschaut. Denn Glasfaser ist nicht gleich Glasfaser: Welche Geschwindigkeit beim Endverbraucher ankommt, hängt davon ab, ob seine Wohnung direkt oder indirekt ans Glasfasernetz angeschlossen ist.

  • Indirekter Anschluss: Bei einem so genannten FTTC-Anschluss ("Fibre to the Curb", zu deutsch: Glasfaser bis zum Bordstein) reicht die Glasfaserleitung bis zu einem Verteilerkasten an einer Hauptstraße. Im Verteilerkasten wird das optische Signal in ein elektrisches umgewandelt und dann auf der so genannten "letzten Meile" per konventionellem Kupferkabel in das einzelne Haus übertragen. Kupferkabel erlauben nur eine Datenübertragung von 50 MBit/s. Durch die so genannte Supervectoring-Technik, die die Telekom neuerdings einsetzt, kann die Bandbreite allerdings auf bis zu 250 MBit/s erhöht werden.
  • Direkter Anschluss: Hier wird die Glasfaserleitung bis ins Gebäude (FTTB, “Fibre to the Building”) bzw. bis in die Wohnung verlegt (FTTH, “Fibre to the Home”). Bei Einfamilienhäusern sind FTTB und FTTH dasselbe. Auch die deutschen Breitband-Statistiken weisen FTTB/H als gemeinsamen Posten aus. Mit dieser Glasfaser-pur-Lösung sind Bandbreiten von bis 1000 Mbit/s möglich. Dazu braucht der Endkunde aber auch einen geeigneten Router - und das nötige Kleingeld. Ein derzeit nur in München verfügbarer 1000 Mbit/s-Anschluss kostet bei M-Net 149 Euro im Monat. FTTB/H ist vor allem in Gewerbegebieten und bei Neubauten üblich.

Das bayerische Finanzministerium fördert bewusst beide Glasfaser-Varianten und lässt die Gemeinden “in ihrer kommunalen Planungshoheit selbst über die Art des Ausbaus entscheiden”, wie es in der Breitbandrichtlinie heißt. In der Praxis hat das dazu geführt, dass deutlich mehr FTTC-Anschlüsse gebaut worden, vor allem bei Projekten, an denen die Telekom beteiligt ist. Nur jeder siebte Anschluss im bayerischen Förderprogramm ist ein FTTB/H-Anschluss.

Dass Bayern dennoch mit 10,6 Prozent FTTB/H-Anschlüssen in Deutschland auf Platz 3 hinter Hamburg und Schleswig-Holstein liegt, ist darauf zurückzuführen, dass M-Net in den bayerischen Großstädten rund 450.000 FTTB/H-Anschlüsse gebaut hat. In Deutschland sind es 7,3 Prozent. Im EU-Vergleich schneiden aber sowohl Bayern als auch Deutschland in Sachen FTTB/H-Quote ganz schlecht ab: Deutschland liegt mit 7,3 Prozent auf dem viertletzten Platz. In Portugal haben mehr als 89 Prozent der Haushalte einen direkten Glasfaseranschluss, der EU-Schnitt liegt bei knapp 40 Prozent.

Glasfasernetz als Grundlage für 5G-Netz

Das bayerische Finanzministerium räumt ein, dass FTTC eine “Zwischentechnologie” ist. Das sowohl von Bundes- als auch von Landesregierung ausgegebene Ziel, ganz Deutschland bis 2025 über Gigabit-Netze zu versorgen, lässt sich nur mit FTTB/H-Anschlüssen erreichen. Hierfür wollen Bund und Land neue Förderprogramme auflegen. Dafür steht allerdings noch die Genehmigung der EU-Kommission aus, die prüft, ob solche staatlichen Beihilfen den Wettbewerb verzerren.

Ein flächendeckendes Glasfasernetz ist auch die Grundlage für den angestrebten Ausbau des 5G-Mobilfunknetzes, das als Schlüsseltechnologie für das Internet der Dinge gilt. Wenn künftig Geräte wie Waschmaschine, Kühlschrank oder Alarmanlage online sind, wird die Zahl der “Connected Devices” sprunghaft ansteigen. Diese Geräte kann man per Smartphone von unterwegs aus steuern. Noch datenhungriger werden selbstfahrende Autos sein, die eine schnelle und stabile Netzverbindung benötigen. Da die Fahrzeuginsassen nicht mehr fahren müssen, werden sie während der Fahrt das mobile Netz nutzen. Deswegen wird eine deutlich höhere Netzkapazität entlang der Straßen nötig sein als bislang. Dafür benötigt man neue Basisstationen und damit diese die enormen Datenmengen schnell weiterleiten können, ist ein Glasfaseranschluss gefragt. Der Ausbau der Mobilfunknetze und der leitungsgebundenen Netze bedingen sich also.

Fazit: Bayern steht beim Ausbau der Breitbandversorgung im Deutschland-Vergleich gut da. Der Freistaat und die Kommunen subventionieren den Glasfaserausbau massiv. Im EU-Vergleich hinkt Deutschland dagegen hinterher. Um das ehrgeizige Gigabit-Ziel bis 2025 zu erreichen, muss Glasfaser noch stärker als bisher in die einzelnen Gebäude verlegt werden und nicht nur bis zum Bordstein.

In Bayerns Städten ist die Internetgeschwindigkeit noch erträglich, doch auf dem Land ist es richtig schlimm. Doch woran liegt das eigentlich?

In Bayerns Städten ist die Internetgeschwindigkeit noch erträglich, doch auf dem Land ist es richtig schlimm. Doch woran liegt das eigentlich?