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#Faktenfuchs: Wenn bio nicht gleich bio ist | BR24

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Das Bio-Siegel der Europäischen Union, das deutsche staatliche Bio-Siegel und das Bayerische Bio-Siegel

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#Faktenfuchs: Wenn bio nicht gleich bio ist

Wenn Verbraucher biologische Produkte kaufen, tun sie das meist, weil sie Gutes tun wollen. Im Laden finden sie verschiedene Bio-Siegel - mit verschiedenen Standards. Der #Faktenfuchs erklärt die Unterschiede.

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In der jetzt-red-i-Sendung vom 19. Dezember ging es um Bio-Siegel für Lebensmittel. Eine Bio-Milchbäuerin aus dem Landkreis Regensburg, die mit dem Anbauverband Naturland zusammenarbeitet, ärgerte sich über das EU-Bio-Siegel. Weil es zu 80 Prozent auf Bio-Landbau und zu 20 Prozent auf konventionellen Anbau setze, sei es gar kein richtiges Bio-Siegel. Doch das stimmt nicht ganz: Tatsächlich liegt die vorgeschriebene Bio-Quote beim EU-Bio-Siegel bei 95 Prozent.

EU-Bio-Siegel setzt Mindeststandards

Jeder Lebensmittel-Erzeuger aus der EU, der seine Produkte "bio", "öko" oder "aus kontrolliert biologischem Anbau" nennen möchte, muss seit dem 1. Juli 2010 das EU-Bio-Siegel verwenden. Das EU-Bio-Siegel kennzeichnet Produkte, die mindestens den Anforderungen der EG-Öko-Verordnung entsprechen. Dazu zählen:

  • nicht mehr als fünf Prozent nichtökologisch, also konventionell erzeugte Zutaten
  • kein Einsatz von Gentechnik
  • kein Einsatz von synthetischen Pflanzenschutzmitteln
  • Tiere müssen aus ökologischen beziehungsweise biologischen Betrieben stammen
  • Tiere müssen ständigen Zugang zu Freigelände haben
  • eine Öko-Kontrollstelle überprüft die Einhaltung dieser Vorschriften
© BR/Jetzt red i

In der BR-Sendung "Jetzt red i" vom 19. Dezember ging es um Bio-Siegel für Lebensmittel.

Deutsches Bio-Siegel entspricht dem EU-Standard

Der Vorgänger des EU-Bio-Siegels ist das staatliche Bio-Siegel, das in Deutschland 2001 ins Leben gerufen wurde. Das sechseckige Logo enthält den Schriftzug "Bio nach EG-Öko-Verordnung". Inhaltlich steht das deutsche Bio-Siegel also für denselben Standard wie das EU-Bio-Siegel, darf aber weiterhin verwendet werden. Streng genommen ist das deutsche Bio-Siegel überflüssig und hat keine eigenständige Aussage mehr. Dennoch nutzen viele Hersteller von biologischen Lebensmitteln das deutsche Logo parallel zum verpflichtenden EU-Logo. Bis Anfang Dezember 2018 hatten 5.197 Unternehmen das deutsche Bio-Siegel für 78.275 Produkte verwendet.

Bayerisches Bio-Siegel setzt die höchsten Standards

Neben dem deutschen und dem EU-Siegel gibt es seit 2015 auch regionale Bio-Siegel in Deutschland, darunter ein bayerisches Bio-Siegel. Das bayerische Landwirtschaftsministerium verleiht dieses Siegel für Produkte, die noch strengeren Anforderungen genügen als denen der EG-Öko-Verordnung. Die Kriterien orientieren sich an den vier bayerischen Öko-Verbänden Biokreis, Bioland, Demeter und Naturland. Dazu gehören:

  • Umstellung des kompletten Betriebs auf biologische Wirtschaft (einzelne Betriebszweige wie zum Beispiel Tierhaltung können nicht ausgenommen werden)
  • stärkere Einschränkungen beim Futterzukauf und beim Düngemitteleinsatz
  • weniger Tiere pro Hektar Land

Naturland stellte die Unterschiede zwischen den eigenen und den EU-Standards in einem Dokument zusammen. Wegen der höheren Anforderungen sind Produkte von den vier Öko-Verbänden teurer als andere Bio-Lebensmittel. Naturland und die anderen Öko-Verbände haben auch eigene Logos. Ob ein Bio-Lebensmittel-Hersteller die Logos des Verbandes, von dem er zertifiziert ist, verwendet oder das bayerische Bio-Siegel, ist seine freie Entscheidung.

Um das bayerische Bio-Siegel erhalten zu können, müssen alle Rohstoffe aus Bayern stammen und alle Erzeugungs- und Verarbeitungsschritte lückenlos in Bayern erfolgen. Das bayerische Bio-Siegel nutzen derzeit rund 150 Hersteller auf mehr als 1200 Produkten.

Das bayerische Bio-Siegel war 2017 laut der Studie "Ernährung in Bayern" allerdings nur 30 Prozent der Befragten bekannt. Für neun Prozent der Bayern ist beim Lebensmittel-Einkauf die biologische Erzeugung "äußerst wichtig" und für weitere 21 Prozent "sehr wichtig".

Fazit

Die Zahl der Bio-Siegel hat in den letzten Jahren zugenommen. Das EU-Bio-Siegel setzt Mindeststandards für den Anbau von Obst und Gemüse sowie die Haltung von Tieren. Das bayerische Bio-Siegel geht deutlich darüber hinaus, ist allerdings nicht so bekannt.