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#Faktenfuchs: Gibt es mehr Messerstecher in Bayern? | BR24

© dpa-Bildfunk

Blutfleck an einem Tatort im Nürnberger Stadtteil St. Johannis auf dem Boden

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    #Faktenfuchs: Gibt es mehr Messerstecher in Bayern?

    Nach den Messerangriffen in Nürnberg gab es im Netz Behauptungen, Messerattacken würden stark zunehmen. Der Faktenfuchs klärt, warum es in Bayern noch keine offizielle Statistik gibt, das Innenministerium aber trotzdem von einer Zunahme ausgeht.

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    Die Messerangriffe auf drei Frauen in Nürnberg erregten auch im Netz die Gemüter. Es gab einige Posts, die eine Zunahme von Messerdelikten beobachtet haben wollen, und dies in teilweise drastische Worte gossen: "Bald können abgestochene Menschen in Deutschland eine eigene #wirsindmehr Fraktion gründen", hieß es in einem Tweet. Ein anderer verortete den Täter im arabischen Kulturkreis: "Die Messer-Intifada in Deutschland muss endlich unterbunden werden. Das geht so nicht mehr weiter!"

    Auf der Pressekonferenz am Tag nach den Taten sprach Roman Fertinger, der Polizeipräsident von Mittelfranken, von einer "leichten Steigerung" für Messerangriffe im Bereich Mittelfranken von rund zehn Prozent in den letzten fünf Jahren. Für den Bereich Nürnberg betrage die Steigerung allerdings 40 Prozent.

    Hieb- und Stichwaffen sollen in Kriminalstatistik

    Für ganz Bayern gibt es keine offiziellen Zahlen zu Delikten mit Hieb- und Stichwaffen, worunter auch Messer fallen. Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) erfasst dieses Tatmittel noch nicht. Allerdings hat die Innenministerkonferenz kürzlich beschlossen, auch Hieb- und Stichwaffen künftig in die PKS aufzunehmen. "Bis die PKS-Richtlininen entsprechend geändert sind, kann es aber bis zu drei Jahre dauern", sagt Oliver Platzer, Pressesprecher des bayerischen Innenministeriums auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks.

    Dennoch geht das Ministerium davon aus, dass Messerdelikte zugenommen haben:

    "Wir haben insgesamt wohl eine Zunahme an Messerstechereien zu beobachten, das ist ein bundesweites Phänomen." Bayerns Innenminister Joachim Herrmann Ende März
    "Wir dürfen auch nicht verschweigen, dass es Kulturkreise bei uns gibt, bei denen das Messer lockerer sitzt, als das vielleicht bei Deutschen der Fall ist." Landespolizeipräsident Wilhelm Schmidbauer

    Innenministerium stützt sich auf Lageberichte der Polizei

    Wie kommen Hermann und Schmidbauer zu diesen Aussagen, wenn es keine offizielle Statistik gibt? Grundlage dafür ist die ständige Lagebeobachtung: "Schwere Delikte mit Hieb- und Stichwaffen melden die einzelnen Polizeipräsidien an das Innenministerium", sagt Pressesprecher Platzer. Hier habe es eine "deutliche Zunahme" gegeben. Zugenommen habe auch der Einsatz von Hieb- und Stichwaffen gegen Polizeibeamte. Was die anderen Kulturkreise betrifft, sagt Platzer: "Unter Zuwanderern sind Gewaltdelikte häufig zu beobachten."