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Seit einiger Zeit gibt es immer wieder gefälschte Werbeanzeigen in den sozialen Netzwerken, in denen Ware von angeblich pleitegehenden Traditions-Geschäften zu Spottpreisen verkauft wird. Ein Problem für Kunden und Unternehmen...

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Fake-Shops: Internetbetrug mit angeblichem Konkurs

Kriminelle versuchen im Internet, mit Falschmeldungen Kasse zu machen. Besonders Fake-Shops haben im Lockdown Hochkonjunktur. Oft gibt es Billig-Angebote wegen angeblicher Firmenpleiten - auch ein Münchner Trachtenladen wurde Opfer von Betrügern.

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Von
  • Leonie Thim

Immer wieder versuchen Betrüger, im Internet und in sozialen Medien mit Falschmeldungen Kasse zu machen. Die sogenannten Fake-Shops scheinen im Lockdown Hochkonjunktur zu haben: Weil Verbraucher nicht in die Geschäfte können, kaufen sie im Netz. Wenn es einer Branche zusätzlich nicht gut geht, sind die falschen Angebote anscheinend noch glaubhafter.

Münchner Trachtenladen wurde Opfer von Betrügern

Axel Munz hat gerade die Inventur in seinem Münchner Trachtenladen Angermaier beendet. Das Geschäft lief und läuft Corona-bedingt nicht gut. Denn die Volksfeste sind im vergangenen Jahr ausgefallen und damit die Anlässe zum Trachtenkauf. Außerdem hat der Geschäftsmann, wie alle Einzelhändler, seinen Laden seit fast drei Monaten geschlossen. Doch vor der Pleite stehe er nicht, sagt Geschäftsführer Axel Munz. Gefälschte Werbeanzeigen in sozialen Netzwerken hatten dies seit Mitte Februar immer wieder behauptet.

Falsche Posts auf Instagram

Von den falschen Werbeanzeigen auf Instagram und Facebook hat der Münchner von Freunden, Bekannten und Kunden erfahren. "Die haben uns das zugeschickt und haben gefragt: 'Hey, was ist mit euch los? Das ist ja furchtbar. Wieso schafft ihr das nicht?'‘", erzählt Munz. "Ich bin richtig nervös geworden."

Fake-Shops mit geklauten Bildern

Die Screenshots, die Axel Munz und seine Tochter Nina Munz erhalten haben, zeigen gefälschte Anzeigen mit geklauten Fotos von Internetauftritten der Trachtenfirma. Darin hieß es, dass Angermaier insolvent sei, die Corona-Krise nicht überlebt habe und nun die restliche Ware schnell und günstig loswerden müsse.

"Das trifft einen schon mal gewaltig, weil das ist ja doch ein gewaltiger Imageverlust in dem Moment“, so der Angermaier-Geschäftsführer. Es waren gleich mehrere Shops, die die Anzeigen geschaltet haben, zum Beispiel www.liebskleidung.de oder lieblingskleidung.de. Axel Munz zeigte sie bei Facebook an, nach einiger Zeit reagierte der Social-Media-Konzern und blockierte die Anzeigen.

Auf BR-Anfrage meldet Facebook, dass sie "gefälschte Produkte und betrügerische Aktivitäten" von ihren Social Media Plattformen löschen, sobald sie davon Kenntnis erhalten. Denn sie würden der gesamten Community schaden. Im Fall von Angermaier Trachten wurden manche gefälschte Anzeigen gesperrt.

Keine bayerische Tracht, sondern Billigware aus China

Nur habe das nichts genutzt, erklärt der Geschäftsmann Axel Munz. Der Grund: Wenn eine Seite gelöscht wurde, wurde die nächste sofort wieder aufgemacht, unter ähnlichem Namen, mit den gleichen, geklauten Bildern und dem gleichen Text. "Insofern war das eine furchtbare Geschichte, zwei Wochen lang. Du hast gearbeitet und gearbeitet, um das wegzukriegen; und das ging nicht weg", erinnert er sich.

Die Masche der Fake-Shops ist bekannt. Sie bauen den Online-Shop der echten Marke nach. Doch statt bayerischer Dirndl bekamen die Kunden - wenn überhaupt - Billigware aus China. Verbraucher können solche gefälschten Shops mit ein paar wenigen Klicks enttarnen, sagt Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale Bayern.

Mit wenigen Tipps Fake-Shops enttarnen

Ein erstes Indiz sei die Bezahlung. Wenn Kunden in den Online-Shop nur mit einer Überweisung in Vorkasse zahlen können und es keine anderen Bezahlmöglichkeiten gibt, dann sei man immer in Gefahr, dass man die Ware nicht kriegt und das Geld auch nicht zurückbekommt, betont die Verbraucherschützerin.

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Tipps der Verbraucherzentrale Bayern, wie man Online-Fake-Shops erkennen kann.

Auf Webadresse achten

Ein weiteres Indiz sei die Webadresse des Shops. "Das heißt, wirklich oben in der Adresszeile mal gucken: stimmt das denn überein mit dem eigentlichen Geschäft oder gibt es da vielleicht einen Namendreher oder ein Wortdreher?“, sagt Halm. Außerdem gibt es in Deutschland eine Impressumspflicht, die im Telemediengesetz geregelt ist. Alle Anbieter einer Internetseite müssen ein Impressum angeben, wenn sie die Plattform zu geschäftlichen Zwecken nutzen.

Verbraucherschützer warnen vor billigen Lockangeboten

In sozialen Netzwerken locken gefälschte Anzeigen außerdem oft mit einem besonders niedrigen Preis. "Wenn irgendetwas sehr günstig beworben wird, dann sollte man auch hellhörig werden. Das könnte natürlich ein Lockangebot sein", so die Verbraucherschützerin.

Wichtig für den Verbraucher sei es "sich nicht zu sehr locken zu lassen". Was man immer mal machen könne, sei den Anbieter online in Suchmaschinen einzugeben und zu schauen, ob es bereits schlechte Erfahrungen oder Bewertungen gegeben hat.

Betrug bei der Polizei anzeigen

Wer auf solche Fake-Shops reingefallen ist, dem rät Tatjana Halm, Anzeige bei der Polizei zu erstatten, um überhaupt eine Chance zu haben, sein Geld zurück zu bekommen.

Die Anzeige kann auf der nächstgelegenen Polizei-Dienststelle oder oft auch online gestellt werden. Besonders wichtig sei, die gesamte Korrespondenz mit dem Fake-Shop zu speichern, erklärt die Polizei München. Wenn möglich, sollten auch Screenshots von den Fake-Shops gemacht und protokolliert werden, wie viel, wann und an welches Konto überwiesen wurde. Diese Informationen könnten bei den Ermittlungen helfen. Die professionellen Fake-Shops seien oft im Ausland, erklärt ein Sprecher der Polizei München. Das mache die Verfolgbarkeit oft langwierig und schwierig.

Fake-Shops oft im Ausland

Auch Axel Munz hat mittlerweile herausgefunden, dass die Fake-Shops, die angeblich seine Ware vertreiben, vermutlich in China sitzen. Der Online-Betrug mit der angeblichen Insolvenz von Angermaier Trachten ist kein Einzelfall. Auch andere bayerische Hersteller hatten solche Probleme.

Axel Munz versucht nun, die Betrüger zu finden, gemeinsam mit Facebook über die IP-Adressen der Fake-Shops. Eine Anzeige gegen Unbekannt läuft bereits.

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Kriminelle versuchen im Internet, mit Falschmeldungen Kasse zu machen. Besonders Fake-Shops haben im Lockdown Hochkonjunktur. Oft gibt es Billig-Angebote wegen angeblicher Firmenpleiten - auch ein Münchner Trachtenladen wurde Opfer von Betrügern.

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