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Fahrsicherheitstraining für Rettungskräfte | BR24

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Fahrsicherheitstraining für Rettungskräfte: Geübt werden gefährliche Situationen bei Einsätzen. Denn das Risiko eines Unfalls mit tödlichem Ausgang ist während einer Einsatzfahrt vier Mal höher als sonst.

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Fahrsicherheitstraining für Rettungskräfte

Rettungswagen müssen schnell sein, denn es geht um Menschenleben. Allerdings kommt bei den Einsatzfahrten immer wieder zu Verkehrsunfällen. Um dieses Risiko zu senken, absolvieren Rettungskräfte regelmäßig Fahrsicherheitstrainings.

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Fahrerinnen und Fahrer von Rettungswagen müssen mit überhöhter Geschwindigkeit zum Einsatzort fahren, um Leben zu retten. Gerade im Stadtverkehr passieren dabei schneller Verkehrsunfälle. Um sich besser auf schwierige Verkehrssituationen vorzubereiten, nehmen Rettungswagenfahrer regelmäßig an einem Fahrsicherheitstraining teil. Zum Beispiel auf dem ADAC-Testgelände in Kempten: Hier sollen zehn Rettungskräfte aus dem Oberallgäu üben, gefährliche Situationen bei Einsatzfahrten zu meistern.

Rettungswagen kippt leichter um

Mit dabei ist auch die 24-jährige Anna-Sophie Jochum. Sie fährt erst seit ein paar Monaten den Rettungswagen und erhofft sich vom Training, dass sie ihr Fahrzeug besser kennenlernt und in Zukunft ihre Patientinnen und Patienten sicherer fahren kann.

Der große Rettungswagen, den sie fährt, ist besonders schwer zu lenken – er ist lang und 4,5 Tonnen schwer. Deshalb hat sie vor allem großen Respekt davor, dass er bei schnellen Manövern umkippen könnte.

Vollbremsung auf spiegelglatter Fahrbahn

Gecoacht werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Dirk Elies, der früher selbst 20 Jahre lang Rettungssanitäter war. Die erste Übung: Vollbremsung auf Glatteis. Trotz spiegelglatter Fahrbahn soll Anna-Sophie ihr Gefährt schnellstmöglich zum Stillstand bringen. Sie staunt über den langen Bremsweg von 50 Metern. Das hätte sie vorher nicht erwartet. Währenddessen stand sie verkrampft auf der Bremse und hoffte, dass das Auto bald stehen bleibt.

Der Trainer sagt, das sei ganz normal. Die Kursteilnehmer sollen eben die Erfahrung machen, wie lang der Bremsweg eines Rettungswagens doch ist.

Todesrisiko bei Einsatzfahrt vier mal höher

Im Ernstfall kann das nämlich dramatische Konsequenzen haben. Denn das Risiko eines Unfalls mit tödlichem Ausgang ist während einer Einsatzfahrt vier Mal höher als sonst. Videoaufzeichnungen von Einsatzfahrten haben gezeigt: Durchschnittlich alle 19 Sekunden müssen Rettungswagenfahrer eine kritische Situation meistern.

Trainer hatte selbst zwei Unfälle mit tödlichem Ausgang

Darum ist das Trainieren dieser Gefahrensituationen so wichtig: In seiner aktiven Zeit hatte Trainer Dirk Ellies selbst zwei schwere Unfälle - beide Male mit tödlichem Ausgang für einen Beteiligten. Einmal kam der Notarzt ums Leben, weil er nicht angeschnallt war und hinten auf dem Sitz kniete, sodass er durch die Frontscheibe flog. Beim zweiten Unfall fuhr er auf eine rote Ampel zu und wollte noch vor einem anderen Auto, das viel zu schnell unterwegs war, über die Kreuzung. Beim Zusammenstoß kippte der Rettungswagen um und ein Zivildienstleistender wurde vom Tragetisch erschlagen.

Wasserfontäne simuliert Unfallrisiko

Die schwierigste Aufgabe des Tages wartet noch auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fahrtrainings: Wieder Vollbremsung auf glatter Fahrbahn, doch dieses Mal schießt plötzlich eine Wasserfontäne aus dem Boden: Wird das Auto nass, ist das das Zeichen für einen Unfall. Anna-Sophies erster Versuch. Ihr zittern die Hände.

Doch leider: Obwohl sie nicht einmal 40 km/h gefahren ist, kommt es zum "Crash". Beim zweiten Mal erwischt Anna-Sophie das Hindernis sogar frontal. Beim dritten Versuch findet sie dann jedoch eine Lücke, lenkt im richtigen Moment zurück und kommt unbeschadet durch das Hindernis. Der Trainer ist zufrieden mit ihr.

Zum Schluss sagt sie, dass das Training eine große Herausforderung gewesen sei, dass sie aber jetzt verstanden habe, wie es funktioniert.

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Sie werden gerufen, wenn es zu Notfällen kommt: Herzinfarkt, Schlaganfall, aber eben auch bei Coronasymptomen. Rettungssanitäter arbeiten an der medizinischen front - wie geht das in Zeiten steigender Corona-Fallzahlen?