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Fahrschulen ausgebremst: Corona sorgt für Ausfälle | BR24

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Wegen der Corona-Krise konnten Fahrschulen wochenlang weder Theorie- noch Praxisstunden abhalten. Und noch immer machen die Einschränkungen Fahrstunden und Prüfungen extrem schwierig.

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Fahrschulen ausgebremst: Corona sorgt für Ausfälle

Wochenlang lag der Betrieb in den Fahrschulen auf Eis. Weder Theorie- noch Praxisstunden waren möglich. Und noch immer machen Einschränkungen die Fahrstunden und Prüfungen extrem schwierig. Nicht nur die Schulen stellt das vor ein großes Problem.

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In der Fahrschule von Olaf Großhauser in Allersberg bei Roth werden wieder neue Auto-, Motorrad-, und Lkw-Fahrer geschult. Normal ist hier nach dem Corona-Shutdown aber noch lange nichts. Abstandsmarkierungen auf dem Boden des Schulungsraums, Menschen sitzen im Abstand zueinander. Die Desinfektionsspender am Eingang sind mittlerweile ein gewohnter Anblick.

Betriebsuntersagung im März

Im März wurde dem Fahrlehrer von heute auf morgen der Betrieb untersagt. "Es war natürlich für uns keine einfache Zeit von jetzt auf gleich zu wissen: Jetzt dürfen wir nicht mehr arbeiten. Wir wussten auch nicht wie es weitergeht", sagt Olaf Großhauser. Er hat daraufhin seine Fahrlehrer angerufen und ihnen gesagt, sie sollen noch ihre Stunde fertigmachen, dann wäre es aber erstmal vorbei.

Unverständnis in den Fahrschulen

Darauf vorbereiten konnte er sich nicht. Auch ein Ersatzprogramm war nicht möglich. Das versteht der Fahrlehrer bis heute nicht. "Motorrad schulen wäre ja kein Problem gewesen. Der Fahrschüler fährt durchschnittlich mit 50 Metern voraus. Warum wir da nicht schulen durften, hat keiner verstanden", meint Großhauser. Fahrlehrer und Fahrschüler würden dabei in keinerlei Kontakt treten. "Was auch nicht verständlich ist, dass Taxifahrer nach wie vor gefahren sind und die hatten fremde Menschen im Auto", so Olaf Großhauser weiter.

"Schaden können wir nicht mehr reinholen"

Fast neun Wochen ging das so. Nur mit wenigen Tagen Vorlauf hat er dann erfahren, dass er wieder schulen darf. Zu kurzfristig, um den Betrieb gleich wieder starten zu können, sagt der Fahrlehrer. Bis Mitte Mai hat sich ein sechsstelliger Verlust aufgebaut.

"Reinarbeiten können wir das definitiv nicht. Wir haben zirka 2.500 Fahrstunden verloren, wir haben sechs Berufskraftschulungen, zehn Schulungen bei Firmen und einen Staplerkurs nicht ausführen können. Das ist ein Schaden, den werden wir die nächsten Jahre nicht einholen können, das geht gar nicht." Olaf Großhauser, Fahrlehrer

Schulungsverbot sorgt für Fahrschüler-Stau

Durch die vielen ausgefallenen Fahrstunden entsteht aber noch ein weiteres Problem: Die Fahrschüler haben sich angestaut. Viele seiner Fahrschüler – vor allem die zukünftigen Lkw-Fahrer – brauchen ihren Schein aber beruflich. So auch Nicola Stelzl. Ihr Mann und ihre Eltern haben Transportunternehmen. Aushilfsfahrer werden da dringend gebraucht. Und sie hätte eigentlich schon im April fertig sein können.

"Ich war prüfungsreif, ich hätte auch im März schon theoretische Prüfung gehabt und die Berufskraftfahrerausbildung bei der IHK und hab alles jetzt erst mit acht Wochen Verzögerung hinter mir. Ich war zweimal prüfungsreif, es blieb wahnsinnig viel Zeit auf der Strecke, weil ich mich doppelt vorbereitet habe." Nicola Stelzl, Lkw-Fahrschülerin

Die Familienunternehmen hatten fest mit der neuen Aushilfskraft gerechnet. Wenn alles gut läuft, hat sie aber erst am 31. Juli ihren Schein in der Hand.

Mehr Prüfplätze und Fahrlehrer gegen Schüler-Stau

Im Moment machen es die coronabedingten Einschränkungen noch schwierig, den Fahrschüler-Stau schnell aufzulösen. Dazu wünscht sich Olaf Großhauser, dass mehr Prüfplätze eingerichtet werden und dass die Fahrlehrerausbildung beschleunigt wird. Aktuell bildet er einen Azubi aus, doch auch dessen Abschluss verzögert sich um Wochen.

Trotz allem blickt Olaf Großhauser vorsichtig optimistisch nach vorne. Mit mehr Personal will er dem Schüler-Stau in der Zukunft entgegentreten.

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