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Bahn-Fahrplanwechsel: Klare Nummern, neue Züge, teurere Tickets | BR24

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Seit Betriebsbeginn gilt ein neuer Fahrplan bei Bahnen und Nahverkehrsunternehmen. Für Fahrgäste in Bayern hat er einige Änderungen gebracht. So sind neben neuen Fahrzeugen und einem veränderten Nummernsystem auch neue Strecken in Betrieb gegangen.

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Bahn-Fahrplanwechsel: Klare Nummern, neue Züge, teurere Tickets

Zum Fahrplanwechsel der Bahn Mitte Dezember gibt es viele kleine Neuerungen: Regionalzüge erhalten kleine Nummern – neue Züge und zusätzliche Verbindungen kommen. Gleichzeitig wird Bahnfahren aber auch teurer. Das betrifft auch Verkehrsverbünde.

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Von
  • Anton Rauch

So ein Fahrplanwechsel im Dezember macht nicht alles neu bei der Bahn, aber doch viele Kleinigkeiten anders. So erhalten die verschiedenen Regionalzugverbindungen kleine ein- und zweistellige Nummern. Neue Züge kommen zum Einsatz, ob auf der neu elektrifizierten Strecke von München nach Zürich oder im Großraum Nürnberg. Ein Wermutstropfen für viele Fahrgäste in der Corona-Zeit: Auch die Preise ziehen bei der Bahn wieder an.

Kurze Liniennummern im Regionalverkehr in Bayern

Kurz und einprägsam, ein- oder höchstens zweistellig - so sind ab dem Fahrplanwechsel die Nummern der Regionalbahnen und Regionalzüge. Wie bei Autobahnen oder U- und S-Bahnen gibt es künftig bayernweit eine feste Nummer pro Linie, ganz egal, welches Unternehmen auf der Strecke fährt, ob Alex, Bayerische Regiobahn oder DB Regio.

Das Nummernsystem ist also betreiberunabhängig, das hat den Vorteil, dass man künftig nicht umlernen muss, wenn ein anderes Unternehmen eine Strecke übernimmt. So wird das Bahnsystem eine Spur durchschaubarer, Fahrgäste sollen sich so leichter orientieren können als bisher. Der neue Linienplan für Bayern schaut dann ähnlich wie beim Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) oder anderen Verkehrsverbünden aus.

Hauptlinien haben einstellige Nummern oder volle Zehnernummern, Nebenlinien, die von den Hauptrouten abweichen, beginnen mit derselben Ziffer wie die Hauptlinien.

Ein Beispiel der Bayerischen Eisenbahngesellschaft BEG, die für den Regionalverkehr der Bahnen in Bayern verantwortlich ist: "Der Regionalexpress von München über Ingolstadt nach Nürnberg, heute je nach Fahrt mit individuellen Zugnummern wie RE 59401 bezeichnet, trägt künftig die Linienbezeichnung RE 1. Die ab Ingolstadt abzweigende Regionalbahnlinie bis Augsburg wird die Bezeichnung RB 13 tragen."

Weitere Beispiel sind:

  • München – Ulm: RE 57042 wird RE 9
  • Nürnberg – Würzburg: RE 58210 wird RE 10
  • München – Mühldorf: RB 27038 wird RB 40
  • Aschaffenburg – Miltenberg: RB 23319 wird RB 88
  • München – Hof: ALX 79854 wird RE 2
  • Ulm – Regensburg: ag 84263 wird RB 15
  • Augsburg – Füssen: BRB 62784 wird RB 77
  • Schweinfurt – Bad Kissingen – Gemünden: EB 80692 wird zu RB 50

Neue Fernzüge, Regionalzüge und S-Bahnen

Nachdem die Elektrifizierung der Strecke Zürich–München abgeschlossen ist, kommt hier in Zukunft der neue Schweizer Triebzug ETR 610 zum Einsatz - und das zwölfmal täglich. Die Fahrzeit soll dabei vier Stunden betragen, ab Ende 2021 sogar nur noch 3,5 Stunden. Ab dem Fahrplanwechsel geht es in unter zwei Stunden von München nach Lindau an den Bodensee.

Auf der Strecke zwischen München und Nürnberg kommen mit fünf Jahren Verspätung die neuen Doppelstockzüge von Skoda zum Einsatz. Sie bieten mehr Platz für Fahrgäste, aber auch für Fahrräder, mit künftig 40 Stellplätzen. Außerdem gibt es Steckdosen an jedem Platz und eine Einstiegshilfe für Rollstuhlfahrer, damit sie an jedem Bahnhof zusteigen können. Überhaupt soll das Ein- und Aussteigen künftig bequemer und schneller gehen. Die Skoda-Züge haben nämlich breitere Türen.

Im Bereich der Oberlandbahn, die zur Bayerischen Regiobahn gehört, wurden die letzten Integralzüge durch die neuen Fahrzeuge von Typ Alsom Corada LINT54 ausgetauscht. In sie setzen die Betreiber große Hoffnungen, denn "neben einer einer deutlich besseren technischen Zuverlässigkeit bieten die Fahrzeuge unter anderem großzügige Mehrzweckbereiche, ein deutlich ruhigeres und leiseres Fahrgefühl, große Panoramafenster, modernste Klimaanlagen und gratis-WLAN. Dank der nun einheitlichen Flotte können künftig alle Fahrzeuge im Oberland flexibel miteinander gekuppelt werden." Dadurch sollen die Züge deutlich pünktlicher sein als früher, so die BEG. Im Allgäu sind diese Züge seit 2018 unterwegs, dort bescheinigt die BEG den Betreibern eine Pünktlichkeit von 97 Prozent.

In Nürnberg werden die alten S-Bahn-Waggons ausgemustert, dafür gibt es moderne neue Regionalzüge: Seit Juni 2020 Juni sind die ersten Fahrzeuge der Baureihe 1440/Coradia Continental des Herstellers Alstom schon unterwegs. Ab dem Fahrplanwechsel ist dann die komplette Flotte von 27 Fahrzeugen im Einsatz. Die Linien S1 und S5 werden somit komplett mit Neufahrzeugen betrieben. Sie haben eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h, verfügen über ein barrierefreies WC, ein Fahrgastinformationssystem mit Echtzeitdaten sowie eine Videoüberwachung.

© BEG / Bayerische Regiobahn

Ein neuer LINT-Zug der Oberlandbahn auf Strecke

Preiserhöhung bei der Bahn und Verkehrsverbünden

Der neue Winterfahrplan bringt jedoch nicht nur schnellere Verbindungen: Die Ticketpreise werden ab dem 13. Dezember erhöht. Betroffen sind davon vor allem Kunden, die den sogenannten Flexpreis buchen. Dieser soll um 1,5 Prozent erhöht werden. Nutzer einer Streckenzeitkarte und Bahncard 100 müssen künftig durchschnittlich 1,9 Prozent mehr bezahlen. Im Gegensatz dazu wird die Bahncard 25 oder 50 nicht teurer und auch die Kosten der Superspar-Preise und Spar-Preise erhöhen sich nicht. Laut Bahn kaufen 90 Prozent der Kunden mit einer Bahncard oder buchen einen Sparpreis, den "Flexpreis zahle kaum jemand", so der Bahnsprecher.

Auch bei machen Verkehrsverbünden werden die Tickets teurer, beispielsweise beim größten in Bayern, dem Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV). Hier sind etwa zwei Drittel der Nahverkehrsfahrgäste in Bayern unterwegs, die Tickets werden um durchschnittlich 2,8 Prozent teurer. Als die Gesellschafter - Freistaat, Landeshauptstadt München und die Landkreise im MVV - im September den Erhöhungsbeschluss gefasst haben, begründeten sie das mit gestiegenen Kosten für Personal, Technik und Infrastruktur. Die Einnahmeausfälle durch Corona spielten keine Rolle, weil die durch den Rettungsschirm des Bundes gedeckt werden sollen. Es ist beim MVV die erste Preiserhöhung seit zwei Jahren. Zwischenzeitlich war die große Tarifreform mit der Einführung der München-Zone.

Leisere Güterzüge sind Vorschrift

Eine gute Nachricht gibt es für Anwohner von Bahnanlagen: Die Güterzüge von DB Cargo wurden auf leisere Bremsen umgerüstet. Auch die Waggons von Privatanbietern haben das Zeitalter der Graugussbremsen auf rauer Oberfläche für die bis zu 3000 Tonnen schweren Güterzüge hinter sich gelassen. Sie haben nun sogenannte Flüsterbremsen. Das reduziert den Lärm um 10 Dezibel, sie wirken in der Wahrnehmung damit nur noch halb so laut.

Die Umrüstung sollte bis zum Fahrplanwechsel abgeschlossen sein. Doch wegen Corona wird vorerst noch Kulanz gewährt, weil Werkstattkapazitäten gefehlt haben. So dürfen einzelne Waggons mit dem alten Bremssystem vorläufig weiterhin gekoppelt werden. Bald jedoch werden auch ausländische Waggons ohne diese Flüsterbremsen in Deutschland nicht mehr fahren dürfen.

Corona und die Folgen - auch ein Thema zum Fahrplanwechsel

Bahn und Verkehrsverbünde haben angekündigt, dass sie ihr Angebot trotz der Einnahmeverluste in Milliardenhöhe seit Beginn der Corona-Krise aufrecht halten oder sogar ausbauen werden. So gibt es nach dem Fahrplanwechsel mehr Zugverbindungen.

Zudem werden wegen Corona Sonderzüge über die Feiertage eingesetzt, so dass Fahrgäste besser Abstand halten können. Die Maskenpflicht besteht weiter, sie soll sogar schärfer kontrolliert werden. So ist für den Montag ein bundesweiter Kontrolltag eingeplant.

Wegen Corona können momentan nur Fensterplätze reserviert werden. Das soll es erleichter, die Mindestabstände einzuhalten.

Auf Vorschläge, eine Reservierungspflicht in Fernverkehrszügen einzuführen haben Politik und Bahn, ablehnend reagiert. Es wäre auch eine Abkehr vom offenen deutschen Bahnsystem, bei dem Fahrgäste auch ohne Reservierung in jeden Zug steigen können. Es bleibt jedem selbst überlassen, ob er in vermutlich volle Züge zur Hauptreisezeit steigen will. Im Online-Angebot der Bahn kann man sich über die erwartete Auslastung der Züge vorab informieren.

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Bei der Bahn werden die Fahrpreise angehoben. Dafür gibt es neue Züge, mehr Verbindungen und ein System, das den Fahrgästen die Orientierung erleichtern soll.

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