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Fahrgäste monieren Missmanagement nach Meridian-Chaos | BR24

© BR/Herbert Ebner

Ein Meridian-Zug steht im Bahnhof in Rosenheim.

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Fahrgäste monieren Missmanagement nach Meridian-Chaos

Die Empörung unter den Passagieren war groß, nachdem sie am Sonntag stundenlang in einem defekten Meridian-Zug ausharren mussten: Für solche Vorfälle müsse es ein "vernünftiges Notfallkonzept" geben. Wie sieht so ein Plan aus? Gab es ihn überhaupt?

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Gegen 18.20 Uhr blieb der Meridian am Sonntagabend auf der Fahrt von Salzburg nach München zwischen Bad Endorf und Rosenheim liegen. Der Grund: ein Ausfall der Fahrzeugsteuerung. 600 Fahrgäste mussten in dem defekten Zug ausharren, bis alle Passagiere nach über vier Stunden aus dem Zug geholt werden konnten.

Notfall-Management plante Abschlepp-Manöver

Viele Passagiere waren verärgert: "Mich ärgert es, dass es offenbar kein vernünftiges Notfall-Management gibt für solche Situationen", sagte Benjamin Hahn, der in dem Zug saß, im BR-Interview. Auch bei Twitter und Facebook empörten sich Fahrgäste über den Vorfall. "Totales Missmanagement", meinte ein User. In solchen Situationen müsse es doch ein Notfallkonzept geben, monierte ein anderer. Gab es das etwa nicht?

Gab es - so steht es in einer Pressemitteilung von Meridian. Demnach plante das Notfall-Management der Bayerischen Oberlandbahn (BOB), zu der Meridian gehört, ein Abschlepp-Manöver durch einen anderen Zug. "Da sich der liegengebliebene Zug nicht schleppfertig machen ließ, musste diese Maßnahme abgebrochen werden", heißt es in der Mitteilung der BOB. Also mussten die Passagiere aus dem Zug gebracht werden.

Nach vier Stunden war der Zug geräumt

Um etwa 20.45 Uhr nahm ein weiterer Zug, der gerade in Richtung München unterwegs war, die Hälfte der Fahrgäste auf. Die Zurückgebliebenen wurden mit dem ursprünglich geplanten Abschlepp-Zug nach Rosenheim befördert. Alle Reisenden waren um 22.30 Uhr, nach über vier Stunden, aus dem Zug geholt worden.

Das Notfall-Management wurde während des Einsatzes auch von den alarmierten Feuerwehren und Hilfskräften aus der Region unterstützt. Die Bahnstrecke zwischen Bad Endorf und Rosenheim war für mehrere Stunden einseitig gesperrt. Stattdessen fuhren Busse.

Gleicher Notfall-Plan für alle Eisenbahnverkehrsunternehmen

Auf BR-Anfrage erklärte eine Sprecherin der Bayerischen Oberlandbahn, dass für das Notfall-Management das Regelwerk der DB Netz gilt.

"Für alle Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) gilt grundsätzlich das für die EVU zugangsrelevante Regelwerk der DB Netz. Hierzu gehört auch die Richtlinie 423 'Notfallmanagement', die für alle EVU gleich ist."

Darüber hinaus hätten alle Eisenbahnverkehrsunternehmen eigene Betriebswerke. Grundsätzlich würden solche Störfälle aber in ähnlicher Art und Weise behandelt. Im Falle des defekten Meridian-Zuges sei zu berücksichtigen, "dass der missglückte Abschlepp-Versuch leider eine zeitliche Verzögerung zur Folge hatte."

Im Fernverkehr unterscheide man nach Eskalations-Stufen, so ein Pressesprecher der Deutschen Bahn gegenüber dem Bayerischen Rundfunk. Je nachdem, wie viele Fahrgäste betroffen sind, greife das Programm "CareNet", die Unfallbetreuung der Bahn.

Passagiere klagten über Chaos im defekten Meridian

Der technische Defekt am Meridian-Zug hatte auch Auswirkungen auf den Fahrgastraum. Durchsagen waren zum Unmut vieler Passagiere zunächst nur im vorderen Zugteil zu hören - und das ausschließlich auf Deutsch. Andere Fahrgäste mussten für Touristen übersetzen. Reisende im hinteren Zugteil wurden erst informiert, als ein Notfallmanager eintraf. Zudem beschwerten sich Passagiere über abgeschlossene Toiletten. Niemand durfte bis zur Räumung aussteigen und den Zug verlassen.

Entschädigung für Fahrgäste zugesagt

Die Oberlandbahn sagte den Fahrgästen eine Pauschale als Entschädigung zu, die über die sonst üblichen Kundengarantien hinaus gehe - "in Anbetracht der besonderen Umstände", wie das Unternehmen mitteilte.

Auch ÖBB in Österreich setzt auf Notfallkonzept

Auch die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) haben ein solches Notfall-Management, wie ein Sprecher des Konzerns dem BR bestätigte. Im Falle eines Defekts beziehungsweise einer Störung nehme der Triebfahrzeugführer Kontakt zum Fahrdienstleiter in der Betriebsführungszentrale auf.

Welche Maßnahme dann getroffen werde, obliegt beim Eisenbahnverkehrsunternehmen. Erst wenn weder die Weiterfahrt zum nächstgelegenen Bahnhof, noch das Abschleppen mit einem Hilfstriebfahrzeug möglich seien, werde der Zug in Ausnahmefällen auf offener Strecke geräumt.

© BR

Stundenlang mussten 600 Gäste in einem liegengebliebenen Meridian-Zug ausharren. Für die Strapazen sollen sie nun entschädigt werden.