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Bildrechte: dpa/Felix Kästle

Fachoberschüler fordern weniger Prüfungen und streiken

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Fachoberschüler fordern weniger Prüfungen - und streiken

Mehr Prüfungen, aber weniger Zeit wegen Corona. An Fach- und Berufsoberschulen stößt das bei Abschlussklässlern auf Widerstand. Sie fühlen sich im Vergleich zu anderen Schulen ungerecht behandelt. Einige Schüler verweigerten sogar den Unterricht.

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Von
  • Meike Föckersperger

Da aufgrund von Corona einige Prüfungen nachgeholt werden müssen, stehen Schülerinnen und Schüler unter erhöhtem Druck. An den Fach-und Berufsoberschulen in Bayern ist zwar eine Prüfung gestrichen worden, dennoch herrscht Unmut, da einige Schülerinnen und Schüler sich ungerecht behandelt fühlen. In München und Augsburg kam es zu Protesten. In Regensburg schrieben Schüler Briefe ans Ministerium.

Forderung: weniger Prüfungen

"Ab Montag eine Woche lang nicht am Unterricht teilnehmen", lautete die Forderung der streikenden Schülerinnen und Schüler an der Rainer-Werner-Fassbinder-Fachoberschule in München. Die 18-jährige Josephine Dippold besucht dort die zwölfte Klasse und möchte im Juni ihr Fachabitur schreiben. Sie selbst hat zwar nicht mitgestreikt, da es ihr zu riskant in Prüfungszeiten war, allerdings hat sie sich dennoch mit einer Bitte an die Medien gewandt. Sie sagt dem BR: "Wir wissen nicht mehr weiter, es ist eine hohe psychische Belastung, so viele Leistungsnachweise nachzuholen, wir haben nur einen Leistungsnachweis wegen Corona gestrichen bekommen, andere Schulformen haben weniger große Prüfungen zu schreiben, das ist unfair". Die 18-Jährige hat teilweise bis zu drei Prüfungen pro Woche auf dem Stundenplan, wegen Corona wird aktuell viel nachgeholt.

Ihre Forderung ans Kultusministerium: "Wir wollen weniger Leistungsnachweise, die verpflichtend sind. Zurzeit müssen wir noch in Nebenfächern Prüfungen ablegen, das hält uns nur vom Lernen fürs Abi ab, wir haben die Sorge, dass wir am Ende noch zwei Wochen vor dem Abitur Prüfungen in Nebenfächern ablegen müssen."

Forderung: mehr Gehör für betroffene Schüler

Auch der Schülerin Mia Merkl ist eine gestrichene Prüfung in Zeiten von Corona noch zu wenig. Sie besucht die zwölfte Klasse der Fachoberschule Regensburg und fühlt sich, ähnlich wie Josephine, ungerecht behandelt. Sie wünscht sich vom Ministerium: "Dass angefangen wird, Rücksicht auf uns zu nehmen. Wir bemerken keine Erleichterung, auch wenn es heißt, dass immer alles im Interesse der Abschlussklassen geregelt wird. Davon haben wir noch nichts mitbekommen. Wir hoffen, dass hier mehr auf uns eingegangen wird und auf unsere Bitten reagiert wird."

Ministerialbeauftragter betont Bedeutung von Prüfungen

Gottfried Wengel, der Ministerialbeauftragte der beruflichen Oberschulen in Ostbayern, entgegnet den Forderung der Schülerinnen: "Ich sehe es eigentlich so, dass man das in diesen Wochen, die noch verbleiben, sehr gut schaffen kann. Das Abitur ist erst nach den Pfingstferien, somit haben wir länger Zeit als die Gymnasien. Von daher sind wir sehr zuversichtlich, dass es keine Überbelastung für unsere Schüler ist." Im Gegenteil ist es laut Wengel sogar sehr wichtig für Schüler, Leistungsnachweise in verschiedenen Fächern zu haben. So könnten sie sehen, wo sie gerade stehen, gerade nach so langer Zeit im Distanz-Unterricht, so Wengel. Er sei sich aber dennoch bewusst, dass diese Zeit für die Schüler eine große Herausforderung darstellt.

Schulleitung ist zuversichtlich

Die Leiterin der FOS/BOS Regensburg, Angela Hendschke-Lug, ist sich der Schwierigkeit, im Lockdown Prüfungen zu schreiben, ebenfalls bewusst. Sie spricht von einem hohen Druck für Schülerinnen und Schüler. Auch sie haben schon Briefe von besorgten Eltern erreicht, die von Prüfungsängsten ihrer Kinder berichten.

Insgesamt 800 Schülerinnen und Schüler wollen dieses Jahr ihren Abschluss an der Regensburger FOS/BOS machen. Hendschke-Lug will Schülern wie Josephine und Mia Mut machen und zeigt sich zuversichtlich:

"Wir müssen immer wieder nah am Schülerohr sein. Es geht um Fragen wie: Was braucht ihr, wie geht’s euch, funktioniert der Unterricht für euch? Das ist aus meiner Sicht superwichtig, dass man in gutem Kontakt mit den Schülern bleibt und vor allem versucht, Mut und Zuversicht zu verbreiten. Weil alles andere ist kontraproduktiv für die Motivation." Angela Hendschke-Lug Schulleiterin FOS/BOS Regensburg.

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