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Fachkräftemangel: Wie Firmen um Bewerber buhlen | BR24

© dpa-Bildfunk/ Patrick Pleul

Fachkräfte dringend gesucht

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Fachkräftemangel: Wie Firmen um Bewerber buhlen

Ob im Handwerk, beim Bau oder in der Pflege: Allein in Bayern fehlen über eine halbe Million Fachkräfte. Unternehmen müssen aktiv werden, für sich werben und sich als gute Arbeitgeber darstellen. "Employer Branding" heißt das im Fachjargon.

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Es fehlen Fachkräfte, und zwar massiv. Über eine halbe Million werden allein in Bayern händeringend gesucht. Diese Zahl meldet die IHK für München und Oberbayern. Und bis 2030 wird sich der Mangel wohl mehr als verdoppeln.

Mangel kostet Milliarden

Laut IHK summieren sich derzeit die Wertschöpfungsverluste in Folge des Fachkräftemangels über alle Branchen hinweg auf 23 Milliarden Euro.

Schlüsselwort: Arbeitgeber-Marketing oder "Employer Branding"

Dem Fachkräftemangel begegnen die Unternehmen, indem sie selber mehr Mitarbeiter qualifizieren, aber auch, indem sie sich als Arbeitgeber ins rechte Licht rücken. Employer Branding nennt sich das im Fachjargon. Am besten lässt sich das mit Arbeitgeber-Marketing übersetzen.

Die Betriebe versuchen dabei, mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen ihren Bekanntheitsgrad und ihre Attraktivität als Arbeitgeber zu erhöhen. Das tun DAX-Unternehmen wie Fresenius oder VW. Gute Beispiele finden sich auch bei der Deutschen Bahn oder in der System-Gastronomie, zum Beispiel bei einem Münchner Franchise-Nehmer von McDonalds. Auch kleinere Unternehmen tun dies, zum Teil sehr erfolgreich.

Um potenzielle Arbeitnehmer für sich zu gewinnen, präsentieren sie sich in Schulen und Hochschulen sowie auf Messen. Auf den Homepages finden sich die Themen Karriereplanung und Mitarbeitersuche an prominenter Stelle. Viele Firmen werben mit Videos in den sozialen Medien um Bewerber. Manche zahlen ihren Angestellten auch extra Prämien, wenn diese ihre Freunde dazu bewegen, einen Arbeitsvertrag zu unterschreiben.

Bedürfnisse der Generation Z

Mit 'Generation Z' werden junge Leute ab Jahrgang 1995 bezeichnet. Gerade sie wollen und müssen die Unternehmen auch über die sozialen Medien ansprechen.

"Wenn junge Leute sich informieren, googeln sie zuerst. Da kommt dann vielleicht ein Bericht zum Unternehmen und noch ein Text und dann Filme. Und die Leute sind ein bisschen faul, schauen lieber einen Film, als einen langen Text zu lesen." Jugendforscher Simon Schnetzer in seiner Studie "Die jungen Deutschen"

Derartige "Komm-zu-uns-Filme" zeigen Wirkung und steigern den Bekanntheitsgrad der Unternehmen als Arbeitgeber-Marke. Doch solche Maßnahmen kosten. Das Werben um neue Fachkräfte kennt deshalb auch Verlierer. Wie die Industrie-und Handelskammer erklärt, tun sich besonders Betriebe mit weniger als 50 Mitarbeitern schwer, beim Buhlen um die Mangelware "Fachkraft" mitzuhalten.

Junge Leute wollen: gutes Betriebsklima, Goodies und eine sinnvolle Arbeit

Laut Jugendforscher Schnetzer hat die 'Generation Z' klare Kriterien, die einen Arbeitgeber attraktiv machen. Da sind zum einen der Spaß an der Arbeit und ein gutes Betriebsklima. Zweitens: die Extras, gerne auch Goodies genannt, wie etwa Work-Life-Balance, angenehme Arbeitszeiten, freie Getränke am Arbeitsplatz, cooles Arbeitsumfeld.

Und zum Dritten soll die Arbeit auch noch sinnvoll sein - neudeutsch: der Purpose. Außerdem wünscht sich die Generation Z regelmäßig Anerkennung und Feedback. Und dieses Feedback sollte schnell kommen und regelmäßig, denn die Handy-Generation ist mit Likes und Smileys groß geworden. Laut Jugendforscher Schnetzer sollten die Arbeitgeber das Arbeitsklima und Extras in einem digitalen Auftritt möglichst unterhaltsam und locker ins Bild setzen.

Fachkräftemangel in Zahlen

Über eine halbe Million Fachkräfte fehlen allein in Bayern. Diese Zahl meldet die IHK. Und bis 2030 wird sich der Mangel wohl mehr als verdoppeln. Händeringend gesucht werden Mitarbeiter im Handwerk, der Bau- und der Pflegebranche. Der Engpass wächst aber auch bei den kaufmännischen Berufen, im Dienstleistungssektor, in der Gastronomie, im Gesundheitswesen, in den technischen Zukunftsberufen und der IT.

Gesucht werden Gesellen, Meister, Akademiker

In absoluten Zahlen tritt der Fachkräftemangel am stärksten auf bei den Anforderungsniveaus "Fachkraft" (v. a. berufliche Ausbildung) und "Spezialist" (z.B. Meister, Fachkräfte mit Weiterbildung oder Bachelor). In diesem Segment wird der Mangel laut IHK von 198.000 (2018) auf 426.000 Fachkräfte (2030) steigen. Beim Anforderungsniveau "Experte" (v.a. Akademiker) prognostiziert die IHK einen Anstieg des Mangels von 63.000 (2018) auf 116.000 (2030).