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Öffnungszeitenschild am Gasthaus zum Stuck in Nördlingen
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Tobias Chmura
Beate Mangold
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Öffnungszeitenschild am Gasthaus zum Stuck in Nördlingen

Ein Damenstammtisch, eine Firmenfeier mit ausländischen Gästen und ein Pärchen, das Hochzeitstag feiert: Frauke Knie hat in ihrem "Gasthaus zum Stuck" in der Nördlinger Altstadt an diesem Werktag volles Haus. Und das ist auch gut so, denn am Wochenende bleiben die Türen des Gasthauses geschlossen, denn dem Gasthaus fehlt Personal.

Arbeitsagentur findet keine Bewerber mehr

Verschiedene Stellen haben die Besitzer in den letzten Monaten über die Arbeitsagentur ausgeschrieben. Aber laut Frauke Knie melden sich nur sehr wenige. Und auch bei denjenigen, die sich melden, gibt es Diskussionsbedarf. Das Problem ist die Arbeit am Wochenende.

"Unser Personal kommt gern von Montag bis Freitag. Aber sie möchten dann einfach auch am Wochenende mit ihren Kindern etwas unternehmen oder selbst zum Essen gehen." Frauke Knie, Gasthausbesitzerin

Gastronomen arbeiten am Wochenende und den Feiertagen

Das alteingesessene Gasthaus, das Frauke Knie zusammen mit ihrem Mann in vierter Generation betreibt, hat deshalb nur noch von Montag bis Freitag geöffnet. Besonders für die Küche ist gerade kein Personal zu bekommen. Jürgen Knie ist der Koch im "Gasthaus zum Stuck", aber allein schafft er es nicht. Derzeit behilft er sich mit mehreren ehemaligen Auszubildenden, die gerne tageweise aushelfen – aber eben nur unter der Woche.

"Jedem Lehrling, der bei mir angefangen hat, habe ich gesagt: Bedenke, du fängst jetzt in der Gastronomie an. Du wirst die nächsten drei Jahre keinen Feiertag mehr frei haben, Weihnachten schaffen, Silvester schaffen und mindestens 70 Prozent deiner Freunde verlieren!" Jürgen Knie, Besitzer des "Gasthaus zum Stuck"

Positive Wirtschaftslage hat negative Folgen

Ehrliche Worte, aber trotzdem haben manchmal drei Azubis gleichzeitig bei ihm in der Küche gelernt. Doch mittlerweile ist der Arbeitsmarkt total leergefegt. Im Landkreis Donau-Ries hat dabei eine eigentlich positive Wirtschaftslage negative Folgen.

Denn der Landkreis Donau-Ries ist bundesweit spitze: Die Arbeitslosenquote liegt bei 1,4 Prozent, auf jeden Arbeitssuchenden kommen rein rechnerisch 1,5 Stellen. Doch das hat zur Folge, dass Fachpersonal fehlt und zwar nicht nur in der Gastronomie. Auch Maschinenbauer, Lastwagenfahrer und Lagerarbeiter werden händeringend gesucht.

Geschäftsessen bringen dem Gasthaus Umsatz

Kein Wunder, dass sich bei dieser Auswahl kaum jemand für einen Job mit langen Arbeitszeiten am Wochenende und an den Feiertagen entscheidet. Jürgen und Frauke Knie kommen dank der guten Wirtschaftslage aber zurzeit trotzdem über die Runden, denn viele Firmen in der Region kommen mit ihren Geschäftskunden in das Gasthaus. So läuft das Geschäft trotz Fachkräftemangels – und die Knies haben jetzt selbst an den Wochenenden frei.