BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

Fachkräftemangel: Deutscher Arbeitsmarkt unattraktiv | BR24

© BR/ Birgit Harprath

BR Thema des Tages: Interview zum Fachkräftemangel

12
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Fachkräftemangel: Deutscher Arbeitsmarkt unattraktiv

Für ausländische Fachkräfte ist der deutsche Arbeitsmarkt nicht sonderlich attraktiv. Einer aktuellen Studie zufolge belegt Deutschland im Ranking der OECD-Mitgliedstaaten lediglich Platz 12. Lösungen sollen am Montag in Berlin gefunden werden.

12
Per Mail sharen
Teilen

Trotz des großen Fachkräftemangels ist Deutschland für ausländische Akademiker bislang nicht die erste Wahl bei der Jobsuche. Laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung und Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) kommt die Bundesrepublik innerhalb der 36 Mitglieder zählenden Industriestaaten-Organisation OECD lediglich auf Platz zwölf. Spitzenreiter sind demnach Australien, Schweden und die Schweiz. Das größte Defizit in der Attraktivität für Hochqualifizierte hat Deutschland bei den beruflichen Chancen, heißt es in der Studie.

Fachkräfte-Gipfel in Berlin

Ausländische Fachkräfte für den deutschen Arbeitsmarkt gewinnen, dieses Ziel verfolgt auch die Bundesregierung. Bereits in der vergangenen Woche hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel über eine Videobotschaft verbreitet, dass Deutschland auf gut qualifizierte Fachkräfte auch aus dem Ausland angewiesen ist. Am Montagnachmittag trifft sie sich mit Vertretern der Bundesländer, Arbeitgebern und Gewerkschaften zu einem Fachkräfte-Gipfel. Es soll besprochen werden, wie in der Praxis qualifizierte Arbeitskräfte nach Deutschland geholt werden können.

Rechtliche Rahmen bereits geschaffen

Den rechtlichen Rahmen dafür gibt es bereits in Form des Fachkräfte-Einwanderungsgesetzes, das im März 2020 in Kraft treten wird. Unter anderem geht es um die schnellere Erteilung von Visa für Arbeitskräfte und mehr Deutsch-Kurse im Ausland. Dazu gehört auch der Wegfall der so genannten Vorrang-Prüfung. Damit muss vor Einstellung einer ausländischen Fachkraft nicht mehr nachgewiesen werden, dass kein europäischer Bewerber zur Verfügung steht.

Strategien für die Umsetzung gefordert

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat eine Strategie im Umgang mit dem Fachkräftemangel in Deutschland gefordert. Um das Fachkräfte-Einwanderungsgesetz mit Leben zu füllen, müsse dieses jetzt erarbeitet und umgesetzt werden, sagte Heil am Montag im rbb-Inforadio:

"Wir haben das Handwerk heute Abend am Tisch. Wir wollen mit denen besprechen, auf welche Länder wir uns erst einmal konzentrieren. Es ist ja Aufgabe von der Wirtschaft selbst, sich um Fachkräfte zu kümmern. Und wir werden dann die entsprechenden bürokratischen Hürden weghauen." Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD)

Bürokratische Hürden abschaffen

Es gelte in der Praxis bürokratische Hürden abzuschaffen, so der Bundesarbeitsminister. Es gehe aber auch um eine schnellere Anerkennung von beruflichen Qualifikationen, um sprachliche Barrieren und nicht zuletzt um die Frage der Visumserteilung. Generalsekretärin Linda Teuteberg (FDP) ist für ein Punktesystem, in dem sowohl berufliche als auch akademische Ausbildungen und Erfahrungen bewertet werden. Merkmale, die für die Integration förderlich sind, müssten klar bewertet werden können.

Fachkräftemangel trifft alle bayerischen Regierungsbezirke

Für viele Betriebe in Bayern wird es zunehmend schwieriger, den Personalbedarf zu decken, so die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, vbw. Die Studie "Arbeitslandschaft 2025" geht davon aus, dass schon heute etwa 190.000 Stellen in Bayern unbesetzt bleiben. Bis zum Jahr 2025 kann die Fachkräftelücke auf bis zu 350.000 Arbeitskräfte anwachsen. Wesentlicher Treiber für den Fachkräftemangel ist die demografische Entwicklung, die dazu führt, dass in den nächsten Jahren zahlreiche Erwerbspersonen aus dem Arbeitsleben ausscheiden und in den Ruhestand gehen.

Bundesagentur für Arbeit spricht von Engpass-Berufen

BR Wirtschaftsexpertin Birgit Harprath hat bei der Bundesagentur für Arbeit nachgefragt. Die überraschende Antwort: Es gebe keinen umfassenden Fachkräftemangel, auch nicht in Bayern, aber es gebe sogenannte "Engpassberufe". Dazu gehörten unter anderem Berufe, die bei Ausschreibungen eine hohe Vakanzzeit haben. Das bedeutet: Stellen können lange nicht besetzt werden und auf dem Arbeitsmarkt stehen entsprechend wenig Bewerber zur Verfügung. Um diese Berufe attraktiver zu machen, raten die Arbeitsvermittler Arbeitgebern, bei den Bewerbungskriterien Abstriche zu machen und Mitarbeiter im Job zu qualifizieren.