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Fachkräfte-Verfahren: Online-Experte fängt in Nürnberg an | BR24

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Um dem akuten Fachkräftemangel entgegenzuwirken, gibt es seit März ein beschleunigtes Verfahren zur Anerkennung von Qualifikationen. Einer der ersten Spezialisten, arbeitet nun bei einem Nürnberger Computerspezialisten.

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Fachkräfte-Verfahren: Online-Experte fängt in Nürnberg an

Seit März gibt es ein beschleunigtes Fachkräfte-Verfahren zur Anerkennung von Qualifikationen. Einer der ersten Spezialisten, der dieses Verfahren durchlaufen hat, arbeitet nun bei einem Computerdienstleister in Nürnberg.

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Hashem Mohammadian ist einer der ersten, der auf Grundlage des beschleunigten Fachkräfteverfahrens der Bundesregierung eine Anstellung bekommen hat. Der Programmierer aus dem Iran konnte nach vier Monaten anfangen in Deutschland zu arbeiten – und damit deutlich schneller, als beim herkömmlichen Verfahren.

Gute Qualifikationen – gefragter Mitarbeiter

Hashem Mohammadian entspricht wohl genau dem Bild eines gesuchten, jungen Computer-Experten. Er hat einen Hochschulabschluss im Iran, einen in Deutschland und einen in Spanien gemacht. Seit einem Monat ist der 32-jährige Programmierer und Entwickler bei "Lead Alliance" angestellt, einem Nürnberger Systemdienstliester für Online-Marketing. Der mittelständische Betrieb hat es nicht leicht, gute Programmierer und Entwickler zu finden. "Wir haben nicht den Namen und den Auftritt wie Google, Audi oder Siemens und auch die suchen IT-Spezialisten wie wir", erklärt Geschäftsführer Bernd Aipperspach. Das Anstellen von Fachkräften aus dem Ausland sei ebenfalls nicht einfach.

Programmierer durch Praktikum bekannt

Während seiner Studienzeit in Nürnberg hat der IT-Spezialist Mohammadian ein Praktikum bei der Software-Firma absolviert. Anschließend ging er nach Spanien, um einen weiteren Abschluss zu machen. Und dann meldete er sich wieder bei den Nürnberger Systemdienstleistern. Geschäftsführer Bernd Aipperspach nutzte diese Chance für das beschleunigtes Fachkräfte-Verfahren. Es sei zwar schneller als das vorherige Verfahren, aber dennoch mit Aufwand und Mühen verbunden. Da er Hashem Mohammadian und seine Fähigkeiten kannte, nahm Aipperspach das auf sich.

IHK Nürnberg unterstützte bei Behördengängen

Vier Monate dauerte das Verfahren – Zeugnisse und Abschlüsse mussten geprüft und eine Aufenthaltsgenehmigung beantragt werden. Bei den Behördenvorgängen hat die Nürnberger IHK die Firma unterstützt, gegen eine Gebühr von 411 Euro. Gut angelegtes Geld, glaubt der Online-Marketingexperte Bernd Aippersbach. "Also in unserem konkreten Fall hat die IHK da einen sehr guten Job gemacht, das war der Moment, als das ganze Procedere dann Fahrt aufgenommen hat." Gerade im Umgang mit den Behörden und Ämtern konnten die Experten der IHK sich gut einbringen.

Verfahrensaduer wurde deutlich verkürzt

So zum Beispiel Franziska Röder. Sie hatte im März schon mehr als 100 Anfragen von Firmen zum beschleunigten Verfahren, wurde dann aber durch den Lockdown auch ausgebremst. Mittlerweile nehmen die Anfragen wieder zu, vor allem aus der IT-Branche. Und das neue Verfahren sei laut IHK auch wirklich schneller.

"Ganz wichtig sind die Fristen bei der Botschaft, die deutlich verkürzt wurden. Diese betragen jetzt drei Wochen, bis man einen Termin bekommt, und drei Wochen für die Ausstellung des Visums. Das beträgt im normalen Verfahren mehrere Monate. Je nach Land kann es sogar sein, dass eine Fachkraft über ein Jahr auf einen Botschaftstermin wartet." Franziska Röder, IHK Nürnberg

Planungssichere Fristen für Arbeitgeber

Auf Anfrage des BR erklärt ein Sprecher des Bundeninnenministeriums, das beschleunigte Fachkräfteverfahren erlaube es seit März 2020, das Verfahren auf Initiative des Arbeitgebers bei der zuständigen Ausländerbehörde mit absehbaren, planungssicheren Fristen aus dem Inland zu betreiben. Damit werde den Fachkräften aus Drittstaaten die schnelle Prüfung der Anerkennung ihrer Qualifikation, die erforderliche Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit, die Prüfung der aufenthaltsrechtlichen Voraussetzungen und die Erteilung des Einreisevisums sowie die sofortige Arbeitsaufnahme nach der Einreise ermöglicht.

Erfolg abhängig vom Pandemie-Geschehen

Allerdings gelten seit Mitte März pandemiebedingt EU-weite Einreisebeschränkungen aus Drittstaaten. Bis Ende Juni waren Einreisen nur für Beschäftigte im Gesundheits- und Transportsektor möglich. Seit Anfang Juli können Fachkräfte allgemein wieder einreisen. Teilweise sind diese Einreisen aber weiterhin erschwert durch reduzierte Kapazitäten der Auslandsvertretungen, die der pandemiebedingten Situation im jeweiligen Staat geschuldet sind. Zahlen, wie viele Arbeitnehmer das neue Verfahren genutzt haben, liegen bisher weder für Deutschland noch für Bayern vor.

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