Trotz der aktuellen Dürre werden viele Sportplätze in Bayern gewässert. Warum ist das so?

Bildrechte: BR/Henry Lai
  • Artikel mit Audio-Inhalten
>

Extreme Trockenheit: Warum werden Sportplätze noch gegossen?

Extreme Trockenheit: Warum werden Sportplätze noch gegossen?

Der diesjährige Sommer ist sehr trocken und die Wasservorräte schwinden. Trotzdem werden viele Sportplätze in Bayern weiter bewässert. Warum ist das so? Und wird dazu Trinkwasser verwendet?

Viele Rasen in Franken sehen aktuell aus wie trockene Steppen. Doch Vereins-Fußballplätze sind weiterhin satt grün. So wie der Sportplatz beim Ersten Sportverein Treuchtlingen. Jürgen Kränzlein kümmert sich um den Platz und hat als städtischer Platzwart wortwörtlich den Wasserschlauch in der Hand. Aktuell muss er die Sprenkleranlage mehrmals die Woche anschalten. Pro Beregnungsgang sprühen solche Anlagen bis zu 60 Kubikmeter Wasser auf das Feld.

In Treuchtlingen wird nicht mit Trinkwasser gegossen

Von Menschen, die in der nahegelegenen Gastwirtschaft des Vereins sitzen, werde er öfter mal angesprochen, erzählt er. "Viele Leute meinen, wir verwenden hier Trinkwasser. Das ist aber nicht der Fall, weil diese Leitung als Trinkwasser nicht mehr zugelassen ist. Die Pumpe, die hier arbeitet, speist sich nämlich aus der Suffersheimer Wasserleitung. Weil diese aber viel zu hohe Nitratwerte hat, wird das Wasser eben zum Gießen genutzt.

Nicht jeder hat Glück, so eine Quelle anzapfen zu können. Deswegen setzen viele andere Vereine auf Zisternen, die das Regenwasser sammeln – etwa wie der VfL Treuchtlingen. Auch andere Vereine in der Region haben sich so eine Lösung einbauen lassen, sagt Roland Rösler vom Wasserwirtschaftsamt Ansbach. Eine Notwendigkeit, die Bewässerung von Sportplätzen einzuschränken, gebe es deshalb nicht.

Keine Wasserknappheit in Oberfranken

Ähnlich sieht es in Oberfranken aus: Nach Angaben der Fernwasserversorgung Oberfranken besteht aktuell keine Wasserknappheit. Beispiel: die Ködeltalsperre bei Nordhalben in Oberfranken. Von hieraus werden rund 400.000 Menschen in Oberfranken mit Trinkwasser versorgt. Derzeit ist das Becken gut 75 Prozent gefüllt. Eigentlich ein ganz normaler Sommer heißt es von den Verantwortlichen. Trotzdem hat Burgkunstadt im Landkreis Lichtenfels das Gießen von Sportplätzen mit Trinkwasser per Anordnung untersagt.

Egal, ob man nun gießen darf oder nicht: Es wird immer mehr zur Sisyphus-Arbeit – und nicht nur wegen der Hitze, sagt der Treuchtlinger Platzwart Jürgen Kränzlein. Auch der Wind spielt eine Rolle. "Da wir jetzt wieder mehr Wind und mehr Stürme haben als früher, trocknen diese Plätze viel schneller aus", erklärt Kränzlein, der schon seit 33 Jahren als Platzwart arbeitet. "Ich bringe teilweise gar nicht so viel Wasser auf den Platz, wie ich brauchen würde. Optimal wäre 25 Liter auf den Quadratmeter. Und das schafft man fast nicht bei solchen Temperaturen über 30 Grad".

Hier ist der Unterschied zwischen dem bewässerten und dem unbewässerten Teil des Spielfeldes zu sehen.

Bildrechte: BR/Henry Lai

Ohne Regen geht es nicht

Und dann sind auch nicht alle Sportanlagen gleich. Das sieht man schon, wenn man auf dem Gelände des ESV Treuchtlingen nur ein paar Meter weiter geht, nämlich vom A-Platz auf den B-Platz. Hier gibt es nur drei statt zwölf Sprenkler. Sie alle befinden sich in der Mitte des Platzes. Und nur da ist es auch noch grün.

"Der Platz ist jetzt hier außen rum Sahara. Er verbrennt. Die Wurzeln verbrennen, es dauert mindestens ein Jahr, bis er sich wieder erholt." Jürgen Kränzlein, Platzwart

Helfen kann hier nur Regen. Was Jürgen Kränzlein braucht, ist "Kein Gewitterregen, ein leichter Regen, der in den Boden eindringt und diese Wurzel wieder aktiviert". Denn auch wenn er an sich "so viel gießen kann, wie er will": Ganz ohne Niederschlag geht es dann doch nicht.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!