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AfD-Abgeordnete verlassen während der Rede von Charlotte Knobloch den Gedenkakt des Bayerischen Landtags
© pa/dpa/Peter Kneffel
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AfD-Abgeordnete verlassen während der Rede von Charlotte Knobloch den Gedenkakt des Bayerischen Landtags

Charlotte Knobloch erhält seit ihrer Rede vom Mittwoch wieder vermehrt wüste Beschimpfungen, Beleidigungen und Drohungen, das bestätigt die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern gegenüber dem BR.

Knobloch hält dem Druck stand

Aber davon will sie sich auch weiterhin nicht abschrecken lassen, erklärt sie:

"Ich stehe 100 Prozent dahinter und werde auch in dieser Hinsicht meine Meinung weiterverfolgen und auch veröffentlichen. Das, was geschehen ist, darf nie mehr geschehen und durch das Erinnern und Gedenken müssen auch die jungen Menschen sehen, dass sie die Verantwortung haben." Charlotte Knobloch

Die Vorsitzende des schwäbischen Regionalverbandes Deutscher Sinti und Roma, Marcela Reinhardt, die beim Eklat im Landtag mit dabei war, unterstützt Knobloch mit ihrer Kritik an der AfD: "Man muss als Partei auch einstecken und nicht nur austeilen können. Ich sage es, wie es ist, die AfD teilt gewaltig aus und wir, der Regionalverband, werden das, was Charlotte Knobloch gesagt hat, immer wieder unterstreichen und auch immer wieder erwähnen."

Unterstützung vom Antisemitismusbeauftragten

Der Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, Ludwig Spänle, verurteilt vor allem die persönlichen Angriffe auf Charlotte Knobloch scharf. Er hält ihre Rede im Landtag für beispielhaft.

"Zunächst gilt es Charlotte Knobloch wirklich Respekt zu zollen für den Mut, den sie in dieser Situation gezeigt hat. Es sind die Väter des Ungeistes, die sich hier zeigen, wir müssen dem entgegentreten." Ludwig Spaenle, bayerischer Antisemitismusbeauftragter

Gedenkstunde falscher Ort

Markus Plenk, einer der beiden Fraktionsvorsitzenden der AfD im Landtag, bedauert die extremen Reaktionen, die sich jetzt zeigen, stellt allerdings klar, dass er die Kritik an seiner Partei innerhalb einer Gedenkstunde nach wie vor für fehl am Platze hält:

"Frau Knobloch hätte sich einfach nicht in der massiven Form verallgemeinernd über die AfD äußern sollen. Ich denke, es war auch unangemessen, dass die Kollegen der anderen Fraktionen mit Standing Ovations reagieren. Parteipolitische Äußerungen haben aus meiner Sicht bei solchen Veranstaltungen nichts zu suchen." Martin Plenk, AfD-Fraktionsvorsitzender

Auch die AfD erhielt Drohungen

Aber der Vorfall ruft offenbar weiterhin extreme Reaktionen auf beiden Seiten des politischen Spektrums hervor. Die zweite AfD-Fraktionsvorsitzende Katrin Ebner-Steiner teilte dem BR gegenüber schriftlich mit, auch sie und ihre Familie hätten seit Mittwoch per E-Mail Todesdrohungen bekommen. Sie habe daraufhin die Polizei eingeschaltet.

Der Antisemitismusforscher Marcus Funck

Der Antisemitismusforscher Marcus Funck