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Extreme Hitzewelle: Ist Bayern reif für die Siesta? | BR24

© Bayerischer Rundfunk 2019

Sonne pur: Hoch "Ulla" sorgt diese Woche für die erste Hitzewelle des Jahres. Mit Temperaturen bis an die 40 Grad könnte sie sogar alle Juni-Werte der Vergangenheit toppen. Schön für Urlauber, anstrengend für alle, die Hitze schlecht vertragen.

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Extreme Hitzewelle: Ist Bayern reif für die Siesta?

Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius: Wer zurzeit draußen oder im Büro ohne Klimaanlage arbeiten muss, wäre einer verlängerten Mittagspause bestimmt nicht abgeneigt. Dass die Siesta in Bayern kommt, ist aber eher unwahrscheinlich.

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Der Freistaat Bayern erwartet diese Woche eine extreme Hitzewelle, die das Hoch "Ulla" mit sich bringt. Auf bis zu 40 Grad sollen die Temperaturen steigen. Für jene Arbeitnehmer, die auf dem Bau arbeiten oder ohne Klimaanlage im Büro ausharren müssen, wird diese Woche hart.

Da träumt so manch einer von einer Siesta: einer verlängerten Mittagspause, in der man schnell in den See springen oder ein Schläfchen im Park abhalten kann. Für die Gesundheit wäre sie sehr förderlich, sagt der Schlafforscher Steffen Schädlich. Denn die meisten Menschen erleben ein Mittagstief, vor allem wenn es heiß ist.

Rechtlich Anspruch auf 30 Minuten Pause

Das Arbeitsrecht ist allerdings weniger auf eine Siesta ausgelegt. Rechtlich gesehen haben Arbeitnehmer bei einer Arbeitszeit von sechs bis neun Stunden nur einen Anspruch auf mindestens 30 Minuten Pause. Mehr muss der Arbeitgeber theoretisch nicht gewähren.

Das reiche völlig aus, meint der Geschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Bertram Brossardt. Er befürchtet, dass die Wirtschaft unter der Einführung einer Siesta leiden würde, da Produktionsabläufe umorganisiert werden müssten.

Im Konflikt mit dem Tagesablauf

Auch der Bayerische Gewerkschaftsbund steht der Siesta-Idee eher skeptisch gegenüber. Im Schichtdienst wäre sie laut Herbert Hartinger vom Bayerischen Gewerkschaftsbund schwer unterzubringen.

"Außerdem könnte die Vereinbarkeit von Beruf und Familie darunter leiden, etwa weil Abholzeiten der Kindertagesstätten nicht mehr eingehalten werden könnten. Gerade in Bayern gibt es noch das Problem mit den Ladenschlusszeiten – wer nach 20 Uhr das Büro verlässt, könnte nicht mehr einkaufen gehen." Herbert Hartinger, Bayerischer Gewerkschaftsbund

Flexibilität als Trend

Eine flächendeckende Siesta in Bayern, so idyllisch sie klingen mag, wird es demzufolge wohl eher nicht geben. Aber das muss nicht unbedingt eine Absage an den See oder Schlaf sein. Immer mehr Arbeitgeber setzen auf die Flexibilität ihrer Arbeitnehmer und bieten an, die Länge der Pause frei zu wählen.

In Spanien, dem Ursprungsland der Mittagsruhe, sind auch nicht alle Fans der Siesta. Manche nennen sie "Zwangspause" und würden lieber früher nach Hause gehen. Sie wird laut einer Studie ohnehin nur noch von 40 Prozent der spanischen Betriebe genutzt.

© BR

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