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Extreme, das neue Normal - Klimawandel in Bayern | BR24

© Christian Meckel/BR

Der Klimawandel ist längst in Bayern angekommen. Darunter leidet vor allem die Natur in den Alpen.

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    Extreme, das neue Normal - Klimawandel in Bayern

    In den Alpen schreitet der Klimawandel fast doppelt so schnell voran wie im globalen Durchschnitt. Berge bröckeln, es tropft und taut. Was tut Bayern dagegen? Schließlich gilt das Bundesland als Pionier des Umweltschutzes.

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    Die Auswirkungen des Klimawandels sind immer deutlicher spürbar, für jeden: Wetterextreme nehmen zu - es ist extrem heiß, es regnet oder schneit in extrem kurzer Zeit extrem viel. In den Bergen hat der Wandel jetzt schon dramatische Folgen: Hier hat sich die Welt deutlich verändert und ist heute schon eine unmittelbare Gefahr für die Menschen - denn die Berge werden instabil. Die Gletscher tauen unwiederbringlich und im Hochgebirge schmilzt der Permafrost. Und das ist der Kitt der Berge, der die Felsen in ihrem Inneren zusammenhält.

    Felsstürze an Bergen drohen

    Der Hochvogel im Oberallgäu sorgt seit Monaten für Schlagzeilen. Hier droht ein gigantischer Felssturz. Der 2.600 Meter hohe Berg hat einen wachsenden Riss, ein großer Teil der südlichen Gipfelwand droht abzubrechen.

    Herabstürzen werden die Felsmassen auf österreichischer Seite, in Richtung der kleinen Gemeinde Hinterhornbach. Die Hauptroute von dort auf den Hochvogel wurde gesperrt. Noch gravierender ist die Situation in den Hochalpen: Unter Bergsteigern geht es immer öfter nicht mehr um Erstbesteigungen, sondern um "Letztbegehungen".

    Schadensbegrenzung läuft

    Wissenschaftler wie Prof. Michael Krautblatter von der TU München beschäftigen sich damit, was im Inneren der Berge vor sich geht. Sie wollen Frühwarnsysteme entwickeln, um für mehr Sicherheit in den Bergen zu sorgen.

    Wann könnte es für Skifahrer und Bergsteiger gefährlich werden, wenn der Permafrost schmilzt und der Fels brüchig wird? Wie sicher sind Lift- und Seilbahnstützen? Was ist mit den Fundamenten von Berghütten? Probleme, die man lösen muss, wenn der Tourismus in den Alpen Bestand haben soll. All das ist Schadensbegrenzung, man passt sich dem Klimawandel an. Doch was tut die Politik um ihn einzubremsen?

    CO2-Ausstoß wächst weiter

    Tatsache ist: Trotz aller Zielvereinbarungen von Politik und Wirtschaft: Der CO2-Ausstoß, der für die Erderwärmung ganz wesentlich verantwortlich ist, geht nicht zurück. Er wächst sogar wieder. Nach drei Jahren Stagnation wurde 2018 ein neuer Höchststand erreicht. Die Klimaziele rücken in immer weitere Ferne. Woran liegt das?

    Energiewende politisch eingebremst

    Kein Klimaschutz ohne Energiewende. Die tritt in Bayern derzeit aber oftmals auf der Stelle. Ein Beispiel ist die Windenergie: Bis vor einigen Jahren wurden jährlich alleine in Bayern etwa 400 Windkraftanlagen gebaut. Im Jahr 2014 brach diese Zahl ein. Der Grund ist die Einführung der umstrittenen 10H-Regelung, die besagt, dass Windräder mindestens ihre 10-fache Höhe von der nächsten Bebauung entfernt sein müssen.

    Damit ist der Bau von Windkraftanlagen im Freistaat praktisch zum Erliegen gekommen. Immer neue Vorschriften und Verordnungen machen es den Bürgern schwer, die Energiewende weiter voran zu treiben.

    "[…] Die Leute haben zwar Verständnis für Natur- und Klimaschutz, aber sie meinen, aktiven Klimaschutz kann man so locker und nebenbei erreichen. Und das geht nicht." Arno Zengerle, Bürgermeister in Wildpoldsried

    Europaweite Proteste von Schülern und Wissenschaftlern

    Mit dieser Sorge ist der Bürgermeister nicht allein. Das Thema Klimawandel bringt nahezu eine ganze Generation in vielen Ländern Europas auf die Straße. Der Protest der jungen Leute treibt Debatten voran.

    Sie bekommen Gehör, aber bewirken sie auch etwas? Nicht locker lassen - monatelang, wenn es sein muss jahrelang - das ist ihr Plan. Bis es konkrete, verbindliche Maßnahmen gegen die Klimaerwärmung gibt. Denn sie haben am meisten zu verlieren.

    "Wir haben jetzt noch bis 2030 und das sind noch 828 Freitage. Wir können und wir machen das auch. Bis zum Kohleausstieg. Und das ist unser Druckmittel, dass wir jeden Freitag in Deutschland demonstrieren." Marco

    Das es höchste Zeit ist aktiv zu werden, das finden mittlerweile auch mehr als 20.000 Naturwissenschaftler: Sie alle unterzeichneten eine Petition der Initiative "Scientists for Future" und solidarisieren sich so mit den streikenden Schülern.

    Taten zum Klimaschutz gefragt

    Gibt es einen echten Sinneswandel in der Politik? Während die Bürger Taten sehen wollen und die Schüler auf die Straße gehen, verlieren sich die Parteien im Streit um die Aufnahme des Klimaschutzes in die Bayerische Verfassung. Dabei gibt es viele Baustellen in der Klimapolitik, die darauf warten, angepackt zu werden.

    Bayern - Pionier im Umweltschutz?

    Bayern war vor knapp 50 Jahren das erste Bundesland mit einem eigenen Umweltministerium. 1970 wurde der Umweltschutzgedanke sogar in der Verfassung verankert. Dieser war in erster Linie eng verknüpft mit dem Heimatgedanken - den Klimaschutz hatte man damals weniger im Blick.

    Die wohl erste Amtshandlung des Umweltministeriums war die Aufstellung des Alpenplans, der bis heute die Erschließung der bayerischen Alpen regelt. Das hat sich nachhaltig bewährt. Um der heutigen Herausforderung zu begegnen, müsste die Politik ähnlich wirksame Instrumente finden. Tatsächlich fährt gerade die Bayerische Staatsregierung derzeit aber immer wieder einen Schlingerkurs in Sachen Umweltpolitik.

    Nur ein Beispiel: die zunächst genehmigte und dann wieder revidierte Skischaukel am Riedberger Horn. Das Wahlergebnis scheint eine Lektion gewesen zu sein: Ministerpräsident Markus Söder und seine Partei wollen die Themen Umwelt- und Klimaschutz nicht mehr der Opposition überlassen. Die CSU wollte sogar den Klimaschutz in die Verfassung schreiben – doch da machte die Opposition nicht mit, kanzelte das als reine Symbolpolitik ab. Die Zeiten, in der Bayern als Umweltpionier galt, scheinen vorbei zu sein.

    "Wenn es so weitergeht, wie es momentan läuft, dann werden wir am Ende des Jahrhunderts, also so um das Jahr 2100 herum, wahrscheinlich irgendwo bei plus fünf Grad liegen […] Das heißt, die zukünftigen Generationen werden noch ein wesentlich größeres Problem haben, als was wir jetzt schon haben." Prof. Stefan Emeis, Klimaforscher