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Experten kritisieren Waschanlage für Hunde in München | BR24

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Kann man das einem Tier zumuten? Nach einem Abendschau-Bericht über eine Hunde-Waschanlage in Unterföhring bei München gab es reichlich Diskussionen. Darum haben wir noch einmal genauer nachgefragt und nachgesehen.

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Experten kritisieren Waschanlage für Hunde in München

Seit einem halben Jahr bietet in München eine automatische Hundewaschanlage ihre Dienste an. Ein Beitrag im BR Fernsehen erzürnte Hundebesitzer, der Vorwurf gegenüber den Betreibern der Anlage: Tierquälerei. Experten sehen das ähnlich.

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Als im Br Fernsehen die Abendschau kurz nach der Eröffnung über eine neue Hunde-Waschanlage berichtet, schlägt der Bericht auf Facebook Wellen. Ein paar hunderttausend Klicks und mehr als sechstausend Kommentare haben gezeigt, wie sehr das Thema vor allem Hundebesitzer bewegt.

Behörden: Anlage wird derzeit noch geprüft

Viele fragten, nach welchen Kriterien die Behörden eine solche Anlage zulassen. Die überraschende Antwort: Eine besondere Genehmigung ist für eine Hundewaschanlage nicht nötig. Das Kreisverwaltungsreferat erklärt auf unsere Anfrage, dass ein "Hundesalon" weder eine Erlaubnis nach dem Tierschutzgesetz braucht noch eine technische Zulassung oder Abnahme. Dennoch habe man nachgeschaut:

"(...) Unsere Veterinäre haben sich bereits ein Bild vor Ort machen können, möchten aber noch eine zusätzliche Expertise der Fachkollegen aus dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) einholen, das auch für Tiergesundheit zuständig ist. Der Sachverhalt befindet sich also noch in der behördlichen Prüfung." Kreisverwaltungsreferat München

Vorbilder in den USA und Spanien

Rein rechtlich ist die Sache also zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu beanstanden. Ganz neu ist die Idee auch nicht. In den USA und China sind ähnliche Anlagen schon weit verbreitet, wie der Betreiber berichtet, auch in Spanien und Irland gibt es sie. In Spanien, wo die deutschen Debatte schon vor 20 Jahren geführt wurde, startete ein zweibeiniger Waschanlagenenthusiast sogar einen Selbstversuch. Immerhin: Das Wasser ist wohltemperierte 35 Grad warm, Trocknen und auf Wunsch eine Ozonpflege gehören auch dazu. Dennoch: Kann mal als Hundebesitzer sein Tier hier bedenkenlos waschen?

© dpa

"Selbstversuch" in einer Hundewaschanlage im spanischen Salamanca (2001)

Waschanlage kann Tiere traumatisieren

Wir zeigen einer erfahrenen Hundepsychologin mit Hundeschule in München die Aufnahmen der Münchner Anlage. Sie ist entsetzt und schätzt, dass die Anlage einen Hund extrem stresst.

"Das kann sogar bis zum Trauma gehen, dass der Hund wirklich traumatisiert ist durch sowas, weil er das nicht versteht. Da kommt dann einfach Wasser raus und er weiß ja gar nicht, warum er da drin ist, was da drin passiert. Ich finde, wenn jemand sowas erfindet, sollte er immer mal einen Perspektivenwechsel einleiten, das heißt man muss wissen: Wie ist das eigentlich aus der Sicht des Hundes?" Rita Kampmann, Hundeschule Freude am Hund

Tierärztin: Hund empfindet das als Strafe

Auch die Tierärztin Stefanie Sprauer urteilt kritisch. Der Hund werde das Einsperren in die Waschkabine wie eine Strafe verstehen; dass der Besitzer hinter der Scheibe sich entfernt, ist für ihn sowas wie ein Vertrauensbruch, sagt die Tierärztin und Tiertherapeutin. Die Anlage verletzt nach ihrer Auffassung den Tierschutz.

"Ich persönlich halte es für tierschutzrelevant, weil dem Tier auf eine vielleicht auf den ersten Blick nicht erkennbare, aber doch Schmerzen, Leiden und Schäden zugefügt werden. Und da haben wir das Tierschutzgesetzt das eindeutig besagt, dass man das nicht tun darf." Stefanie Sprauer, Tierärztin und Tiertherapeutin

Am Ende liegt die Entscheidung beim Hundebesitzer. Unsere beiden Expertinnen jedenfalls raten ab. Wenn überhaupt solle der Besitzer seinen Hund höchstens bei offener Klappe selbst mit den Händen waschen und Föhnen. Nur in direktem Kontakt, nur mit vorsichtiger Gewöhnung und mit viel Zuspruch.

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