Starkregenschutz: Hausbesitzer müssen Vorkehrungen treffen

Starkregen und Schlammfluten richten große Schäden an

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Experten: Bayern nicht ausreichend auf Starkregen vorbereitet

Experten: Bayern nicht ausreichend auf Starkregen vorbereitet

Mit dem Klimawandel steigt das Risiko für Starkregen in Bayern. Doch ein Jahr nach den Sturzfluten im südlichen Berchtesgadener Land und dem Ahrtal ist wenig passiert beim Starkregenschutz. Nur rund zehn Prozent der Gemeinden sorgen vor.

Obwohl Extremwetterlagen häufiger würden, sei Bayern auf Starkregen nicht gut vorbereitet, warnt Umweltexperte Frank Wolfgang Günthert. Er hat zu Sturzfluten am Institut für Wasserwesen der Universität der Bundeswehr in München geforscht und kritisiert, dass sich erst rund 100 Gemeinden in Bayern um ein angemessenes Risikomanagement kümmern. Dabei machen detaillierte Gefahrenkarten, die der Freistaat fördert, angemessene Schutzmaßnahmen möglich. Sie erfassen Wasserläufe, Höhen und Senken der Landschaft, aber auch bauliche Engstellen in Ortschaften - und sie legen die Risikogebiete bei einer Flutwelle fest.

Sturzfluten drohen in ganz Bayern

Je wasserreicher und hügeliger eine Region ist, umso dramatischer können die Schäden sein. Fast im gesamten Freistaat, ob im Voralpenland oder in der Oberpfalz, wächst die Wahrscheinlichkeit von Extremwetter und starken Niederschlägen. So lautet das Ergebnis der kürzlich veröffentlichten Studie zu "Starkregen und urbanen Sturzfluten" von Frank Wolfgang Günthert.

Viele Kubikliter Regenwasser lassen sich dann nicht mehr über die Kanalisation ableiten, sondern ergießen sich sturzartig in Tiefpunkte wie Garagen und Keller. Laut Forscher erhöht nicht nur der Klimawandel das Sturzflutrisiko, weil er zu höheren Lufttemperaturen und damit auch mehr Unwettern führt. Auch die intensive Bodennutzung verschlimmert die Auswirkungen von Starkregen. Mais-Monokulturen an Orträndern verdichten etwa den Feldboden, der weniger Wasser aufnehmen kann, dazu kommt die fortschreitende Bodenversiegelung - unter anderem durch Gewerbegebiete. Rund zehn Hektar Land, das Regenwasser auffangen und versickern lassen könnte, verschwindet nach Angaben des Staatsministeriums für Umwelt täglich für den Straßen- und Siedlungsbau.

Nach Starkregen in der Gemeinde Blaichach im Oberallgäu

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Motivation für Vorsorge fehlt

Solange es keine gesetzliche Regelungen für ein "Starkregen-Management" gibt, wie etwa beim Hochwasserschutz, scheue der Großteil der 2.056 Gemeinden den finanziellen Aufwand für Vorsorgemaßnahmen, erklärt die Wasserwirtschaftsexpertin des Bayerischen Gemeindetags, Juliane Thimet. Deshalb hätten vor allem Gemeinden, die bereits Starkregenereignisse in der Vergangenheit verzeichnen mussten, Fördermittel für eine Gefahrenanalyse beantragt.

Der Freistaat übernimmt immerhin 75 Prozent der Kosten für Risikokarten. Doch die daraus folgenden Maßnahmen wie Dachbegrünungen, Rückbau von versiegelten Plätzen zugunsten begrünter Freiflächen, sowie Mulden und Versickerungsanlagen müssen Gemeinden allein finanzieren. Die Motivation für freiwilligen Starkregenschutz sei deshalb gering, sagt Anne von Streit, Starkregenforscherin am Institut für Geographie der LMU München. Sie versucht, den Verantwortlichen in den Rathäusern die Gefahren zu verdeutlichen und Schutzmöglichkeiten bei einer "Sturzflut aus dem Himmel“ zu erklären. So berät sie etwa die Gemeinde Garmisch-Partenkirchen bei der Risikovorsorge.

Starkregenschutz verlangt Investitionen

Damit alle Gemeinden besser vorsorgen können, fordert Expertin Juliane Thimet vom Bayerischen Gemeindetag, dass die Themen Niederschlagswasser, -Versickerung und -Rückhalt auf den Grundstücken künftig zum festen Bestandteil von Baugenehmigungsverfahren werden. Auch fehlt den Gemeinden die Möglichkeit, ein Vorkaufsrecht auszuüben, um sensible Grundstücksflächen zu sichern.

Private Hauseigentümer müssten laut Experten ebenfalls aktiver vorsorgen. Sie sollten etwa ihre Kanalanschlüsse, Kellerfenster oder Tiefgaragen überprüfen und gegen Wassereintritt absichern und eine Elementarschutzversicherung abschließen.

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