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Existenznot: Brauereigasthöfe gehen bei Novemberhilfen leer aus | BR24

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Brauereigasthöfe kämpfen um ihre Existenz: Pandemiebedingt mussten sie im November wie alle Gastronomiebetriebe schließen. Eigentlich gibt es dafür finanzielle Entschädigungen, die gelten jedoch für diese Gasthöfe nicht - was sich aber ändern könnte.

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Existenznot: Brauereigasthöfe gehen bei Novemberhilfen leer aus

Brauereigasthöfe kämpfen um ihre Existenz: Pandemiebedingt mussten sie im November wie alle Gastronomiebetriebe schließen. Eigentlich gibt es dafür finanzielle Entschädigungen, die gelten jedoch für diese Gasthöfe nicht - was sich aber ändern könnte.

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Von
  • Anna Klein
  • Veronika Scheidl

Die Pizzeria um die Ecke, das Lieblings-Café und die Stammkneipe, sie alle sind schon seit November wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Als Überbrückung gab es von der Bundesregierung die "Novemberhilfen" - die Gastronomie-Betriebe bekommen also bis zu 75 Prozent ihres Vorjahresumsatzes als Entschädigung.

Keine "Novemberhilfe" für Brauereigasthöfe

Bestimmte Gastro-Betriebe aber werden bislang von dem milliardenschweren Hilfsprogramm ausgeschlossen - und zwar ausgerechnet die privaten Brauereigasthöfe, quasi ein bayerisch-schwäbisches Kulturgut. Weil sie als Mischbetriebe nicht nur Umsatz mit ihrer Gastronomie machen, fallen die Brauereigasthöfe bei der Entschädigung durch das Raster.

Laut Gesetz dürften sie nur einen kleinen Teil ihres Gewinnes mit dem Bierverkauf machen, um die 75 Prozent des Vorjahresumsatzes zu erhalten - weil aber viele Brauereien mehr Bier verkaufen, gehen ihre angegliederten Gasthöfe leer aus. Um die 300 Brauereigasthöfe in ganz Bayern sind betroffen.

Brauereigasthöfe wegen Corona in Existenznot

Fixkosten für Personal und Gebäude laufen trotzdem weiter, sodass die häufig familiengeführten Betriebe in Existenznot geraten. Wie zum Beispiel auch der Autenrieder Brauereigasthof im Landkreis Günzburg.

Wo normalerweise bis zu 200 Gäste Platz fänden, herrscht seit über einem Monat gähnende Leere. In diesem Jahr fehlen bereits über zwei Millionen Euro Umsatz, sagt Chef Rudolf Feuchtmayr. "Das ist für uns schon existenzgefährdend. Das, was wir in den letzten zehn Jahren an Gewinnen hatten, ist jetzt in einem Jahr weg." Und vor zehn Jahren erst hatte die Familie das historische Gebäude renoviert.

Gaststättenverband Dehoga kritisiert die Politik

Dass andere Mischbetriebe, wie etwa Bäckerei-Cafés, die Überbrückungsgelder beantragen können, sorgt für Unverständnis, nicht nur im Autenrieder Familienbetrieb. Auch der bayerische Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) kritisiert die Regelung, wie Landesgeschäftsführer Thomas Geppert erklärt: "Die Brauereigasthöfe sind ureigenes bayerisches Kulturgut. Das sind absolute Vorzeigebetriebe, da würde die Seele Bayerns sterben. Deshalb hoffen wir, dass die Politik zu ihrem Versprechen steht und keine Betriebe fallen lässt, sondern alle unterstützt und hier auch umgehend nachbessert."

Dringlichkeitsantrag an den Bayerischen Landtag

Und es scheint sich mittlerweile etwas zu tun: Weil der BR schon zuvor über die Existenznöte der Brauereigasthöfe berichtet hatte, ist das Thema laut des Forchheimer CSU-Landtagsabgeordneten Michael Hofmann in einen Dringlichkeitsantrag an den Bayerischen Landtag aufgenommen worden. Und Ministerpräsident Markus Söder habe vor der CSU-Landtagsfraktion angekündigt, sich persönlich darum zu kümmern.

Essen "to go" kann rote Zahlen nicht verhindern

Für das kommende Jahr hofft Familie Feuchtmayr stark auf die finanzielle Unterstützung der Politik. Sie hat sich derweil auf sehr stille Feiertage eingestellt. Denn weil der Brauereigasthof mitten auf dem Land liegt, rechnet die Familie Feuchtmayr nicht mit viel Kundschaft. Und trotz Brauhaus-Kost "to go" sorgt Weihnachten für rote Zahlen, zum ersten Mal in der Geschichte des Betriebs.

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