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Anselm Bilgri, ehemaliger Benediktinermönch, bei einem Interviewtermin
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Anselm Bilgri, ehemaliger Benediktinermönch, bei einem Interviewtermin

Kaum ein Thema steht mehr für die Reformbedürftigkeit der katholischen Kirche als die priesterliche Pflicht zur Ehelosigkeit. Der Ex-Mönch Anselm Bilgri hat nun ein Buch geschrieben - und fordert vehement die Abschaffung des Zölibats. "Die katholische Kirche lügt sich selbst in die Tasche, indem sie eine Forderung aufstellt, die schon immer schwierig einzuhalten war. Und heute, in unserer Zeit, in der Sexualität kein Tabu-Thema ist, ist es noch schwieriger", sagte er im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Bilgri: Zölibat ist Hauptgrund für Priestermangel

Der Zölibat ist für Bilgri einer der Hauptgründe für den Priestermangel. Er hofft, sein Buch könnte einen Impuls geben für die anstehenden Bischofssynoden. "Das ist aber natürlich utopisch", so Bilgri. Die knappe Reaktion des obersten Gremiums der katholischen Kirche in Deutschland bestätigt seine Befürchtung: "Zum Thema Zölibat gibt es keinen Diskussionsstand innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz", heißt es da.

Menschen verstehen Zölibat nicht mehr

"Der Zölibat soll ein Zeichen sein, das auf das Jenseits verweist, wo es keine Ehe mehr gibt. Aber dieses Zeichen wird heute auf keinen Fall mehr von den Menschen verstanden - ganz im Gegenteil, weil man viele Priester dazu zwingt, ihre sexuellen Empfindungen heimlich zu leben." Bilgris Buch "Bei aller Liebe. Warum die katholische Kirche den Zölibat freigeben muss" ist seit Dienstag auf dem Markt.

Zölibat erzeugt ständigen Gewissensdruck

Bilgri, der einst von Joseph Ratzinger zum Priester geweiht wurde, hatte vor fast 15 Jahren bundesweit Schlagzeilen gemacht, weil er das berühmte Kloster Andechs verließ und aus dem Benediktinerorden austrat. Ein Grund dafür, dass er kein Mönch mehr sein wollte, so sagt er heute, sei auch der Zölibat gewesen. "Es gibt eine Schätzung, die davon ausgeht, ein Drittel der Priester ist heterosexuell aktiv, ein Drittel homosexuell und ein Drittel versucht es redlich, sich daran zu halten", sagte er. "Dabei sind es gerade die Konservativen, die besonders streng mit sich sind, die irgendwann merken, dass es nicht klappt - und das macht dann oft noch verbitterter, weil man unter einem ständigen Gewissensdruck steht."