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Der frühere Personalchef des Fürther Klinikums hat vor Gericht eingeräumt, Geld in Höhe von 470.000 Euro veruntreut zu haben. Er habe ohne großen Widerstand erreichen können, dass die Rechnungen in Höhe von mehreren Tausend Euro bezahlt wurden.

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Ex-Klinik-Personalchef gesteht: knapp halbe Million veruntreut

Der frühere Personalchef des Fürther Klinikums hat eingeräumt, Geld in Höhe von 470.000 Euro veruntreut zu haben. Er gab zu, Dienstleistungen seiner Scheinfirma in Rechnung gestellt zu haben. Das Klinikum hatte das Geld ohne Probleme überwiesen.

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Von
  • Ulrike Lefherz

Der frühere Leiter der Personalabteilung am Klinikum Fürth hat zugegeben, fast eine halbe Million Euro veruntreut zu haben. Der 45-Jährige habe die Schwächen des Systems ausgenutzt, um sich für seinen hohen Arbeitsaufwand ungerechtfertigt zu entschädigen, erklärte sein Anwalt vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth.

Dienstleistungen der eigenen Scheinfirma berechnet

Der Personalchef soll dem Klinikum über seine eigene Firma Dienstleistungen berechnet haben, die nie erbracht worden waren. Als Geschäftsführerin seiner Unternehmergesellschaft habe er zum Schein seine 73-jährige Mutter eingesetzt, so die Ermittlungen. Die Rechnungen waren namentlich an eine erfundene Angestellte adressiert.

Klinikum Fürth überwies insgesamt 470.000 Euro

Im Zeitraum von anderthalb Jahren soll der Angeklagte insgesamt 60 Rechnungen über Personalvermittlungs-Dienstleistungen ausgestellt haben. In vier weiteren Fällen habe er Konzepte und Mitarbeiterschulungen in Höhe von mehr als 100.000 Euro abgerechnet, so der Vorwurf. Insgesamt überwies das Klinikum 470.000 Euro.

Bei der Jahresabschlussrechnung fielen den Prüfern im Frühjahr 2020 die Ungereimtheiten auf. Ermittlungen wurden eingeleitet. Nach einer Razzia im August 2020 wurde der Personalchef verhaftet.

Die Verantwortlichen hatten nach dem Vorfall angekündigt, die eigenen Strukturen unter die Lupe nehmen zu wollen und Organisations-Lücken zu prüfen. Das Klinikum wollte dazu am Mittwoch auf BR-Anfrage keine Stellungnahme abgeben.

Laxer Umgang mit Controlling-Regeln

Das Controlling am Klinikum Fürth habe nicht unterschieden zwischen einer Person, die eine Rechnung anweist, und einer zweiten Person, die die Richtigkeit prüft, erklärte der Anwalt vor Gericht. Dies sehen die Regeln des Klinikums nach Angaben der Ermittler eigentlich vor. In der Praxis sei das allerdings so nicht gehandhabt worden, so die Staatsanwaltschaft. Als Personalchef habe der 45-Jährige Rechnungen stellen und selbst freizeichnen können. Der Angeklagte habe die Schwächen des Systems ausgenutzt, erklärte der Anwalt am Mittwoch.

Auszahlung ohne Probleme und Widerstand

Der Mann war erst wenige Monate im Amt gewesen, als er die erste Scheinrechnung ausgestellt haben soll. Er habe Geldbedarf gehabt für ein zuvor von ihm in Erlangen gegründetes Café. Ohne großen Widerstand und Probleme sei die Rechnung bezahlt worden, so der Anwalt. Daraufhin habe der 45-Jährige Scheinrechnungen sogar an seinem Arbeits-Computer erstellt. Aus seiner Sicht habe er sich allerdings nicht am Eigentum des Fürther Klinikums bereichert, sondern an dem der Versicherungen.

Fürther Personalchef wollte mehr verdienen

Der 45-Jährige räumte ein, dass er sich mehr Lohn habe zubilligen wollen, als sein Arbeitsvertrag hergegeben habe. Er habe eine überdurchschnittlich hohe Arbeitsleistung erbracht, so der Anwalt. Der Angeklagte habe sich für ein "Leben ohne Freizeit" auf illegale und heute zutiefst bedauerte Weise entschädigen wollen. Von dem Geld soll er sich unter anderem zwei teure Autos gekauft haben.

Der Prozess am Landgericht Nürnberg-Fürth ist bis Anfang August terminiert.

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