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Europaprojekt Brennerbasistunnel: Tirol baut, Bayern blockt | BR24

© picture-alliance/EXPA

Auf österreichischer Seite ist der Bau des Brennerbasistunnel schon weit fortgeschritten

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    Europaprojekt Brennerbasistunnel: Tirol baut, Bayern blockt

    Während in Tirol die Röhren für den Brennerbasistunnel schon weit fortgeschritten sind, wird in Bayern noch gegen den Nordzulauf demonstriert. Was läuft in Österreich anders?

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    Drei Uhr nachmittags ist es und stockdunkel und gleichzeitig ziemlich warm, dabei ist es noch Winter. Unterwegs in einem Kleintransporter auf der Fahrt von Innsbruck Richtung Italien. Allerdings fährt der Transporter nicht über den Brenner, sondern in einer acht Meter breiten Röhre tief unten im Felsmassiv, quasi durch den Brenner.

    In einer acht Meter breiten Röhre durch den Brenner

    Die Röhre führt immer weiter nach unten, 400 Meter, 600 Meter - etwa 20 Kilometer vor dem Brenner wird angehalten und ausgestiegen. Hier befindet sich eine gigantische Baustelle. Allein die zerlegten Teile der Tunnelbohrmaschine, die sich monatelang durch Quarz und Schiefer fräste, mussten auf 76 Schwerlasttransportern angeliefert werden. Bis der Corona-Lockdown kam und für eine Verzögerung sorgte, lief auf österreichischer Seite das Bauvorhaben ganz nach Plan. 2.000 Menschen haben in Spitzenzeiten im Dreischichtbetrieb hier gearbeitet, rund um die Uhr.

    Die Tiroler sind stolz auf das Jahrhundertprojekt

    Andreas Ambrosi, Pressereferent des Brennerbasistunnels, für den ein österreichisch-italienisches Konsortium verantwortlich ist, stammt ganz aus der Nähe, aus dem Ötztal. Er ist sichtlich stolz auf das, was bislang geleistet wurde: "Für uns Mitarbeiter ist das eine ganz tolle Sache, bei diesem Jahrhundertprojekt dabei zu sein. Für uns ist das ein Glücksfall." Auch die am Projekt beteiligten Arbeiter sind emotional engagiert. Sie sehen es als Gewinn für ihre Region, dass sie mithelfen, ein europäisches Problem zu lösen. 2028 sollte der Basisbrennertunnel in Betrieb gehen, der dann längste Eisenbahntunnel der Welt. Dann können auf der Schiene Güter von Nord- nach Südeuropa und umgekehrt deutlich schneller und umweltschonender als heute transportiert werden. Weil der Tunnel flacher ist als die bisherigen Schienentrassen über die Berge, schaffen die Züge dieselbe Strecke dann in 25 statt 80 Minuten. Möglicherweise verzögert sich die Inbetriebnahme aber durch den zwischenzeitlichen Corona-Lockdown.

    Die Ökobilanz wird sich dramatisch verbessern

    Bislang werden die meisten Güter noch in LKW über den Brenner gefahren. Die Ökobilanz wird sich mit dem Tunnel und der Verlagerung auf die Schiene dramatisch verbessern, betont Arnold Fink, der Projektleiter des Konsortiums auf österreichischer Seite. Bei einem Zug fällt sie 21 Mal besser als bei einem LKW. Auch der Tiroler Spediteur Georg Dettendorfer, der von seiner Logistikzentrale im Inntal aus täglich 500 LKW quer durch Europa schickt, steht voll hinter dem Brennerbasistunnel. Er freut sich darauf, wenn Staus, Lärm und Umweltweltbelastungen reduziert werden: "Man holt 1 Million LKW von der Straße runter und geht auf die Schiene."

    In Tirol sind 60 Prozent Zulaufstrecken fertig

    Auf österreichischer Seite sind über 60 Prozent der Zulaufstrecken zum Tunnel fertig. Ganz anders sieht es auf bayerischer Seite aus. Umweltschützer und Anwohner legen sich quer gegen die Pläne, von zwei auf vier Gleise aufzustocken. Sie fürchten die Zerstörung ihrer Heimat. 30.000 Unterschriften gegen den Nordzulauf wurden gesammelt. Andererseits hat eine Forsa-Umfrage im vergangenen Jahr ergeben, dass 59 Prozent der Befragten in der Region für eine Neubaustrecke der Bahn sind. Auch die Gegner fordern eine "intelligente Verkehrspolitik". Aber wie könnte die aussehen?

    Was die Tiroler den Bayern raten

    Fritz Gurgiser hat sich intensiv damit beschäftigt, auch weil ihm seine Heimat am Herzen liegt. Der 67-Jährige aus Vomp im Tiroler Inntal, ist seit 25 Jahren Vorsitzender der Transitforums Austria Tirol und hat in seiner Heimat Autobahnblockaden organisiert und Lärmschutzwände erstritten. Gurgiser ist auch mit den bayerischen Bürgerinitiativen vernetzt. Er meint: "Sie konzentrieren sich zu stark darauf, diese Zulaufstrecken abzulehnen. Wir haben es umgekehrt gemacht, wir haben die Gesundheit in den Mittelpunkt gestellt." Er hofft auf einem Umdenken auf bayerischer Seite.

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