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Europäischer Karlspreis für Charlotte Knobloch | BR24

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Die Sudetendeutsche Landsmannschaft hat Charlotte Knobloch mit dem Karlspreis ausgezeichnet. Die frühere Vorsitzende des Zentralrats der Juden werde für ihr Engagement gegen Nationalismus und Populismus geehrt, so die Würdigung.

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Europäischer Karlspreis für Charlotte Knobloch

Für ihre Verdienste um Europa hat die Sudetendeutsche Landsmannschaft Charlotte Knobloch mit dem Europäischen Karlspreis ausgezeichnet. In seiner Laudatio lobte der Vorsitzende Posselt ihren Einsatz gegen Nationalismus und Populismus.

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Die Sudetendeutsche Landsmannschaft hat in diesem Jahr Charlotte Knobloch mit ihrem Europäischen Karlspreis ausgezeichnet. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern warnt in ihrer Rede in Regensburg vor wachsendem Nationalismus.

Knobloch zeigt sich gerührt

Charlotte Knobloch lässt sich üblicherweise nicht leicht aus der Fassung bringen. Doch als sich alle Anwesenden der Feierstunde im Alten Rathaus in Regensburg erheben, um sie zu ehren und den Respekt vor ihrer Lebensleistung zu zeigen, reagiert die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern ergriffen und gerührt.

"Diese Auszeichnung, der Europäische Karlspreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft, bedeutet sehr viel für mich, da ich mich so mit den Zielen des Preises identifiziere." Charlotte Knobloch, Karlspreisträgerin

Sie spielt darauf an, dass der Europäische Karlspreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft an Personen verliehen wird, die sich um eine gerechte Völkerordnung in Europa verdient gemacht haben.

Knobloch warnt in ihrer Rede vor Nationalismus

In ihrer Rede spricht Knobloch von der Verantwortung, die aus der Vergangenheit erwächst. Die Politik müsse es schaffen, die Freiheit und die Verständigung der Völker zu verteidigen. Indirekt wiederholt Knobloch auch ihre Kritik an der AfD.

"Es ist unsere Verantwortung, dass unsere Parlamente nicht in die Hände derjenigen fallen, die die Fehler der Vergangenheit wiederholen." Charlotte Knobloch

Im Januar 2019 war Charlotte Knobloch Ehrengast bei der Gedenkstunde des Bayerischen Landtags für die Opfer des Holocaust. Mit klaren Worten kritisierte sie die AfD:

„Diese sogenannte Alternative für Deutschland gründet ihre Politik auf Hass und Ausgrenzung und steht nicht nur für mich nicht auf dem Boden unserer demokratischen Verfassung.“

Fast die gesamte AfD-Fraktion verließ daraufhin den Plenarsaal. Ein unglaublicher Affront. Unter dem Beifall der anderen Abgeordneten sprach Charlotte Knobloch weiter.

Laudator: Knobloch "Glühende Europäerin"

Der Laudator und die Festredner hoben hervor, welch große Persönlichkeit die diesjährige Karlspreisträgerin sei.

Knobloch habe nie aufgegeben, für eine bessere Welt und eine offene Zivilgesellschaft zu kämpfen, sagte Bernd Fabritius, der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten.

Gertrud Maltz-Schwarzfischer, Bürgermeisterin der Stadt Regensburg, sagte, sie freue sich außerordentlich, dass Charlotte Knobloch Preisträgerin ist.

"Sie verköpern für mich in einzigartiger Weise Versöhnung." Gertrud Maltz-Schwarzfischer

Der Karlspreis der Sudetendeutschen sei ein Preis der Verständigung. Knobloch habe sich um die Verständigung der Völker Mitteleuropas verdient gemacht, sagte Sylvia Stierstorfer, Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene.

Charlotte Knobloch sei eine glühende Europäerin. Sie lehne sich mit Tatkraft gegen Nationalisten auf, sagte der Sprecher der Sudetendeutsche Volksgruppe, Bernd Posselt.

Ein bewegtes Leben

Charlotte Knobloch wird 1932 in München geboren, ist gerade einmal sechs Jahre alt, als im November 1938 im Deutschen Reich die Synagogen brennen. Knobloch überlebt die Nazizeit auf einem Bauernhof in Franken und kehrt 1945 in ihre Heimatstadt zurück.

Sie engagiert sich in der Israelitischen Kultusgemeinde, seit 1985 als Präsidentin. 2006 wird sie dann zur Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland gewählt – 2010 verzichtet sie auf eine erneute Kandidatur. Charlotte Knobloch zählt zu den bedeutendsten jüdischen Persönlichkeiten in Deutschland – sie gilt als streitbare Demokratin, die unermüdlich vor Antisemitismus und Rechtsextremismus warnt.

Festredner aus Tschechien

Für einen weiteren besonderen Moment der Veranstaltung sorgte der ehemalige Kulturminister der Tschechischen Republik, Daniel Herman.

Er sprach Worte des Bedauerns für die Geschehnisse der Vergangenheit - die Beziehung zwischen Deutschen und Tschechen sei durch die Nationalsozialisten ruiniert worden. Es habe aber auch Verbrechen von Seiten der Tschechen gegeben. Mittlerweile sei es gelungen, echte Freundschaft über die "Schlucht des 20. Jahrhunderts" aufzubauen.

"Wir dürfen unsere Chancen nicht vergeben, wir müssen nun weiter gemeinsam am europäischen Haus bauen." Daniel Herman, ehemaliger Kulturminister der Tschechischen Republik

Schon 2016, als Herman als erstes tschechisches Regierungsmitglied zu einem Sudetendeutschen Tag gekommen war, sprachen Beobachter von einer historischen Rede. Nach Auffassung Bernd Posselts verdient auch Daniel Hermans Rede von heute das Gütesiegel "historisch".

Innenminister Seehofer kommt am Samstag

Am Abend werden noch die Sudetendeutschen Kulturpreise und der Volkstumspreis verliehen. Am Samstagmorgen findet die Festveranstaltung in der Donau-Arena in Regensburg statt. Zum ersten Mal seit vielen Jahren kommt auch wieder ein Bundesinnenminister zum Treffen der Sudetendeutschen.

Dies sei ein Signal der Verbundenheit mit den Sudetendeutschen, sagte Posselt. Horst Seehofer habe sich um das bayerisch-tschechische und das deutsch-tschechische Verhältnis verdient gemacht.

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Für ihre Verdienste um Europa hat die Sudetendeutsche Landsmannschaft Charlotte Knobloch mit dem Europäischen Karlspreis ausgezeichnet.

💡 Geschichte der Sudetendeutschen

Traditionell zu Pfingsten treffen sich die Sudetendeutschen, in diesem Jahr zum 70. Mal. Als "Sudetendeutsche" wird anfangs des 20. Jahrhunderts die deutschsprachige Bevölkerung in Böhmen und Mähren bezeichnet. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs werden 3 Millionen Sudetendeutsche vertrieben . Sie müssen ihre alte Heimat verlassen. Die Sudetendeutschen gelten als Bayerns 4. Stamm. Der Bayerische Ministerpräsident ist gleichzeitig Schirmherr der Sudetendeutschen. Jahrzehntelang ist das Verhältnis zur Tschechoslowakei und der Tschechischen Republik eher schwierig – seit mehreren Jahren gibt es jedoch deutliche Signale der Annäherung und Verständigung.