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Europa in Bayern: Der Blasturm in Schwandorf | BR24

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"Europa" klingt für viele abstrakt. Dabei ist Europa auch bei uns in Ostbayern zu finden: Zum Beispiel im oberpfälzischen Schwandorf. Dort wurde der historische Wehrturm und das dazugehörige Haus des Wächter mit EU-Geldern saniert.

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Europa in Bayern: Der Blasturm in Schwandorf

"Europa" klingt für viele abstrakt. Dabei ist Europa auch bei uns in Ostbayern zu finden: Zum Beispiel im oberpfälzischen Schwandorf. Dort wurde der historische Wehrturm und das dazugehörige Haus des Wächter mit EU-Geldern saniert.

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Am Sonntag ist Europawahl. Können sich viele dafür begeistern? Denn für einige ist Europa noch ein abstraktes Konstrukt. Dabei ist Europa auch bei uns in Ostbayern zu finden: Zum Beispiel in Schwandorf. Dort wurde der historische Wehrturm - oder Blasturm - und das dazugehörige Haus des Wächters mit Geld aus Europa saniert.

Bayernhymne-Komponist erblickt im Blasturm das Licht der Welt

Lange Zeit stand der Blasturm leer. Doch der Oberpfälzer Waldverein - ein Heimatverein - konnte nicht mit ansehen, wie das historische Gebäude immer weiter zerfällt. Schließlich ist dort ein Komponist geboren, dessen Melodie direkt mit Bayern verbunden ist: Konrad Max Kunz hat 1812 die Bayernhymne komponiert.

Geboren ist der wohl berühmteste Schwandorfer im Blasturm, also im Wehrturm von Schwandorf. Blickt man von der Naabbrücke auf den Weinberg, sieht man den gelben Turm mit den wenigen Fenstern und der Holztreppe die nach oben führt. Daneben das kleine, weiße Türmerhaus. Das haben die Eltern von Max Kunz nach seiner Geburt gebaut. Er und seine Geschwister sind darin aufgewachsen. Bis vor wenigen Jahren drohte dieses Türmerhaus zu verfallen. Es war heruntergekommen. Voller Müll. Irgendwann konnte der Oberpfälzer Waldverein es nicht mehr mit ansehen, wie das Elternhaus eines so berühmten Komponisten verfällt und richtete das Haus her, erzählt Erwin Mayer, der Vorsitzende des Vereins.

"Warum wir das machen? Ich kann es Ihnen nicht sagen. Vielleicht weils Spaß macht - aber manchmal ist es auch echt mühsam." Erwin Mayer, Vereinsvorsitzender

So wie heute. Drei Vereinsmitglieder schaufeln fleißig einen Graben um das Haus. Das Kabel fürs Telefon muss verlegt werden. Einer der letzten Arbeitsschritte. Bald ist die Sanierung des Türmerhauses fertig. Hier, direkt am Jakobsweg, bieten künftig die Vereinsmitglieder eine kleine Brotzeit für Wanderer und Pilger an. Der Umbau kostet insgesamt über 300.000 Euro - ein Drittel davon gab es von der EU.

"Das ist ein großer Batzen. 104.000 Euro. Ohne das wäre das nicht möglich gewesen." Erwin Mayer, Vereinsvorsitzender

Das Türmerhaus hat durch die EU-Förderung unter anderem ein neues Dach bekommen. Im ersten Stock ist ein Büro eingerichtet und ein Jugendgruppenraum. Im Turm ist ein Konrad-Max-Kunz-Museum eingerichtet - inzwischen hängt hier auch wieder die Originalglocke von damals, mit der der Türmer - damals Max Kunz' Vater - bei einem Brand Alarm läuten musste.

EU-Gelder realisieren Projekt

Projekte wie dieses fördern die Kultur, den Tourismus und steigern den Freizeitwert in Schwandorf. SPD-Europaabgeordneter Ismail Ertug will deshalb an solchen EU-Förderungen festhalten.

"Wenn ich 104.000 Euro von der Europäischen Union bekomme, dann ist natürlich die Wahrscheinlichkeit, dass es saniert werden kann, deutlich höher. Wenn es gar nichts gäbe, dann würde es ungemein schwieriger werden. Insofern ist es richtig, dass wir sowas machen." Ismail Ertug, Europaabgeordneter

Und auch Bürgermeister Andreas Feller freut sich über das Engagement des Vereins und der EU.

Ohne die EU-Förderung hätte es das Projekt nie gegeben. Trotzdem ist der Oberpfälzer Waldverein nach wie vor auf Spenden angewiesen. Im Juni ist nach vierjähriger Sanierung die Eröffnung der Pilgerstätte. Würde Komponist Max Kunz die noch miterleben – vielleicht hätte der dafür auch eine Hymne komponiert.

© Anne-Lena Schug/BR

Konrad Max Kunz: Komponist der Bayernhymne