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EU-Vorgaben für saubere Busse könnten ÖPNV verteuern | BR24

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Bis 2026 sollen 65 Prozent aller neu angeschafften Nahverkehrs-Busse umweltfreundlich sein. So sieht es eine neue Richtlinie der EU vor.

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EU-Vorgaben für saubere Busse könnten ÖPNV verteuern

Kaum hat das Europaparlament eine neue Richtlinie beschlossen, die den ÖPNV-Busverkehr in der EU sauberer machen soll, schon meldet sich der Städtetag zu Wort: Der öffentliche Nahverkehr könnte dadurch teurer oder ausgedünnt werden, warnt er.

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Der Deutsche Städtetag warnt vor steigenden Preisen im Nahverkehr wegen neuer EU-Vorgaben zur Anschaffung sauberer Busse. "Es ist zu befürchten, dass das ÖPNV-Angebot durch die Richtlinie langfristig teurer wird oder sogar reduziert werden muss", sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy der Deutschen Presse-Agentur.

45 Prozent E-Busse bis 2025

Es geht um eine EU-Richtlinie, die das Europaparlament am Donnerstag beschlossen hat. Kommunen sollen mehr Busse mit geringen Emissionen kaufen, um saubere Luft in Städten und den Klimaschutz voranzubringen. In Deutschland müssen demnach bis 2025 mindestens 45 Prozent der neu angeschafften Busse "sauber und energieeffizient" sein, ab 2026 sogar 65 Prozent. Gemeint sind zum Beispiel Elektro- oder Wasserstoffbusse.

Städtetag: Steigende Preise wären falsches Signal

Die Städte seien für den Umstieg auf umweltfreundlichere Fahrzeuge, sagte Dedy. Doch gebe es derzeit nur wenige marktreife Modelle für emissionsfreie Busse, die noch dazu teurer seien. Würden die Ticketpreise in die Höhe getrieben, wäre dies das falsche Signal, meinte der Verbandsvertreter: "Denn für eine Verkehrswende muss gerade jetzt und in den kommenden Jahren der ÖPNV ausgebaut und noch attraktiver werden, um den Umstieg von Menschen auf Busse und Bahnen zu erleichtern."

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Prof. Dr.-Ing. Ralph Pütz von der Hochschule Landshut warnt im BR-Interview, dass eine Umstellung des öffentlichen Nahverkehrs auf E-Busse teuer wird.

München will E-Busse mit 280 Kilometern Reichweite

In München hatte die MVG bereits im letzten Herbst bekannt gegeben, dass bis zu 40 weitere E-Fahrzeuge die eigene Flotte ergänzen sollen. Die ersten E-Busse sind bereits im Einsatz. Finanzieren muss die MVG die Anschaffung der E-Busse nicht allein, sondern auch die Landeshauptstadt München, der Freistaat und der Bund helfen mit. Angestrebt wird laut MVG eine Reichweite der Elektrobusse von rund 280 Kilometern bei vollem Energiespeicher. Die Ladung erfolgt über Nacht im Betriebshof.

Batterien noch nicht leistungsstark genug

Bisher ist vor allem die Reichweite ein Problem bei Bussen, das räumt der Münchner MVG-Chef Ingo Wortmann ein: "Schwerpunktmäßig geht es darum, die Reichweite der Busse weiter zu erhöhen und auch größere Fahrzeuge wie Gelenkbusse und Buszüge zu elektrifizieren, die in München hauptsächlich benötigt werden." Hindernis dafür sind momentan vor allem die Batterien, die noch nicht leistungsfähig genug sind. Gleichzeitig müssten die E-Busse auch leichter gebaut werden und brauchten effiziente Heiz- und Kühlsysteme, so Wortmann weiter.

Die Vision der MVG ist, den Busverkehr in München in Zukunft zu 100 Prozent elektrisch und emissionsfrei mit Ökostrom zu betreiben.

"Die Elektrobusse müssen am Ende genauso zuverlässig und genauso wirtschaftlich einzusetzen sein wie unsere modernen Dieselbusse. Nur so werden wir es schaffen, noch mehr ÖPNV für noch mehr Fahrgäste anzubieten, einen möglichst hohen Marktanteil zu erzielen und damit auch Autofahrer zum Umsteigen zu motivieren." MVG-Buschef Ralf Willrett

Söder stellt 365-Euro-Jahresticket in Aussicht

Ob es in Bayern wirklich zu höheren MVG-Preisen kommen kann, ist fraglich, denn erklärtes Ziel der Staatsregierung ist es, den ÖPNV stärker zu fördern. So hat Ministerpräsident Söder im letzten Jahr die Einführung eines 365 Euro-Jahrestickets in Aussicht gestellt. In München tritt die MVV-Reform mit dem Fahrplanwechsel in Kraft und in Bayern werden derzeit neue Verkehrsverbünde gegründet und bestehende stärker bezuschusst, wenn es um den Kauf neuer Fahrzeuge geht.

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Das EU-Parlament hat beschlossen: Kommunen sollen umweltfreundliche Busse anschaffen. Der Städtetag warnt, dass die Preise im Nahverkehr dadurch deutlich steigen könnten.