BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR24
Bildrechte: BR24

Münchener Wirtschaftsethik-Professor Christoph Lütge in der Sendung Kontrovers am 20.01.2021

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Ethikrat: Staatsregierung entlässt Lockdown-Kritiker Lütge

Das Kabinett unter Ministerpräsident Söder hat den Münchener Wirtschaftsethik-Professor Lütge aus dem Bayerischen Ethikrat entlassen. Seine Äußerungen seien nicht mit der "Arbeit im Ethikrat in Einklang". Lütge äußerte sich "überrascht".

Per Mail sharen
Von
  • Arne Wilsdorff
  • Tilmann Kleinjung

Das Kabinett unter Ministerpräsident Markus Söder hat den Münchner Wirtschaftsethik-Professor Christoph Lütge aus dem einst 18-köpfigen Bayerischen Ethikrat entlassen. Der einstimmige Beschluss ist bereits vergangene Woche, am 2. Februar, gefallen. Das hat ein Sprecher der Staatskanzlei dem BR bestätigt.

Als Grund nennt die Staatskanzlei "wiederholte öffentliche Äußerungen von Herrn Professor Lütge, die mit der verantwortungsvollen Arbeit im Ethikrat nicht in Einklang zu bringen sind und auf Dauer dem Ansehen des Gremiums Schaden zufügen könnten."

Kritik am Lockdown: "So ist es nun mal. Menschen sterben"

Der Wirtschaftsethik-Professor Lütge hatte öffentlich immer wieder die strengen Corona-Lockdown-Regeln kritisiert und vor "vielen Kollateralschäden" gewarnt. So gerate etwa die Behandlung anderer gefährlicher Krankheiten völlig aus dem Fokus, auch gingen Menschen nicht zu den Voruntersuchungen.

Im BR-Interview mit Kontrovers sagte er etwa am 20. Januar, dass das Durchschnittsalter der Corona-Toten bei etwa 84 Jahren liege. "Da stirbt man an Corona oder an etwas anderem, so ist es nun mal. Menschen sterben." Außerdem glaubt Lütge, dass die #ZeroCovid-Kampagne "völlig illusorisch" sei. Die "geforderten und erwarteten Inzidenzen" seien im Winter nicht zu erreichen.

Staatskanzleichef Herrmann nennt Lütges Äußerungen "verstörend"

In der Süddeutschen Zeitung nannte dann Staatskanzleichef Florian Herrmannn (CSU) Lütges Äußerungen Ende Januar "verstörend". Mit seinen "fragwürdigen Beiträgen" überschreite er "die Grenze eines durchaus kontroversen und fachlich fundierten Diskurses." Und: "Seine Einzelmeinung provoziert häufig den Beifall von ausgewiesenen Corona-Leugnern und schadet somit dem Ansehen des Bayerischen Ethikrates", so Herrmann.

Lütge: Seine Entlassung "spreche für sich"

Auf Nachfrage des Bayerischen Rundfunks bestätigte Lütge seinen Rauswurf, will diesen aber "nicht kommentieren", er spreche "für sich". Die Entlassung habe ihn jedoch schon "überrascht", denn eigentlich sollte der Ethikrat ja "kritisch und ergebnisoffen" arbeiten. Und das nicht nur "verschwiegen", sondern auch und gerade "öffentlich". Lütge wiederholte im BR seine Aussagen, "dass man das Durchschnittsalter der Corona-Toten nicht ignorieren kann", und die "Lockdown-Maßnahmen" seien "völlig unverhältnismäßig".

Ethikrat-Vorsitzende Breit-Keßler begrüßt Ausschluss Lütges

Die Vorsitzende des Bayerischen Ethikrates, die frühere Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler begrüßt im BR die Entlassung Lütges aus ihrem Gremium. Sie habe "die Entscheidung der Staatsregierung ohne jeden Widerspruch zur Kenntnis genommen, weil sich Prof. Lütge mehrfach öffentlich geäußert hat und das immer in seiner Funktion als Mitglied des Ethikrates".

Breit-Keßler bewertet Lütges Meinung als "schwierig, wenn sich der Ethikrat mit diesen Themen überhaupt noch nicht befasst, geschweige denn eine Stellungnahme verfasst hat." Zudem habe Lütge mit seinen öffentlichen Äußerungen "natürlich den Eindruck erweckt, als hätte der Ethikrat alles autorisiert", was wiederum zu "Rückfragen beim Ethikrat" geführt habe.

Breit-Keßler: Lütge wollte Vorgehen nicht ändern

Auf ihre Bitte hin habe Lütge sein Vorgehen auch nicht ändern wollen, so Breit-Keßler zum BR. Die Abberufung Lütges habe nichts damit zu tun, dass man kritische Meinungen ausschließen wolle. In die Stellungnahmen des Rates fänden auch Minderheiten-Voten Eingang.

Der Ökonom und Philosoph Christoph Lütge (51) ist Lehrstuhlinhaber des Peter-Löscher-Stiftungslehrstuhls für Wirtschaftsethik an der TU München. Dort leitet er auch das TU Ethik-Institut für Künstliche Intelligenz, das vom Facebook-Konzern finanziell unterstützt wird.

Sehen Sie hier das BR-Interview mit Wirtschaftsethik-Professor Christoph Lütge vom 20. Januar:

© BR
Bildrechte: BR

Die ZeroCovid-Kampagne sei "völlig illusorisch". Im Kontrovers-Interview warnt Prof Christoph Lütge, Mitglied im Bayerischen Ethikrat, vor den möglichen Kollateralschäden eines harten Lockdowns und fordert eine andere Teststrategie.

"Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!