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Bildrechte: BR/Thomas Gebhardt

Was den Täter von Würzburg zu seiner Messerattacke getrieben hat, ist noch immer unklar. Drei Frauen hatte der Mann am Freitag Nachmittag erstochen und sieben weitere Menschen schwer verletzt. Im Kiliansdom fand eine Gedenkfeier für die Opfer statt.

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"Es tut so weh": Würzburg gedenkt der Opfer der Messerattacke

"Eine Stadt steht unter Schock" - so fasste es Bischof Franz Jung bei der Gedenkfeier für die Opfer der Messerattacke von Freitag zusammen. Auch andere Religionsvertreter, Politiker und Einsatzkräfte fanden bewegende Worte.

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Von
  • Eva Behringer

Am Würzburger Barbarossaplatz haben sich am Freitag furchtbare Szenen abgespielt. Drei Menschen wurden bei einer Messerattacke getötet und sieben verletzt. Nur 600 Meter entfernt haben am Sonntagnachmittag Politiker, Religionsvertreter und Angehörige im Würzburger Kiliansdom der Opfer gedacht.

Kranzniederlegung am Tatort

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU) legten zunächst einen Kranz am Tatort nieder. "Es bleibt dieses unfassbare, dieses völlige Unverständnis, warum jemand so was macht", sagte Söder bei der Kranzniederlegung. "Das sind die Momente im Leben, wo Rechtsstaat, Gesellschaft, Religion an ihre absoluten Grenzen stoßen."

Gedenkgottesdienst im Kiliansdom

Zum anschließenden Gedenkgottesdienst im Würzburger Kiliansdom waren neben Söder unter anderem auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, Landtagspräsidentin Ilse Aigner (beide CSU) sowie Vertreter der Polizei, der Einsatzkräfte, der Notfallseelsorge und der somalischen Gemeinde geladen. Würzburgs Bischof Franz Jung und die evangelisch-lutherische Regionalbischöfin Gisela Bornowski leiteten die ökumenische Feier. Bischof Jung sagte, dass die Tat alle verunsichere, weil es auch alle hätte treffen können.

"Mit einem Schlag wurde uns wieder ins Bewusstsein gerufen, wie brüchig unsere scheinbare Normalität ist. Statt in ein ruhiges Wochenende überzuleiten, riss der letzte Freitagabend uns aus unserer Ruhe heraus, bescherte uns Stunden quälender Ungewissheit und hinterließ uns in Schockstarre und Angst." Würzburgs Bischof Franz Jung

Gewalt dürfe nicht mit Gewalt beantwortet werden. Verzweiflung dürfe nicht in Hass münden, so Jung weiter. Auch Regionalbischöfin Gisela Bornowski rief zum Zusammenhalt auf, über alle ethnischen, politischen und religiösen Unterschiede hinweg. In Fürbitten gedachten Rettungskräfte, die am Freitag selbst im Einsatz gewesen waren, der Toten, der Verletzten, ihrer Angehörigen und auch der Menschen, die so stark an Körper oder Seele erkrankt seien, dass sie in ihrer Verzweiflung "nicht mehr wissen, was sie tun sollen".

Söder: "Es tut so weh"

Ministerpräsident Söder eröffnete seine Rede mit den Worten: "Es tut so weh." Ganz Deutschland sei geschockt von dem "sinnlosen, brutalen und auch verstörenden Verbrechen", das „in einer der sichersten Städte, in einem der sichersten Länder der Welt" passiert sei. Die Hintergründe müssten nun genau aufgeklärt werden, nichts solle dabei "unter den Teppich gekehrt werden“. Mit Blick auf Kommentare im Internet sagte Söder aber auch, mit Spekulationen und Vorverurteilungen „lindert man keinen Schmerz, sondern fügt nur neuen zu“. Er betonte, dass nicht nur der Täter einen Migrationshintergrund habe, sondern auch einige derer, die mutig "mit Regenschirmen, Stühlen, ganz spontan" geholfen hätten. Das sei ein Lichtstrahl. Gut oder Böse sei keine Frage von Nationalität oder Ethnie.

"Alle, ob sie hier geboren sind oder zu uns gezogen sind, jeder der bei uns lebt, ist nicht nur willkommen, sondern auch geschützt und beschützt von uns allen." Ministerpräsident Markus Söder

Oberbürgermeister Christian Schuchardt wandte sich in seiner Rede zuerst an die Angehörigen der Opfer: "Wir sind für Sie da. Egal, was Sie brauchen". Er sagte weiter, dass die Trauer um die verlorenen Menschen niemals enden werde: "Denn sie wird Teil unserer aller Leben. Sie verändert jeden von uns und damit unsere Stadt und unser Land." Auch er rief zum Zusammenhalt in der Stadt auf und warnte davor, dass die Tat eines Täters mit Migrationshintergrund nun reflexartig politisch instrumentalisiert werden könnte. Stattdessen müsse der Stadtfrieden erhalten werden.

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Bei einer Trauerfeier im Würzburger Kiliansdom haben viele Menschen den Opfern des tödlichen Messerangriffs von Freitag gedacht. Einschätzungen von BR-Reporter Sascha Hack in Würzburg.

Bastürk: "einfach nur traurig"

Ahmut Bastürk, der Vertreter der muslimischen Gemeinden in Würzburg zeigte sich ebenfalls geschockt von dem Vorfall. Auch Familienmitglieder von ihm seien noch kurz vor der Tat am späteren Tatort unterwegs gewesen.

"Als Würzburger bin ich fassungslos. Als Familienvater wird mir übel. Als Muslim werde ich wütend. Als Mensch bin ich einfach nur traurig." Ahmut Bastürk, Vertreter der muslimischen Gemeinden

Die Tat übersteige sein Vorstellungsvermögen und seine Empathie. Im Koran in Sure 5, Vers 32 heiße es: "Wenn jemand einen Menschen tötet, so ist es, als ob er alle Menschen getötet hätte. Wenn jemand ein Leben rettet, so ist es, als ob er alle Menschen gerettet hätte". Auch Ahmut Bastürk erinnerte daran, dass unter den mutigen Menschen, die geholfen hatten, "Mitmenschen aller Herkunft mit und ohne Einwanderungsgeschichte" gewesen seien.

Schuster: dunkle Wolken über der Stadt

Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden, sagte: "Seit Freitag ist in dieser Stadt, meiner Heimatstadt, nichts mehr wie es war. Dunkle Wolken sind mitten im Sommer über die Stadt gezogen. Dunkle Wolken verdunkeln den Himmel." Es sei unüblich, dass er als jüdischer Vertreter in einem katholischen Gotteshaus spreche, es sei ihm aber sehr wichtig. "Gerade jetzt halte ich es für wichtig, jedem Versuch zu widerstehen, unsere Gesellschaft zu spalten." Er habe Hoffnung, dass die Stadtgesellschaft durch die Tat fester vereint werde.

Bis zum Abend haben bewegte Würzburger teils mit Tränen in den Augen Blumen am Tatort niedergelegt. Unzählige Kerzen brennen. "Danke für eure Zivilcourage", hat jemand auf einen Zettel geschrieben. Sichtlich betroffen laufen Passanten über den Barbarossaplatz - den Schauplatz der brutalen Messerattacke durch einen jungen Mann. Die schreckliche Tat wird noch lange Thema in der Stadt bleiben.

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