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Oktoberfest – Eine Chronik der Absagen seit 1810 | BR24

© dpa / Markus C. Hurek

Die Bavaria, 1850 aufgestellt, hat schon Jahre ohne Oktoberfest gesehen.

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    Oktoberfest – Eine Chronik der Absagen seit 1810

    Die Entscheidung fiel schwer, doch jetzt ist es amtlich: 2020 wird ein Jahr ohne Oktoberfest. Es ist nicht die erste Absage der Wiesn – und auch nicht die erste wegen einer Epidemie.

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    Am 21. April um fünf Minuten nach 9 Uhr hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die längst erwarteten Worte gesprochen: "Wir haben uns entschieden, dass das Oktoberfest nicht stattfinden wird." Söder und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter hatten die Entscheidung nach umfangreicher Abwägung gemeinsam getroffen. Es tue weh - "aber es ist kein normales Jahr". Mit Corona zu leben, bedeute, vorsichtig zu leben.

    Kriege verhinderten mehrmals die Wiesn

    Eine traurige Nachricht für Wiesnfans - historisch gesehen aber nichts Neues. Zwar fand das Oktoberfest mit seiner Tradition, die bis auf das Jahr 1810 zurückgeht, seit 1948 ohne Unterbrechung statt. Zuvor jedoch gab es einige Ausfälle wegen Krieg oder Krankheiten:

    1813 drohten die Napoleonischen Kriege, in die auch das junge Königreich Bayern verwickelt war, die Tradition schon vor ihrer Entstehung wieder abzuwürgen. 1866 fiel die Wiesn dem Preußisch-Österreichischen Krieg zum Opfer. Auch während des Ersten und des Zweiten Weltkriegs war niemandem zum Feiern zumute.

    Oktoberfest wegen Cholera ausgefallen

    Wegen der Cholera fand das Oktoberfest zweimal nicht statt. 1854 suchte die Seuche München besonders verheerend heim und forderte 3.000 Todesopfer in der Stadt - unter ihnen auch Therese von Sachsen-Hildburghausen, die Ehefrau des 1848 abgedankten Königs Ludwig I. Nach ihr ist die Theresienwiese benannt, auf der das Oktoberfest stattfindet. Die Cholera kam 1873 zurück, auch da fand das Oktoberfest nicht statt.

    💡 Die Cholera in München

    Nach dem Abflauen der Pestwellen zählte die Durchfallerkrankung Cholera neben Typhus und Pocken zu den todbringendsten Krankheiten in Europa. In München, wo es bis in die 1880er-Jahre hinein keine hygienisch unbedenkliche Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung gab, fand die Cholera eine ideale Brutstätte. Die 1854 abgehaltene "Erste Allgemeine Deutsche Industrieausstellung" mit ihren zehntausenden Besuchern aus aller Welt und umfangreichem Rahmenprogramm sorgte für eine explosionsartige Ausbreitung der Erreger.

    1923 und 1924 gab es kein Oktoberfest aufgrund der Inflation. 1946 bis 1948 fand das Oktoberfest als "kleines Herbstfest" statt – seitdem gab es keine Unterbrechung mehr.

    Zentral-Landwirtschaftsfest wäre zeitgleich zur Wiesn

    Das Oktoberfest 2020 soll am 19. September beginnen – in der ersten Woche würde parallel das Zentral-Landwirtschaftsfest (ZLF) laufen. Rein organisatorisch ist es möglich, die Entscheidung übers Oktoberfest bis Juni hinauszuzögern, allerdings ist das Verbot aller Großveranstaltungen bis Ende August eine Art Weichenstellung.

    Eine Milliarde Euro Umsatz steht auf dem Spiel

    Auf dem größten Volksfest der Welt ist es schwierig bis unmöglich einen Sicherheitsabstand und Hygienemaßnahmen zu garantieren. Auf der anderen Seite ist das Oktoberfest ein Wirtschaftsfaktor, der in den 14 Tagen rund eine Milliarde Euro Umsatz generiert. Davon profitieren auch Branchen, die derzeit sehr unter dem Shutdown leiden, wie Hotels, Gaststätten, Taxifahrer oder Reiseführer.

    Das Landwirtschaftsfest wird vom bayerischen Bauernverband veranstaltet. Von dort heißt es, man sei in enger Abstimmung mit der Stadt, könne aber derzeit nicht sagen, ob das ZLF stattfinden wird.