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Etwa 50 Menschen demonstrieren auf dem Münchner Marienplatz für mehr Rechte für Menschen mit Behinderung

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    "Es brennt an allen Ecken" - Demo für mehr Behinderten-Rechte

    Selbstbestimmung, Nichtdiskriminierung, Teilhabe. Das garantiert seit gut 13 Jahren die UN-Behindertenrechtskonvention. Aber nur auf dem Papier, die Realität sieht oft anders aus. In München gingen deshalb etwa 50 Menschen auf die Straße.

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    Von
    • Xaver Scheffer

    "Bevor ich selber eine Behinderung hatte, dachte ich immer: Denen geht’s gut, die werden versorgt, da kümmert sich jemand", erzählt Patrizia Koller vom Bayerischen Behindertenverband. Dann habe sie irgendwann gemerkt: Es ist ein stetes Kämpfen.

    Sie ist Hauptorganisatorin der Demonstration am Münchner Marienplatz. Die rund 50 Teilnehmer lauschen trotz Regen und Hagel ihren Forderungen - etwa nach einer juristischen Unterstützung. Menschen mit Behinderung würden "in einem Paragraphen-Dschungel alleingelassen", sagt Patricia Koller.

    Unterstützung: ja – Bevormundung: nein

    Auch die Grünen-Europaabgeordnete Katrin Langensiepen, selbst mit sichtbarer Behinderung, fordert auf der Rednerbühne mehr Unterstützung - aber keine Bevormundung:

    "Ob ich Hilfe brauche und ob ich in eine WG möchte mit anderen behinderten Menschen, entscheide ich alleine, ob ich in eine Einrichtung gehe oder ob ich nicht in eine Einrichtung gehe, entscheide auch ich alleine." Katrin Langensiepen, Europaabgeordnete, Grüne

    Katrin Langensiepen betont, dass die UN-Behindertenrechtskonvention nicht ausreichend umgesetzt werde. Ihre Beispiele: mangelnde Inklusion an Schulen, nicht barrierefreie Verkehrsmittel und die Behindertenwerkstätten - "da brennt es an allen Ecken und Enden".

    Schweigeminute für Opfer von Potsdam

    Die Veranstalter greifen kurz nach Beginn der Kundgebung noch ein aktuelles Ereignis auf. Mit einer Schweigeminute gedenken sie der Opfer von Potsdam: Vergangene Woche hatte die Mitarbeiterin in einer Betreuungseinrichtung für Menschen mit Behinderung vier Bewohner getötet und eine Person schwer verletzt. Die Täterin befindet sich zurzeit in einer psychiatrischen Einrichtung.

    Katrin Langensiepen und Patricia Koller fordern in diesem Zusammenhang mehr Respekt – und kritisieren die Medien. Es sei bei der Berichterstattung zu wenig um die Opfer gegangen. Stattdessen sei die Betreuungseinrichtung gelobt und bei der Täterin gar ein "Erlösungsmotiv" vermutet worden. Gerade den Begriff der "Erlösung" kritisiert Katrin Langensiepen scharf: "Wir sind nicht die hilfsbedürftigen Opfer, wir müssen auch nicht von unserer Behinderung erlöst werden."

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