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Erstkommunion "Corona-konform": Wie Gemeinden sich vorbereiten | BR24

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Bildrechte: picture alliance / Klaus Rose | Klaus Rose

Übermorgen ist Weißer Sonntag, in der katholischen Kirche traditionell Starttermin für die Erstkommunionen. Schon 2020 fielen die wegen Corona in vielen Kirchen aus, so dass jetzt sogar noch mehr Kinder dran sind. Wie Pfarreien sich vorbereiten.

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Erstkommunion "Corona-konform": Wie Gemeinden sich vorbereiten

Übermorgen ist Weißer Sonntag, in der katholischen Kirche traditionell Starttermin für die Erstkommunionen. Schon 2020 fielen die wegen Corona in vielen Kirchen aus, so dass jetzt sogar noch mehr Kinder dran sind. Wie Pfarreien sich vorbereiten.

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Von
  • Johannes Reichart

Mit ausgestreckten Armen steht Anja Sedlmeier vor vier Kommunionskindern im Pfarrsaal im oberbayerischen Eglharting. In der Mitte eine angezündete Kerze und eine Christus-Ikone. Wegen der Corona-Beschränkungen singt die kirchliche Angestellte allein, die Kinder begleiten das Lied mit Gesten. Wegen Corona werden die insgesamt 33 Kinder der Pfarrei St. Joseph in Kirchseeon ganz anders auf ihre Erstkommunion vorbereitet, sagt Anja Sedlmeier: "Unser Konzept ist ja wirklich, Gemeinschaft zu erleben. Um Gemeinschaft geht schon stark über Berührung über Kontakt. Sich die Hände reichen zum Beispiel. Jetzt muss jede Aktion neu durchgeplant werden und neu durchdacht werden, wie es auf Abstand gehen kann, so dass trotzdem was Gemeinsames passiert."

Vier Kommunionfeiern statt zwei, gesungen wird mit Händen

Maskenpflicht, keine Berührungen, kein Gesang, dafür Abstandhalten – eine Herausforderung für die Kinder und für die 14 Ehrenamtlichen der Kommunionvorbereitung in Kirchseeon. Überall in Bayern stellen sich katholische Pfarreien dieselben Fragen: die Erstkommunion absagen oder verschieben, die Vorbereitung nur digital machen oder doch in kleinen Grüppchen. In Kirchseeon wurden die 33 Kinder auf fünf Gruppen verteilt, Anfang Mai gibt es nun vier Erstkommunionfeiern statt zwei.

Ein Jahr Aufschub - für Kinder, eine gefühlte Ewigkeit

Erstkommunion, das ist in der katholischen Kirche der feierliche erste Empfang der Eucharistie in Form von Brot und Wein als Zeichen für die Gegenwart Gottes. Diesen Schritt wegen Corona ausfallen zu lassen, das ist für Anja Sedlmeier keine Option: "Die Kinder freuen sich jetzt schon so wir haben am ersten Advent gestartet mit der Kommunionvorbereitung. Wenn wir jetzt sagen würden, wir verschieben die Kommunion noch einmal um ein Jahr... Ein Jahr ist für Kinder vom Erleben her sehr, sehr lange."

Jede Pfarrei entscheidet selbst über den Festtermin

Erstkommunion im Mai, Juli oder gar erst im Oktober - feste Vorgaben der Bischöfe gibt es nicht. Jede Pfarrei entscheidet eigenständig, wie sie mit dem kirchlichen Fest umgeht, nur in wenigen Kirchengemeinden liegt es auf dem Weißen Sonntag. Der Name geht zurück auf die christlichen Ursprünge in der frühen Kirche. Damals ließen sich erwachsene Täuflinge eine Woche nach Ostern taufen, mit weißen Gewändern. In Erinnerung an die Taufe sind auch viele Kommunionkleider weiß – daher der Name Weißer Sonntag.

Kommunionvorbereitung kein "religiöses Homeschooling"

Dieses Jahr bereiten viele Gemeinden die Kommunionkinder auch online vor, die Erzdiözese München und Freising hat ihr bisheriges Präsenz-Konzept umgestellt auf den sogenannten "Familienweg". Bei diesem lernen die Kinder zuhause mit Eltern und Geschwistern, was die Eucharistie bedeutet und wie der katholische Gottesdienst abläuft. Michaela Wuggazer, Referentin für die Kommunionvorbereitung der Diözese Augsburg sagt, wichtig sei dabei eine Vermittlung auf spielerische Art: "Es wird insgesamt versucht, Kontaktformen zu wählen, die nicht noch mal eine Last für die Eltern und Familien bringen, dass es zu einem religiösen Homeschooling kommt. Es gibt meistens Mischformen - Web-Gottesdienste, aber auch Outdoor Aktivitäten."

Die Not macht auch viele Gemeinden erfinderisch

Etwa Weggottesdienste oder thematische Spaziergänge. Die Pandemie ermögliche es, endlich einmal in der Kirche neue Dinge auszuprobieren, sagt Wuggazer. Das haben wir immer schon so gemacht - die Einstellung funktioniere jetzt eben nicht. "Von daher ist ein Experimentierfeld offen." Das gelte zumindest für die Dauer der Corona-Pandemie.

Kirchenralley und Feier ohne Gesang - für die Kinder "ganz okay"

Auch in Kirchseeon haben sie Neues ausprobiert: Bei der sogenannten Kirchenrallye entdecken die einzelnen Kinder mit ihren Eltern spielerisch die Orte innerhalb des Kirchenraums. Kirche als Gemeinschaft erleben – nicht leicht während Corona. Die Kinder in Kirchseeon haben die Situation angenommen: "Ganz okay" finden sie ihre Art der Kommunionvorbereitung, so sagen sie. Es sei zwar schade, dass man nicht singen dürfe, aber daran könne man nun einmal nichts ändern.

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