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Erstes Kunstwerk an der Grenze | BR24

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Erstmals ist bei Selb (Lkr. Wunsiedel) ein Kunstwerk auf der Grenze zwischen Deutschland und Tschechien aufgestellt worden. Die Installation mit Namen "Handreichung" soll ein Zeichen für die Annäherung zwischen den Ländern der EU sein.

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Erstes Kunstwerk an der Grenze

"Handreichung" heißt das erste Kunstwerk, das im Rahmen des Kunstprojektes "Europa - ganz nah" an der deutsch-tschechischen Grenze installiert wurde. Die zwei riesigen Hände gelten als wichtige Geste an der derzeit geschlossenen Grenze.

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Am deutsch-tschechischen Grenzübergang Wildenau hat der Kunstverein Hochfranken Selb heute (05.05.2020) eine Installation aufgebaut. Es ist das erste Kunstwerk, das direkt auf der deutsch-tschechischen Grenze stehen darf. Zwei riesige Hände kurz vor der Berührung – die eine aus Holz, die andere aus Stahlblech - schwebend aufgehängt in einem Stahlrahmen.

"Handreichung" als eindeutiges Symbol

Das Kunstwerk "Handreichung" ist ein eindeutiges Symbol. Die Holzhand: naturfarben, etwa anderthalb Meter lang, eine halbe Tonne schwer, aus einem einzigen Eichenstamm vom oberfränkischen Künstler Wolfgang Stefan geschaffen. Die Hand aus Stahlblech: mit einer rostfarbenen Patina, eckiger, luftiger und futuristischer. Ihr Schöpfer ist der Tscheche Tomáš Dolejš. Miteinander ergeben die Teile der beiden Künstler ein zusammengehörendes Werk.

Kunstprojekt "Europa - ganz nah"

Das Kunstwerk "Handreichung" ist Teil des deutsch-tschechischen Kunstprojekts "Europa – ganz nah". Mehr Austausch zwischen den Kulturen beider Länder und mehr Miteinander möchten die Initiatoren vom Kunstverein damit bewirken. Eigentlich sollten dafür das ganze Jahr über Veranstaltungen und Aktionen im deutsch-tschechischen Grenzgebiet stattfinden. Corona-bedingt haben viele davon jetzt eine andere Form gefunden als ursprünglich geplant: Die Ausstellungen von sogenannten „Fotosafaris“ sind zum Beispiel jetzt online auf der Webseite des Kunstvereins zu sehen. Zum Projektjahr gehören aber auch verschiedene neue, bleibende Kunstwerke für die Grenzstädte Asch und Selb, wie die Installation "Handreichung".

Probleme am Grenzübergang aufgrund von Corona

Auch beim Aufstellen des Werks gab es zunächst symbolträchtige Probleme: Der Kunstverein hatte für den Tschechen Dolejš eigens eine Sondergenehmigung beantragt und erhalten: Um seinen Teil des Kunstwerks zur Grenze zu bringen und in den Stahlrahmen einzuhängen, musste er kurzzeitig die Grenze für ein paar Meter übertreten. Die Grenzbeamten vor Ort am Grenzübergang Wildenau wussten allerdings nichts von einer solchen Sondergenehmigung. Etwa eine halbe Stunde und etliche Telefonate dauerte es deshalb Corona-bedingt, bis die PKWs der beiden Künstler – jeweils mit einer der Hände auf einem Anhänger – sich tatsächlich die letzten Meter aufeinander zubewegen und an der Grenze begegnen konnten.

Wichtige Geste an geschlossener Grenze

Gerade jetzt, wo die Grenzen zwischen beiden Ländern streng geschlossen sind, ist die "Handreichung" für Projektleiter Hans-Joachim Goller vom Kunstverein Hochfranken Selb eine wichtige Geste:

"Die Leute gehen aufeinander zu, die Leute geben sich die Hand. Und wie könnte es denn weitergehen, dass eben eine engere Verbindung zwischen den Ländern Europas zustande kommt? Und das muss eben im Kleinen passieren, wie zum Beispiel hier bei uns direkt an der Grenze", Hans-Joachim Goller, Kunstverein Hochfranken Selb.
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"Handreichung" heißt das Kunstwerk, das im Rahmen des Kunstprojektes "Europa - ganz nah" an der deutsch-tschechischen Grenze aufgestellt wurde.